Pfizer-Österreich-Chef Robin Rumler

© KURIER/Gilbert Novy

Pharmabranche
10/15/2016

Pfizer-Chef: Mehr Viagra für die Forschung

Österreich sei für Top-Qualifizierte zu wenig attraktiv, meint Pfizer-Chef Robin Rumler im KURIER-Interview.

von Anita Staudacher

Der US-Pharmariese Pfizer vertreibt in Österreich nicht nur seine Produkte, sondern stellt auch welche her und betreibt klinische Forschung. Der KURIER sprach mit Österreich-Chef Robin Rumler über die Impfstoff-Produktion in NÖ, hohe Medikamentenpreise und heikle Zahlungen an Ärzten.

KURIER: Pfizer ist seit 60 Jahren in Österreich. Wie wichtig ist der Standort im Konzern?

Robin Rumler: Ganz wichtig. Wir haben hier 500 Mitarbeiter und produzieren in Orth an der Donau Impfstoffe für den internationalen Markt. Außerdem ist Wien ein Hub für Onkologie, von hier aus steuern wir mehrere Länder.

Das Impfstoff-Werk in Orth wurde vor zwei Jahren von Baxter übernommen, damals gab es Schließungsgerüchte. Welche Perspektiven hat der Standort?

Aktuell passen die zwei von Baxter übernommenen Impfstoffe gegen FSME (Zeckenschutz, Anm.) und Meningitis C perfekt zu Pfizer dazu. Wir haben eine eigene Abteilung dafür. Orth ist ein Biotech-Standort mit 40 Jahren Expertise. Wir erweitern gerade das Lager, von einer Schließung kann keine Rede sein.

Pfizer führt auch klinische Studien in Österreich durch. Wie zufrieden sind Sie mit den Rahmenbedingungen?

Prinzipiell ist Österreich ein guter Standort, etwa was die Lebensqualität oder politische Stabilität anbelangt. Jedoch sind die administrativen Auflagen zu hoch, die Bürokratie muss abgebaut werden. Für top-qualifizierte Forscher aus dem Ausland ist Österreich wegen der hohen steuerlichen Belastungen nicht attraktiv genug. Pfizer hat Mitarbeiter aus 26 Nationen in Wien. Wir müssen Österreich zu einem Magneten machen und generell mehr in Forschung und Entwicklung investieren. Da könnte mehr weitergehen.

Die Krankenkassen stöhnen über hohe Medikamentenpreise, im Vorjahr stand deshalb sogar der Rahmenvertrag mit der Pharmabranche auf der Kippe. Wie entwickeln sich die Preise heuer?

Der Markt wächst aktuell mit nicht einmal drei Prozent, ich erwarte mir auch keine größeren Steigerungen bis Jahresende. Die Medikamentenkosten machen jedoch nur zwölf Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitssystem aus. Man müsste sich auch die anderen Baustellen anschauen. Im Gesundheitssystem ist noch viel Sparpotenzial drinnen, ohne die Versorgung zu gefährden.

Wo sehen Sie die dringlichsten Maßnahmen?

In der Reduzierung des Spitalssektors zugunsten des niedergelassenen Bereichs, etwa durch die Schaffung von Primärversorgungszentren, um die Ambulanzen zu entlasten. Dabei muss man die Spitäler nicht gleich schließen, sondern kann Schwerpunkte schaffen. Es geht zwar ohnehin in die Richtung, aber mir geht das alles viel zu langsam. Es gehören verbindliche Gesundheitsziele her, dessen Erreichen regelmäßig gemessen wird, z.B. Reduzierung von Diabetes oder bei der Raucherentwöhnung.

Welche von Ihren 130 in Österreich verkauften Pharma-Produkten sind die Bestseller?

Wir machen rund 200 Millionen Euro Umsatz, das Gros entfällt auf Rheuma und Onkologie, aber auch der FSME-Impfstoff gehört dazu. Bei den Rezeptfreien sind wir etwa mit dem Wärmepflaster Thermacare, Vitasprint oder Centrum präsent. Das ist aber ein relativ kleines Portfolio.

Allgemein bekannt ist das Potenzmittel Viagra, dessen Patentschutz 2013 abgelaufen ist. Wie haben sich die Umsätze seither entwickelt?

Der Fall des Patentschutzes brachte einen Preisverfall, der Markt hat sich seither ausgeweitet. Es gibt inzwischen 15 Generika in verschiedensten Packungsgrößen, auch eines von uns. Viagra ist ein wichtiges Produkt für uns, aber umsatzmäßig längst nicht die Nummer 1. Es gibt nach wie vor zahlreiche Trittbrettfahrer, im Internet wimmelt es von Fälschungen.

Zum Thema Transparenz: Seit heuer weist auch Pfizer sämtliche geldwerten Leistungen (Honorare, Fortbildung) an Ärzte in einem eigenen Bericht aus. Im Vorjahr waren dies rund 900.000 Euro. Wie waren die Reaktionen der Ärzte?

Ohne Zustimmung der Ärzte ist keine namentliche Offenlegung möglich, etwa ein Drittel stimmte letztendlich zu, der Rest wurde kumuliert erfasst. Es ist doch positiv, wenn sich Ärzte für neue Produkte oder Therapien interessieren, das kommt dann auch ihren Patienten zugute. Und ja, wir bezahlen Honorare für Vorträge und legen die Summen dann offen. Wenn ein Arzt halt viel macht und verdient, ist das ein Zeichen seiner Leistung.

Arbeiten Sie wie GlaxoSmithKline nur noch mit Ärzten zusammen, die einer namentlichen Nennung zustimmen?

Nein, wir gehen einen anderen Weg. Man muss die Menschen einfach an Transparenz gewöhnen. Eine Offenlegung hat Vorteile für beide Seiten, denn uns Pharmafirmen wird ja alles mögliche vorgeworfen. Uns geht es darum, unsere Leistungen in ein besseres Licht zu rücken. Eine solche Transparenz würde ich mir auch in anderen Branchen wünschen.

Sie arbeiten in einem US-Unternehmen. Wie beurteilen Sie die Diskussionen zu CETA und TTIP?

Ich begrüße alle wirtschaftlich unterstützenden Vereinbarungen. Am Thema Transparenz kann man aber noch arbeiten, um auch in der Bevölkerung das nötige Verständnis zu erreichen. Ich begrüße diesbezüglich den Vorstoß von Kanzler Kern.

Pfizer: Zweitgrößter Pharmakonzern der Welt

Pfizer wurde 1849 von den aus Deutschland ausgewanderten Apothekern und Chemikern Karl Pfizer und Karl Erhart in New York gegründet. Heute ist das Unternehmen der zweitgrößte Pharmakonzern hinter Novartis. Es erforscht, entwickelt und vertreibt Arzneimittel und Impfstoffe zur Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten wie Krebs, Rheuma oder Schmerz. Weltweit werden rund 400 verschiedene Produkte vertrieben, in Österreich sind es 130.

Pfizer beschäftigt weltweit 97.000 Mitarbeiter und erzielte 2015 einen Umsatz von 44 Mrd. Euro. In Österreich beschäftigt Pfizer derzeit 500 Mitarbeiter, jeweils die Hälfte in Wien und Orth an der Donau. Der Umsatz betrug zuletzt 200 Mio. Euro.

Robin Rumler (53) ist seit 2009 Geschäftsführer der Pfizer Austria GmbH und war von 2010 bis 2016 Präsident der Pharmig, die die Interessen von 120 Pharmafirmen mit 18.000 Mitarbeiter vertritt. Der studierte Mediziner ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern.

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