© Reinhard Vogel

Wirtschaft
07/31/2019

OMV verdoppelt Nettogewinn im zweiten Quartal

Der heimische Öl- und Gaskonzern konnte trotz eines ungünstigen Marktumfelds sein operatives Ergebnis verdoppeln.

Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV hat ihr operatives Ergebnis im zweiten Quartal auf knapp 1,1 Mrd. Euro nahezu verdoppelt und damit die Milliardengrenze wieder überschritten. Der Umsatz legte um sechs Prozent auf 6,04 Mrd. Euro zu, der Nettogewinn wurde auf 658 Mio. Euro (Q2/18: 276 Mio. Euro) mehr als verdoppelt. Im Halbjahr stieg der Nettogewinn um 43 Prozent auf 1,15 Mrd. Euro. All das sei trotz eines ungünstigen Marktumfelds gelungen, betonte OMV-Chef Rainer Seele am Mittwoch im Gespräch mit der APA. "Dieses Ergebnis ist wirklich handgemacht, denn das Umfeld hat uns überhaupt nicht geholfen."

PK VERBUND AG UND OMV AG: SEELE

"Die Ölpreise sind um 7 Prozent niedriger gegenüber Vorjahr, die Gaspreise sind um 27 Prozent niedriger, und was noch viel wichtiger ist, die Raffineriemarge ist um 39 Prozent niedriger. Das Preisumfeld war also nur negativ, alles ist runtergegangen." Der von der OMV im ersten Halbjahr durchschnittlich realisierte Rohölpreis war mit 63,47 Dollar um 7 Prozent höher als im Vorjahr.

Positiv ausgewirkt hätten sich die Produktionssteigerungen bei der OMV, ein leicht verbessertes Margenumfeld im Bereich der Petrochemikalien und die weitere Kostensenkung. "Wir haben die Produktionskosten jetzt auf 6,9 Dollar pro Barrel absenken können, das heißt, wir haben um 9 Prozent weniger Kosten im Upstream-Bereich gehabt im Vergleich zum Vorjahr." Ebenfalls beigetragen habe eine gute Performance im Retailgeschäft.

Auch der Kunststoffproduzent Borealis, an dem die OMV 36 Prozent hält, habe einen höheren Beitrag geliefert. Allerdings sei der hohe Ergebnisbeitrag der Borealis auch auf die Auflösung einer Rückstellung für einen Steuerstreit in Finnland zurückzuführen.

Der Free Cashflow sei zwar im ersten Halbjahr nach der Dividendenausschüttung mit 176 Mio. Euro (1HJ 2018: -541 Mio. Euro) noch immer negativ gewesen, aber der operative Cashflow sei mit rund 1,14 Mrd. Euro im zweiten Quartal (Q2 2018: 1,23 Mrd. Euro) "auf einem vollkommen neuen Niveau". In diesem Jahr werde die OMV wahrscheinlich einen negativen Cashflow haben. "Das wird aber nur eine einmalige Geschichte sein, denn in diesem Jahr müssen wir ja noch die Großakquisition in Abu Dhabi mit der Raffinerie bezahlen, und da reden wir über bis zu 2,5 Mrd. Dollar - das ist natürlich ein dicker, fetter Brocken."

Das Geschäftsjahr 2019 habe wegen der Zukäufe eine hohe Cashflow-Belastung, aber das Gearing (Verschuldungsgrad) sei mit 21 Prozent sehr niedrig, betonte Seele. "Wir haben super Finanzmuskeln, wir haben noch einen Cashbestand von über 3 Mrd. Euro, da können wir noch das eine odere andere an Akquisitionen machen." Neben Abu Dhabi gebe es heuer auch noch das Projekt Achimov IV/V mit einem Volumen von 905 Mio. Euro. "Wir wollen bis zum Ende des Jahres die finalen Verträge unterzeichnen, das ist jetzt eher noch eine juristische Aufgabe."

Den Zeitplan für die Fertigstellung der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2, an deren Finanzierung die OMV beteiligt ist, gelte nach wie vor, sagte Seele. Zwar gebe es Sanktionsdrohungen aus den USA, doch die dänische Umweltbehörde mache professionell ihre Umweltprüfung, "dementsprechend habe ich keinen Grund, den Zeitplan zu ändern". Bisher habe die OMV für das Projekt 687 Mio. Euro bezahlt, wobei die Zahlungen immer kleiner würden, weil 70 Prozent der Leitung verlegt seien. "Der größte Kostenblock ist gar nicht die Verlegung der Pipeline, sondern die Herstellung der Rohre, und die sind alle schon hergestellt und bezahlt worden."

Der um Lagereffekte bereinigte Betriebsgewinn (CCS EBIT) legte um 44 Prozent auf 1,0 Mrd. Euro zu. Unter dem Strich legte der den Aktionären zuzurechnende CCS Überschuss vor Sondereffekten um 88 Prozent auf 510 Mio. Euro zu.

Die Gesamtproduktion sei dank der Wiederaufnahme der Förderung in Libyen sowie Zukäufen im Abu Dhabi, Neuseeland und Malaysia um 70.000 Fass auf 490.000 Fass pro Tag (boe/d) gestiegen. Für das Gesamtjahr rechnet die OMV mit einer Förderung von etwas weniger als 500.000 Fass - davor waren rund 500.000 Fass pro Tag angepeilt worden.