Piatnik-Chef Dieter Strehl bekommt Jahr für Jahr 1000 Ideen für neue Spiele zugetragen und bringt jährlich 200 Neuigkeiten auf den Markt.

© KURIER/Franz Gruber

Markt
05/17/2016

Piatnik: Die Schachzüge der Spielemacher

Neue Ideen für Spiele kommen oft von Privaten – 9 von 10 sind ein Flop. Gefertigt wird wie in der Autoindustrie.

von Simone Hoepke

Wer sagt, dass es keine neuen Spiele am Markt gibt, hat nur den Überblick verloren: Jedes Jahr drängen allein im deutschsprachigen Raum rund 3000 neue Spiele in die Verkaufsregale – für neun von zehn heißt es nur ein Jahr später "Game over". Was sich nicht gleich verkauft, fliegt raus. In der Pipeline stehen schon die nächsten Innovationen. Den Herstellern gehen die Ideen nicht aus – obwohl die wenigsten große Kreativabteilungen haben.

"Wir kaufen Ideen ein", erklärt Dieter Strehl. Der Nachfahre von Firmengründer Ferdinand Piatnik führt den Familienbetrieb in fünfter Generation. In seinem Besprechungszimmer reihen sich hunderte bunte Spielepackungen aneinander, an den Wänden hängen Spielkarten, auf dem Besprechungstisch türmen sich Bauklötze. Es ist eine kleine Auswahl jener Ideen, die es in den Markt geschafft haben.

1000 Ideen pro Jahr

Jährlich bekommt Piatnik rund tausend Zusendungen von Leuten, die ihre Erfindung zu Geld machen wollen. "Weltweit gibt es vielleicht ein paar Dutzend Menschen, die von solchen Erfindungen leben können, die meisten von ihnen sind Mathematiker", sagt Strehl. Wahrscheinlichkeiten und Spielverläufe durchzudenken sei oft wichtiger als Kreativität.

Kreativ sind unter anderem die Designer und Grafiker, die das Produkt marktfit machen. Am Ende ihrer Arbeit steht meist ein Spiel mit einem englischen Namen, das in einer grellbunten Verpackung steckt. "Englische Namen sind so beliebt, weil sie in vielen Ländern von vielen Menschen verstanden werden", erklärt Strehl, der unter anderem Activity auf den Markt gebracht hat. Die Idee zum Party-Spiel kam nicht aus New York, sondern aus dem steirischen Seckau. Dort haben sich vor 25 Jahren zwei Ehepaare so gelangweilt, dass sie sich das Spiel ausgedacht haben. Damit haben sie aus ihrer Fadesse gutes Geld gemacht – Activity hat sich acht Millionen Mal verkauft und wurde in 13 Sprachen übersetzt.

Der Spiele-Autoren-Markt funktioniert im Prinzip wie der Buchmarkt: Der Autor ist am Verkaufserlös beteiligt. Während Buch-Autoren dicke Wälzer vorlegen, sollen Spielemacher mit möglichst kurzen Erklärungen auskommen: Je länger die Spielanleitung, desto kleiner die Erfolgsaussicht.

Fertigen wie Autobauer

Die Produktion funktioniert dagegen wie jene in der Autoindustrie: mittels Zulieferindustrie. Piatnik produziert aber noch heute alle Karten, Pläne und Schachteln in der hauseigenen Druckerei in Wien 14. Der Zukauf in fernen Märkten wie China sei nie Thema gewesen. "Dort bekommt man gar nicht die passenden Kartonagen und hat Qualitätsprobleme, etwa wenn die Lagerung nicht passt und die Ware feucht wird." Zudem würde sich der Transport über den halben Globus nicht auszahlen – zumal es Spielwarenhändler oft eilig haben. Die Branche macht bis zu drei Viertel ihres Geschäfts rund um Weihnachten. Verkauft sich ein Spiel besser als gedacht, muss schnell für Nachschub gesorgt werden.

Dazu kommt die Sprachenvielfalt in Europa: Jedes Land braucht eigene Verpackungen, damit fallen die Produktionsmengen relativ klein aus und würden keine Container aus Übersee füllen. So hat sich bis heute eine Industrie in Europa gehalten. Piatnik kauft beispielsweise Würfel und Figuren in Deutschland.

Karten von Piatnik sind in 5. Generation Familiensache

Wenn es um Kartenspiele geht, ist Dieter Strehl in seinem Element. Der leidenschaftliche Tarock-Spieler erzählt, dass die in Österreich bekannten Doppeldeutschen-Karten am ganzen Balkan, aber auch in Ungarn und Tschechien bekannt sind, man quasi nur in Vorarlberg mit Einfach-Deuschen-Blättern spielt und sich die französischen Karten schlicht durchgesetzt haben, weil sie am leichtesten zu produzieren waren.

Der Ururenkel des Firmen-Gründers Ferdinand Piatnik verkauft jährlich 25 Millionen Spielkartenpakete, dazu kommen zwei Millionen Spiele und eine Million Puzzles. Piatnik hat zuletzt 26 Millionen Euro im Jahr umgesetzt, davon 85 Prozent im Ausland. Bereits 1989 wurde eine Tochtergesellschaft in den USA gegründet, 1993 folgten Deutschland, Ungarn und Tschechien. Das Unternehmen gehört nach wie vor zu 100 Prozent den direkten Nachkommen des Firmengründers Ferdinand Piatnik.

„Wir haben nur andere Namen, weil es viele Frauen unter den Nachfahren gab“, sagt Strehl, der seit 1985 im Betrieb tätig ist. Sein Ururgroßvater, geboren im heutigen Budapest, kam auf die Walz nach Wien, heuerte bei der Kartenmalerei Anton Moser an, heiratete nach dem Tod seines Chefs dessen Witwe und baute die Firma aus. Heute beschäftigt Piatnik in Österreich 115 Mitarbeiter, davon 80 in der Produktion.

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