Wirtschaft
30.11.2016

Palmöl: Studie zeigt schlechte Arbeitsbedingungen auf

Protest von Arbeiterinnen auf einer Palmölplantage in Bangladesch. © Bild: EPA/ABIR ABDULLAH

Amnesty International befragte 120 Plantagenarbeiter. Auch Etikettenschwindel um "nachhaltiges Palmöl".

Menschenrechtsverletzungen bei der Palmöl-Produktion in Indonesien hat Amnesty International (AI) untersucht. "Etwas läuft schief, wenn neun Firmen mit einem Gesamtumsatz von 325 Milliarden Dollar im Jahr 2015 unfähig sind, etwas gegen die grauenhafte Behandlung von Arbeiterinnen und Arbeitern zu tun", fasste AI-Sprecherin Meghna Abraham ein Ergebnis des so entstandenen Reports zusammen.

Die NGO hat mit dem Bericht unter dem Titel "Der große Palmölskandal" auf 150 Seiten dargelegt, was aus ihrer Sicht bei der Produktion des sowohl in Lebensmitteln wie auch Wasch- und Spülmitteln verwendeten Rohstoffs falsch läuft. Dabei wurde nicht nur der Aspekt der Kinderarbeit angesprochen, wo Minderjährige gemeinsam mit ihren Eltern für einen Hungerlohn auf den Plantagen arbeiten müssen. Kritik erfolgte auch am Konzern Wilmar International, seines Zeichens größter Vertreiber von Palmöl und einer der größten Agrarkonzerne der Welt, und seinen Abnehmern - Großkonzernen mit einem Gesamtumsatz im dreistelligen Milliardenbereich. "Ungeachtet der Versprechen an ihre Konsumenten, es gebe keine Ausbeutung in ihrer Palmöl-Lieferkette, profitieren große Marken weiterhin von erschütternden Missbräuchen", sagte AI-Senior-Researcherin Abraham in einer Aussendung.

120 Plantagenarbeiter befragt

Die angesprochenen Missbräuche sind Vielgestalt und ergaben sich aus der Befragung 120 Plantagenarbeitern von zwei Tochterfirmen von Wilmar und drei Zulieferern. So seien die Arbeiter durch die Zielvorgaben der Firmen nicht nur zu extrem langen Arbeitszeiten gezwungen, sie müssten auch ihre Kinder mithelfen lassen, schrieb die NGO. Diese würde bereits im Alter von acht bis 14 Jahren gefährliche, körperlich harte Arbeit leisten und für diese zum Teil auch die Schule abbrechen. Ebenso komme es zum Einsatz des Herbizids Paraquat, das trotz eines Verbots der EU und von Wilmar selbst weiterhin auf den Plantagen eingesetzt werde.

Amnesty stellte zudem fest, dass die meisten der dokumentierten Zustände strafrechtlich verfolgt werden könnten, da Indonesien strenge Arbeitsgesetze habe. Die indonesischen Behörden wurden daher aufgefordert, Ermittlungen gegen die Ausbeutung auf den Plantagen einzuleiten.

"Nachhaltiges Palmöl"

Ein weiteren Missstand betrifft den Etikettenschwindel um "nachhaltiges Palmöl": Wilmar räumt laut Amnesty International auch ein, dass es in seinen Geschäftstätigkeiten Probleme bei den Arbeitsbedingungen gibt. Trotz der Ausbeutung wurden drei von fünf der untersuchten Palmölproduzenten aber vom "Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl" (RSPO) zertifiziert. Der RSPO wurde 2004 von Unternehmen und NGOs unter Federführung des WWF eigentlich eingeführt, um den Palmölsektor "sauberer" zu machen.

AI hat im Zuge seiner Recherchen und Informationen von Wilmar in weiterer Folge Palmöl von den Plantagen bis zu den Abnehmern in Form von neun global tätigen Nahrungsmittel- und Haushaltsmittelkonzernen verfolgt. Sieben der neun Firmen bestätigten laut der NGO, dass sie Palmöl von Wilmar in Indonesien beziehen, jedoch waren nur zwei bereit zu sagen, welche ihrer Produkte konkret betroffen sind. Für Amnesty ist dies nicht akzeptabel: "Die Konzerne müssen offenlegen, woher die Rohstoffe in ihren Produkten stammen", sagte Seema Joshi, Leiterin für Wirtschaft und Menschenrechte bei AI. Dieses Verhalten sei auch respektlos gegenüber Konsumenten, die sich beim Kauf im Supermarkt ethisch korrekt verhalten wollen. Amnesty forderte die Länder auf, in denen die importierenden multinationalen Konzerne ihren Sitz haben, wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Missbrauch zu ergreifen, denn freiwillige Initiativen würden nicht ausreichen.

Kommenden Donnerstag werden die beiden NGOs Südwind und Global 2000 ihren Report zum Thema Palmöl in Wien vorstellen. Unter anderem wird hier vorgestellt, welche der handelsüblichen Kekse Palmöl enthalten. "Eine Reduktion von Palmöl kann vor allem durch das Selberbacken erreicht werden", nannte Global-Sprecher Michael Lachsteiner gegenüber der APA bereits eine der Erkenntnisse der Recherche-Reise nach Indonesien, die nicht zuletzt auch die negativen Umweltaspekte der Palmöl-Produktion zum Inhalt hat.