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Wirtschaft
08/01/2019

OMV setzt langfristig auf fossile Energien - wie gefährlich ist diese Strategie?

Die OMV fährt einen vorsichtigen Kurs in Richtung alternative Energieformen und will in Zukunft vor allem mit Gas ihr Geld verdienen.

von Irmgard Kischko

Österreichs größtes Unternehmen, die OMV, lebt von Öl und Erdgas. In Zeiten des Klimawandels sind diese fossilen Energien allerdings weltweit kein Wachstumssegment mehr. Droht die OMV mit ihrem Geschäftsmodell also an der Realität vorbei zu fahren? Könnte sie ein ähnliches Schicksal erleiden wie die deutschen Energieriesen E.ON und RWE? Die hatten die Zeichen der Zeit nicht erkannt und wurden vom politisch verordneten Atomausstieg böse überrascht. Oder liegt die OMV mit ihrem vorsichtigen Kurs in Richtung alternative Energieformen vielleicht doch richtig?

Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:

Womit verdient die OMV derzeit ihr Geld?

Knapp mehr als eine Milliarde Euro an operativen Gewinn brachte in den ersten sechs Monaten die Öl- und Erdgasförderung (von Österreich über Norwegen, Russland Libyen bis Neuseeland und Australien) ein. 880 Millionen Euro verdiente der Konzern mit den Raffinerien und dem Treibstoffverkauf an den Tankstellen.

Kann dieses Geschäft noch weiter wachsen?

Die OMV fördert derzeit knapp 500.000 Fass (je 159 Liter) Öl und Gas pro Tag. Durch Zukäufe in Russland – bis Jahresende soll die Beteiligung am sibirischen Erdgasfeld Achimov unter Dach und Fach sein – soll die Produktion auf 600.000 Fass pro Tag wachsen.

Setzt die OMV also ausschließlich auf CO2-produzierende Energien?

Im Grunde ja. Allerdings: Der Konzern verlagert den Schwerpunkt zunehmend von Öl zu Gas. Bereits jetzt sind 60 Prozent der Eigenförderung Erdgas, der Anteil von Öl beträgt 40 Prozent und ist im Sinken. Die geplanten Zukäufe in Russland und der jüngsten Akquisition in Malaysia betreffen fast ausschließlich Gas. Erdgas erzeugt bei der Verbrennung deutlich weniger CO2 als Öl. Erdgasautos zum Beispiel emittieren gut ein Fünftel weniger Klimaschadstoff als Benzin- oder Dieselfahrzeuge. OMV-Chef Rainer Seele ist überzeugt, dass auch im Jahr 2040 mehr als die Hälfte des Weltenergiebedarfs fossil sein wird, Erdgas dabei aber zunehmend an Bedeutung gewinnt. „Mit Sonne und Wind allein kann die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet werden. Wir sorgen dafür, dass die Leute auch bei minus 20 Grad im Winter ihre Heizung aufdrehen können“, so Seele.

Sind Alternative Energieformen für die OMV gar kein Thema?

Doch, aber kein großes. 500 Millionen Euro steckt die OMV bis 2025 in Forschung und Errichtung von Anlagen zur Erzeugung CO2-freier Energieformen. Aber 2,1 Milliarden Euro im Jahr fließen in den Bereich Öl und Gas. Im Bereich klimafreundlicher Energien plant die OMV unter anderem den Bau einer großen Fotovoltaikanlage für den Strom-Eigenbedarf in Kooperation mit dem Verbund. Im Bereich Erdgasauto gibt es eine Zusammenarbeit mit Porsche. Geprüft wird auch der Bau einer Wasserstoff-Produktionsanlage.

Was veranlasst die OMV überhaupt an Alternativen zu Öl und Gas zu denken?

Das ist zum einen der Preis für CO2 . „Bei den aktuellen -Kosten von rund 30 Euro je Tonne CO2, fangen wir an über Alternativen nachzudenken“, sagt Seele. Denn Kosten gelte es zu vermeiden. Zum anderen kann sich ein Großkonzern wie die OMV der allgemeinen Marktentwicklung in Richtung nachhaltige Energieträger nicht völlig entziehen.

Läuft die OMV Gefahr, die Entwicklung zu CO2-freien Technologien zu verschlafen?

Der Konzern ist jedenfalls nicht vorne mit dabei. Die Energiewelt ändert sich, aber wahrscheinlich nicht so rasch wie es Klimaschützer gerne hätten. Tatsächlich fehlen weltweit die technisch und wirtschaftlich brauchbaren Alternativen zu fossilen Energien – vor allem im Verkehr. Insofern hat die OMV Recht, wenn sie den vorsichtigen Weg einschlägt und zunächst mehr auf Erdgas setzt sowie den derzeit noch viel zu teuren Wasserstoff-Einsatz noch prüft. OMV-Analyst Tamas Pletser von der Erste Group hält diese Strategie für sinnvoll, auch für die Aktionäre.

Zeichnet sich für den Öl- und Gaskonzern irgend eine brauchbar Klima-Strategie ab?

„Ja. Wir müssen die Moleküle im Kreis schicken“, formuliert es der studierte Chemiker Seele. Sprich: CO2einfangen und in der Industrie wieder verwenden. Oder: Aus Plastikabfall wieder Erdöl produzieren. Die OMV testet derzeit in Schwechat bereits eine Reoil-Anlage, die Öl aus Plastik “saugt.“ Die weltweit einzige solche Anlage, wie Seele stolz vermerkt.