© ÖAMTC/Lukas Lorenz

Wirtschaft
08/04/2021

Pensionskosten geraten aus der Spur

Finanzierungslücke wächst bis 2024 auf 25,9 Milliarden. Pensionszuckerl und Pensionierungswelle kosten zusätzlich 2,5 Milliarden, warnen die Neos

von Michael Bachner

Warnungen vor einem Kollaps des Pensionssystems gibt es genug. Doch die Situation wird nicht besser, sondern noch schlechter als erwartet.

Das kann Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker aufgrund neuer Daten aus der „Gebarungsvorschau“ der Sozialversicherung belegen. Er schlägt deshalb im KURIER-Gespräch Alarm: „Die Entwicklung ist ein Wahnsinn. Die Pensionszuckerl der Regierung schnüren den jungen Menschen die Luft ab. Derzeit müssen bereits 30 Prozent des Bundesbudgets für Pensionszuschüsse verwendet werden. Bis 2024 steigt das auf 35 Prozent, was Österreich in eine pensionsbedingte Budgetkrise treiben wird, wenn eine große Pensionsreform ausbleibt.“

Teure Neuregelung

Zwar wurde die „Hacklerregelung“ (abschlagsfreie Frühpension mit 62 nach 45 Arbeitsjahren) abgeschafft. Doch wurden im Vorjahr höhere Bauernpensionen und ein neuer Frühstarterbonus ab 2022 eingeführt – unterm Strich ist das teurer als zuvor.

Die Pensionsversicherung hat ihre Prognosen für den Bundeszuschuss ins Pensionssystem in der Anfragebeantwortung an Loacker daher kräftig nach oben korrigieren müssen. Auch die zuletzt stark gestiegene Anzahl der Pensionsantritte (2020: Plus zwölf Prozent) schlägt sich hier natürlich nieder.In den vier Jahren 2021 bis 2024 kommen daher 2,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Bundesausgaben on top zum ohnehin schon großen Pensionsloch dazu. Es beträgt in Summe bereits deutlich mehr als 20 Milliarden Euro.

Das bedeutet auch: Die Pensionen werden in Österreich nur noch zu knapp zwei Dritteln von Beiträgen gedeckt.

Um die Situation zu entschärfen, schlägt der Neos-Mandatar zwei Maßnahmen vor: Kurzfristig, zur raschen Stabilisierung der Kosten, sollten alle Pensionen über der ASVG-Höchstpension (3.500 Euro) eingefroren werden. Damit würden die Pensionserhöhungen der darüber liegenden „Luxuspensionen“ entfallen, für kleinere Pensionen würde sich nichts ändern.

Individueller Antritt

Darüber hinaus müsste für Loacker mittelfristig auf ein flexibleres Pensionskonten-System nach schwedischem Vorbild umgestellt werden – mit Abschlägen oder einem Bonus je nach individuellem Antrittszeitpunkt. Damit könne auch die steigende Lebenserwartung automatisch im System abgebildet und die Pensionslücke verkleinert werden. Loacker: „Wir müssen uns vom fixen Pensionsantrittsalter lösen. Jeder soll sich aussuchen können, wann er oder sie in Pension geht.“

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