Wirtschaft
05.05.2018

Ottakringer-Chef Menz: "Die Konzerne sind sich ja nicht zu blöd"

Wie sich der Wiener Familienbetrieb auf dem Getränkemarkt gegen international tätige Konzerne erfolgreich positioniert.

Sigi Menz, Vorstandschef der Ottakringer Getränke AG, hat 30 Jahre lang das Unternehmen geprägt. Ende Juni wechselt der Miteigentümer des Familienbetriebs in den Aufsichtsrat. Im KURIER spricht er über die Konkurrenz der Großkonzerne, seine Kreativbrauerei und den Wassermarkt.

Macht es eigentlich mehr Spaß, Bier zu verkaufen als Mineralwasser?

Sigi Menz: Das Biergeschäft ist natürlich emotionaler als das Wassergeschäft, nicht nur, weil mit dem Alkoholpegel die Emotionen hochgehen (lacht). In Österreich ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier noch immer höher als von Mineralwasser, obwohl immer mehr Wasser gekauft wird. Die Deutschen kaufen mehr Mineralwasser als Bier.

Österreich – eine Nation von Biertrinkern?

Fairnesshalber muss man dazu sagen, dass die Österreicher weniger Wasser kaufen, weil wir eine so gute Qualität beim Leitungswasser haben. Das ist in vielen Ländern schon ganz anders.

In Ihrem Büro hängen 10 Bier-Gebote: 1. Du sollst kein alkoholfreies Bier trinken …

(lacht) Für alle, die es trotzdem wollen, haben wir mit Null Komma Josef natürlich auch alkoholfreies Bier im Angebot.

Aber die breite Masse will das eher nicht, oder? Sehen Sie noch viel Wachstumspotenzial?

Ich denke, die Spitze haben wir bereits erreicht, auch was die Radler-Umsätze angeht. Das belegt auch die Statistik des Brauereiverbandes für 2017. Bei Ottakringer liegen die beiden Segmente zusammengenommen bei einem Umsatzanteil von weniger als zehn Prozent.

Es heißt, in der Gastronomie wird immer weniger Bier getrunken. Sehen Sie das auch so in den Verkaufszahlen?

Wir machen heute ein Drittel unseres Umsatzes in der Gastronomie, es waren einmal 50 Prozent. Die Gastronomie-Landschaft verändert sich, nicht nur wegen des Rauchverbots. Es werden viele Ethno-Food-Lokale eröffnet, das altklassische Bier-Beisl gehört nicht zu den wachsenden Segmenten. Dass wir heute zwei Drittel des Geschäfts im Handel machen, liegt aber auch an neuen Listungen. Da spielen viele Faktoren zusammen.

Egal ob Bier oder Mineralwasser – Ihre Konkurrenten sind Multis wie Heineken (u. a. Gösser, Zipfer, Puntigamer) oder Coca-Cola (Römerquelle). War es klug, dass Sie 2009 den Heineken-Konzern wieder aus dem Konzern rausgekauft haben?

Ja, der Tag des Rückkaufs unserer Unternehmensanteile ist unser Unabhängigkeitstag. Die großen Konzerne sind sich ja nicht zu blöd, eine Brauerei nach der anderen aufzukaufen und bestehende Strukturen zu zerstören.

Aber mit der Marke bleibt doch meist die Abfüllung vor Ort bestehen …

Schon, aber die Unternehmensführung wandert hin zum Konzernsitz des Multis und damit auch gleich die Unternehmensbesteuerung. Das heißt, ein großer Teil der Wertschöpfung spielt sich in einem anderen Land ab und vor Ort kommt alle paar Jahre ein neuer Manager. Um gegen die Multis mit ihren Riesenbudgets bestehen zu können, müssen wir Trends setzen und mit Individualität Meter machen.

Spielt Ihnen der Regionalitätstrend gerade in die Hände?

Ich denke schon. Wir sind lokal stark verankert und als Eigentümer selbst vor Ort. Uns kann man besuchen kommen, Führungen durch die Brauerei machen. Zu den Braukulturwochen bei uns am Gelände kommen um die 40.000 Gäste im Jahr.

Ottakringer ist die einzige börsenotierte Brauerei in Österreich. Wie viele der Anteile sind in Familienhand? Wie viel halten Sie?

Mehr als 90 Prozent. Ich halte davon rund 15 Prozent.

In der Branche boomt vor allem die Craft-Bier-Szene. Ottakringer hat 2014 eine eigene Kreativbrauerei gegründet. War die Marke Ottakringer zu uncool für Craft-Bier?

Nein, es geht darum, dass wir Neues ausprobieren wollen und das geht schwerer mit jenen Mengen, die wir bei Ottakringer brauen.

War das Manner-Bier ein Werbegag oder ein Geschäft?

Die Firma Manner ist ja unser Nachbar und wir haben seit jeher ein gutes Verhältnis. Es hat sich angeboten, etwas zusammen zu machen. Wie viel wir verkauft haben?! Ich weiß nicht genau. Alles, würd ich sagen. (lacht)

Wo sehen Sie Wachstumspotenzial? Eher beim Bier oder beim Wasser?

In beiden Segmenten. Ich denke aber, dass die aktuelle Zuckerdiskussion dem Wasserbereich hilft. Da sind wir mit Vöslauer gut aufgestellt.

Sie wechseln Ende Juni in den Aufsichtsrat. Wie viel Zeit werden sie noch im Unternehmen verbringen?

Ich werde weiterhin beratend zur Seite stehen, wie oft ich gebraucht werde, werden meine Nachfolger sagen. Aber mir wird auch sonst nicht langweilig werden.

Was haben Sie vor?

Reisen, in erster Linie in Europa. Und ich will mich der Literatur widmen, vor allem den Wiener Autoren von Arthur Schnitzler bis Josef Roth.

 

Family Business: Die Ottakringer-Gruppe

Die Ottakringer Getränkegruppe steigerte 2017 den Umsatz von 209,1 auf 218,6 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis verbesserte sich von 11,9 auf 15,4 Mio. Euro. Zum Unternehmen gehören neben Ottakringer auch Vöslauer sowie der Getränkehandel. Die Gruppe gehört maßgeblich den Familien Menz und Wenckheim und beschäftigt rund 180 Mitarbeiter.

Der gebürtige Dornbirner Sigi Menz (*1952) ist in der Ottakringer AG für die Konzernstrategie, den Einkauf, Projekte, Treasury und Recht zuständig. Ende Juni wechselt er in den Aufsichtsrat.