Manfred Leitner, OMV-Vorstand im Bereich Tankstellen, Raffinerien und Marketing

© Kurier/Franz Gruber

Wirtschaft
04/06/2019

OMV-Vorstand: "E-Autos sind nicht der richtige Weg"

OMV-Vorstand Manfred Leitner über Klimaschutz, E-Mobilität und die Strategie der OMV iin einem Umfeld tendenziell sinkender Treibstoffnachfrage.

von Irmgard Kischko

Was macht der Öl- und Gaskonzern OMV in Zeiten von Klimaschutz und tendenziell sinkendem Treibstoffverbrauch? Der KURIER fragte Manfred Leitner, im OMV-Vorstand für Downstream oil & gas (Tankstellen, Raffinerie, Marketing) zuständig.

KURIER: Herr Leitner, fährt der Großteil der Österreicher 2030 elektrisch?

Manfred Leitner: Es gibt Studien, die für 2030 von 25 Prozent alternativen Treibstoffen sprechen. Ich glaube, das ist sehr optimistisch. Das heißt aber auch, das 2030 noch 75 Prozent fossile Brennstoffe benötigt werden. Es gibt aus meiner Sicht keine Lösung des Problems für nur einen neuen Treibstoff.

Was bedeutet das in der Praxis?

Es wird zu unterschiedlichen Treibstoff-Lösungen für verschiedene Anwendungsgebiete kommen.

Wo sehen Sie den Platz für E-Autos?

Die E-Mobilität wird meiner Ansicht nach vor allem dadurch unterstützt, dass die Autoindustrie in der EU den -Ausstoß der produzierten Fahrzeuge im Durchschnitt unter 95 g pro Kilometer drücken muss. Heute sind es 130 g. Das ist ein relativ großer Sprung. E-Autos werden mit 0 Ausstoß angerechnet. Das ist die effektivste Methode für die Autobauer diesen Grenzwert einzuhalten. Das ist der Hauptgrund für die wachsende E-Mobilität.

Sie glauben, dass die Autofahrer selbst keine E-Autos nachfragen würden?

Wenn man bedenkt, dass in Deutschland mehr als 40 Prozent der Stromproduktion aus Kohlekraftwerken stammt, können Sie selbst überlegen, ob E-Autos der richtige Weg sind. Das wissen auch die Autofahrer. Die Neuzulassungszahlen für E-Autos steigen dennoch ...

Ja, aber von niedrigem Niveau. Im ersten Quartal 2019 haben sich die Neuzulassungen in Richtung Benzinfahrzeuge verlagert. Das ist gar nicht so gut, was den Klimaschutz betrifft. Denn Diesel stößt weniger aus als Benzin. Wenn das so weitergeht, wird viel mehr Benzin nachgefragt als Diesel. Das -Problem wird damit größer.

Trotzdem wird die OMV wohl auch an ihren Tankstellen Strom anbieten ...

Wir haben bereits eine Reihe von Tankstellen, speziell an den Autobahnen, mit Schnellladestationen ausgestattet. Wir machen das aber nicht allein, sondern in Kooperation mit Smatrics, an dem wir beteiligt sind. Smatrics ist ein E-Mobility-Anbieter. Da geht es nicht nur um Ladestationen, sondern um die gesamte IT-Landschaft dahinter.

Wenn Sie die E-Mobility nicht für die große Lösung zum Klimaschutz halten, was dann?

Was mir nicht gefällt momentan, ist, dass wir von Null- oder 100-Prozent-Lösungen sprechen. Da lassen wir die „quick-wins“ weg. So könnte zum Beispiel die nächste Generation der Diesel-Antriebe mit geringerem Verbrauch und geringerem Stickstoff-Ausstoß durchaus einen -Beitrag liefern. Daneben gibt es Antriebsformen, Gas in Form von CNG (compressed natural gas) zum Beispiel. Dafür ist sogar die Infrastruktur in Österreich vorhanden, Wir haben an 55 Tankstellen CNG-Zapfsäulen. Es werden auch Erdgas-betriebene Autos angeboten.

Die kauft aber niemand ... Wir sind gerade dabei, uns mit einem Fahrzeugproduzenten in dieses Gebiet zu begeben, um CNG zu einem Durchbruch zu verhelfen. CNG reduziert den -Ausstoß deutlich und wir müssen nicht in eine teure Infrastruktur investieren wie bei der E-Mobilität.

Hat nicht Wasserstoff die besseren Zukunftschancen? Wasserstoff halte ich für eine sehr langfristige, aber gute Lösung. Die Technologie ist dort erst am Anfang und deshalb noch sehr, sehr teuer.

Was wird die OMV 2030 an ihren Tankstellen anbieten?

Wir werden sicher noch konventionelle Treibstoffe anbieten müssen. Wir werden uns im Bereich der E-Mobilität weiterentwickeln. Und wir werden CNG anbieten. Wasserstoff wird potenziell an neuen Standorten angeboten werden.

 

 

Ist Wasserstoff überhaupt eine Option für Private oder eher nur für den Schwerverkehr?

Im Schwerverkehr bieten sich zwei Treibstoffe an: Flüssiggas und Wasserstoff. Für Pkw sehe ich eher CNG und E-Mobilität.

Nun werden die alternativen Treibstoffe der OMV als Öl- und Gaskonzern Geschäft wegnehmen. Was macht dann die Raffinerie Schwechat? Unsere Raffinerien – wir haben drei: eine in Österreich, eine in Deutschland und eine in Rumänien – haben einen Vorteil. Die beiden westlichen Standorte sind stark in die Petrochemie integriert. Das heißt, wir produzieren, zum Unterschied von anderen, viel weniger Benzin. Der Grundstoff aus dem Rohöl, der zur Benzinerzeugung verwendet werden könnte, geht zu einem wesentlichen Teil in die Petrochemie. Wir produzieren Ethylen und Propylen. Diesen Weg werden wir verstärken, weil die Kraftstoffnachfrage sinken wird. In der Petrochemie steigt die Nachfrage.

Auch Heizöl wird weniger gebraucht werden ...

Wir werden Heizöl verstärkt in Flugtreibstoffe transferieren.

Eine Frage zu den Treibstoffpreisen. Diesel war immer billiger als Benzin. Diesen Winter hat sich das plötzlich umgedreht. Warum?

In den vergangenen fünf bis sechs Monaten kam es am globalen Treibstoffmarkt zu einer ungewöhnlichen Situation. Die Dieselnachfrage ist gestiegen, die Benzinnachfrage aber gesunken. Die Raffinerien haben daher viel Diesel produziert, um die Nachfrage zu befriedigen. Allerdings kann man aus Öl nicht nur Diesel erzeugen, sondern es fällt dabei sozusagen automatisch auch Benzin an. Somit entstand international ein Überangebot an Benzin und die Benzinpreise sind gefallen. Also ist Diesel eigentlich nicht teurer, sondern Benzin billiger geworden.

Wie ist die Situation aktuell? Wir sehen, dass jetzt die Benzinnachfrage wieder steigt. Diesel wird also vergleichsweise wieder günstiger.

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