Wirtschaft
10.08.2017

Pflanzen-Krise: US-Farmer vermuten Herbizid dahinter

Monsanto soll sich bei der Einführung einer neuen Version des Herbizids Dicamba unabhängigen Tests widersetzt haben.

Die ersten Warnungen kamen schon lange vor der Ernte. Bauern in den USA posteten Bilder in den sozialen Medien, die verwelkte Bohnen-Felder, siechende Pfirsich-Bäume und darbende Gemüse-Gärten zeigten. Nun sind Farmern zufolge weite Flächen Ackerland von der Pflanzen-Krise betroffen. Und die Bauern glauben zu wissen, was diese ausgelöst hat.

Neue Versionen des Herbizids Dicamba seien über die Felder getrieben und hätten Pflanzen erreicht, die nicht gegen das Mittel gewappnet waren. Behörden in den USA gehen den Vorwürfen nun nach, die sich auch gegen den Agrarchemiekonzern Monsanto richten, der eine Version des Mittels im Umlauf hat. Dabei kommen neue Details zum Produkt des US-Konzerns ans Licht, den der deutsche Bayer-Konzern übernehmen will.

Hinweise von Forschern und Regulierern und auch eine bisher nicht öffentlich bekannte Aussage eines Monsanto-Mitarbeiters deuten auf einen ungewöhnlichen Weg hin, den Monsanto zur Einführung seines Produkts wählte. Monsanto hat sich dabei deren Angaben zufolge unabhängigen Tests widersetzt, die zwar nicht vorgeschrieben, aber bisher zumindest Usus in der Branche waren.

Wie in den USA üblicherweise getestet wird

Wird in den USA ein neues Agrar-Produkt entwickelt, ist es üblich, dass das betreffende Unternehmen eigene Tests vornimmt - und die Daten und Ergebnisse dann mit den zuständigen Behörden teilt. Stichproben des Produkts werden zudem Universitäten vorgelegt, um für zusätzliche Sicherheit zu sorgen. Regulatoren und Forscher arbeiten dann bei der Beurteilung zusammen. Im aktuellen Fall verwehrte Monsanto Forschern an Universitäten aber, seine Dicamba-Version mit dem Namen XtendiMax mit VaporGrip auf Flüchtigkeit hin zu untersuchen und damit zu prüfen, ob es sich über Felder hinweg verteilen kann.

Drei Forscher - Jason Norsworthy von der University of Arkansas, Kevin Bradley von der University of Missouri sowie Aaron Hager von der University of Illinois - sagten der Nachrichtenagentur Reuters, Monsanto habe zwar Proben von XtendiMax bereitgestellt, bevor das Mittel von der US-Umweltschutzbehörde EPA zugelassen worden sei. Doch Monsanto legte Verträge bei, die explizit untersagt hätten, das Produkt auf Flüchtigkeit zu testen. Er sei erstmals mit strikten Vorgaben konfrontiert worden, was und was nicht untersucht werden durfte, sagte Forscher Norsworthy. Eine Kopie des Vertrags wollte er nicht vorlegen - dazu sei er nicht befugt.

Monsanto-Manager Scott Partridge findet das Vorgehen indes nicht ungewöhnlich. Monsanto habe die Tests verhindert, weil diese schlichtweg unnötig gewesen seien. Sein Unternehmen gehe davon aus, dass das neue Produkt weniger flüchtig sei als sein Vorgänger - und dessen Formel gegen Unkraut sei Forschern zufolge sicher gewesen. Neue Daten zu sammeln hätte nun viel Zeit in Anspruch genommen. Dabei habe das Produkt doch in die Hände der Landwirte gehört.

Ein Monsanto-Beschäftigter scheint vor einem Ausschuss in Arkansas aber einen anderen Standpunkt vertreten zu haben. Er soll dort einem Protokoll zufolge gesagt haben, den Universitäten seien keine Möglichkeiten für Tests von VaporGrip eingeräumt worden - aus Sorge, dass deren Ergebnisse vielleicht eine Zulassung gefährden könnten. Monsanto wollte sich dazu nicht äußern.

Tests laufen noch

Die Untersuchungen um Beschwerden von Landwirten über beschädigte Pflanzen laufen nun noch. Es liegen bisher keine Beweise vor, dass unabhängige Tests der Flüchtigkeit von XtendiMax etwas geändert hätten. Sie hätten den Behörden aber ein vollständigeres Bild verschafft, sagen Agrar-Experten. Letztlich hatte die Umweltschutzbehörde EPA das Produkt ohne weitere Tests im September genehmigt. Die Behörde sei aber sehr besorgt angesichts der Berichte über Ernte-Schäden, sagte eine Sprecherin. Der Bundesstaat Arkansas untersagte XtendiMax. Berichte über Ernteschäden gibt es aber auch hier. Monsanto gehe davon aus, dass sein Mittel niemanden schädige und sich nicht aus dem Zielgebiet verflüchtige, wenn es wie vorgeschrieben eingesetzt werde, sagte ein Vertreter des Konzerns.