Befragung: Junge zweifeln an staatlicher Pension
Die Regierung arbeitet an einer Reform der betrieblichen Altersvorsorge, die im September beschlossen werden soll. Betroffen sind davon Pensions- und Mitarbeitervorsorgekassen (Abfertigung). Philipp Mayer, Vorstandsmitglied der Valida Vorsorge Management, begrüßt das Vorhaben. „Man muss die Risiken des Pensionssystems diversifizieren.“ Derzeit würden 90 Prozent auf der staatlichen Säule und nur vier Prozent auf der betrieblichen lasten, der Rest auf privater Vorsorge. Ziel sei ein starkes Mischsystem mit 70 Prozent Anteil aus dem Umlageverfahren, gepaart mit einer stabilen zweiten Säule.
„Eine gestärkte zweite Säule kann die Schwächen des Umlagesystems deutlich reduzieren“, sagt Mayer im KURIER-Gespräch. Dazu zähle etwa das Ende der Abhängigkeit von der Demografie in der Ansparphase. Derzeit würden etwas mehr als drei Menschen im erwerbsfähigen Alter einen Pensionisten erhalten, 2040 seien es nur noch etwas mehr als zwei. Für Mayer ist es daher richtig, den Kapitalmarkt in das Pensionssystem verstärkt miteinzubeziehen und nicht alles auf einen Faktor zu konzentrieren.
Bei den Unter-40-Jährigen dominiert die Unsicherheit
Dass es Reformen benötige, zeige auch eine von Valida in Auftrag gegebene qualitative Befragung von knapp 30 Arbeitnehmern und sechs Personalchefs großer Unternehmen. Demnach dominiert bei den Unter-40-jährigen die Unsicherheit. Tenor: „Die staatliche Pension deckt nur die Grundsicherung, darüber hinaus muss selbst vorgesorgt werden.“ Die jüngeren Befragten würden die „Der Staat wird schon alles richten“-Mentalität der älteren Bevölkerung kritisieren.
Philipp Mayer, Vorstandsmitglied der Valida Vorsorge Management
„Zu viele Ältere, zu wenige Erwerbstätige – das Verhältnis geht sich irgendwann nicht mehr aus. Ein höheres Antrittsalter hilft nur begrenzt, es ist ein grundsätzliches Problem“, sagte ein Teilnehmer.Die älteren Befragten wiederum würden eine Anhebung des Pensionsantrittsalters kritisch sehen, ebenso die Rolle der zweiten Säule. „Betriebliche Vorsorge hat man, wenn man Glück hat und private Vorsorge, wenn man sich’s leisten kann“, sagte eine ältere Teilnehmerin.
Generell rechnen die Befragten damit, dass sie nur rund 50 Prozent ihres Nettogehalts künftig als Pension erhalten. Tatsächlich sind es nach 45 Beitragsjahren mehr als 80 Prozent. „Dies zeigt das sehr geringe Vertrauen in das System und eine große Unsicherheit“, sagt Mayer. Und die zweite Säule werde stärker wahrgenommen als sie tatsächlich sei. „Auf Nachfrage fehlt aber grundsätzliches Wissen zur betrieblichen Vorsorge.“
Das Lebensphasenmodell bringe mehr Sicherheit und höhere Rendite
Insgesamt seien sich die Teilnehmer einig, dass es Reformen brauche und die Pensionslast auf mehrere Akteure aufgeteilt werden müsse. Besonders wichtig sei den Befragten, dass man sich nicht selbst darum kümmern müsse. Sicherheit und geringe Risiken würden wichtiger eingeschätzt als hohe Renditen. „Zugleich wünschen sich aber alle höhere Pensionen“, zeigt Mayer ein Spannungsfeld auf. „Einerseits wächst das Bewusstsein, dass das bestehende System allein nicht ausreichen wird, andererseits fehlt noch das Vertrauen in ergänzende Modelle.“ Mit dem Lebensphasenmodell, bei dem im Laufe der Jahre vermehrt in weniger riskante Wertpapiere veranlagt wird, sei sowohl Sicherheit als auch eine höhere Rendite möglich.
Unter jungen Befragten sei der Wunsch nach Eigenverantwortung und Kontrolle deutlich stärker. Es sollte mehr Wahlmöglichkeiten geben, etwa bei Auszahlung oder Veranlagung. Dass sich das rechnen kann, zeigt ein Beispiel aus dem Bereich Vorsorgekasse. Dabei werden 1,53 Prozent des Bruttogehalts veranlagt. Mit der derzeit verpflichtenden Kapitalgarantie beträgt laut Mayer die Performance nur 2,3 Prozent im Jahr. Nach 40 Jahren (Person mit Mediangehalt und jährlicher Anpassung von 2 Prozent) beträgt das Guthaben 63.000 Euro. Künftig ist ein Vertrag auch ohne Garantie, die Rendite frisst, möglich. Dann wären es 90.000 Euro.
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