Oligarchin rollen die Rubel davon

Jelena Buturina
Foto: ap

Politisch in Misskredit gekommen, droht der reichsten Frau Russlands der Zerfall ihres Imperiums. Einen Teil davon hat sie in Österreich in Sicherheit gebracht.

Sie ist bereits angeschlagen. Derzeit ist es allen zu riskant, von ihr Immobilien zu kaufen. Schwer abzuschätzen, wie es mit ihrem Konzern Inteco weitergeht", munkeln Insider in Moskau. Die namentlich lieber nicht genannt werden wollen. Die Sitten in der russischen Bauwirtschaft sind rau und die 48-jährige, bullige Elena Baturina wird in Internetforen ihrer Heimat unter "Russian Mafia" geführt.

Die Ehefrau des ehemaligen Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow hat ganz offensichtlich gröbere Probleme. Seit der um etliche Jährchen ältere Herr Gemahl im Herbst 2010 den Machtkampf gegen den Kreml verlor und über Nacht - offiziell wegen Korruption - als Moskauer Stadtchef abgesetzt wurde. Bis dahin lief alles wie am Schnürchen. Während der 18 Jahre langen Herrschaft des gerissenen Luschkow über die russische Metropole baute Baturina den Konzern Inteco auf und brachte es zur reichsten Frau des Landes.

Ausverkauf

"Wenn Baturina mit ihren Firmen anbot, hatte kein anderer den Mut, mitzubieten. Sie hat immer die Grundstücke bekommen, die sie wollte", erzählt ein Mitbewerber. Inteco war unbestritten die Nummer eins im öffentlichen Wohnbau. Die UniCredit schätzte sogar, dass der Rausschmiss Luschkows einen Ausverkauf am Moskauer Immobilienmarkt samt sinkenden Preisen auslösen könnte. Was einiges über die Dimensionen des Family-Business sagt. Ein Zusammenhang zwischen Luschkows politischem Amt und der Inteco wird vom Ehepaar freilich bis heute heftig bestritten.

Razzia

Nachdem Luschkow von Wladimir Putin und Präsident Dmitri Medwedew aus dem Bürgermeister-Büro gejagt worden war, wurde es auch für die ehemalige Fabrikarbeiterin und Sekretärin rasch ungemütlich. Der neue Oberbürgermeister Sergej Sobjanin entzog Inteco die Lizenz für das gigantische Bauprojekt "Setun Hills" im Westen Moskaus. Auch von einem Projekt für einen Gebäudekomplex über 170.000 Quadratmeter mitten in der Moskauer City soll sich Inteco zurückgezogen haben. Im Februar stürmten maskierte und mit Kalaschnikows bewaffnete Einheiten der Sonderpolizei Omon die Büroräume der Inteco. Die Razzia stand laut russischem Innenministerium in Zusammenhang mit Ermittlungen über einen "Diebstahl von 13 Milliarden Rubel" (rund 320 Millionen Euro) bei der Bank of Moscow. "Das ist einfach eine angeordnete Razzia und eine Form politischen Drucks", tobte Baturina, die wenig Widerspruch gewohnt ist, gegenüber Interfax.

Russische Medien werfen der Oligarchin vor, über einen ominösen Immobilien-Deal - dabei ging es um 58 Hektar Land - die Bank geschädigt zu haben. Als die halbstaatliche VTB die Bank of Moscow übernahm, tat sich ein Abgrund an faulen Krediten auf und Russland musste das Institut heuer mit fast zehn Milliarden Euro vor der Pleite retten. Die Bank wurde 1995 mithilfe von Luschkow gegründet. Der russische Rechnungshof warf ihm vor, innerhalb von zwei Jahren mehr als fünf Milliarden Euro veruntreut zu haben, Luschkow bestreitet dies. Alexej Borodin , Ex-Chef der Bank, flüchtete inzwischen nach London. Dort gehen übrigens Baturinas Töchter Elena und Olga zur Schule - aus Sicherheitsgründen, wie etliche andere Oligarchensprösslinge auch. Vor Kurzem reichte die VTB Bank eine Klage gegen Inteco ein, es soll sich aber um ein "Missverständnis" gehandelt haben. Mitbewerber wollen wissen, dass Baturina ihre Inteco bereits in Großbritannien, Deutschland und Österreich angeboten habe - "aber keiner will kaufen".

Vorlesungen

Während Baturina in Moskau nicht mehr gesehen wird, hält Luschkow dort kostenlos Vorlesungen an einer Universität, bleibt politisch aber völlig unauffällig. In Österreich ist seine Frau, deren Vermögen von Forbes immerhin noch auf 2,9 Milliarden Dollar geschätzt wird, ohnehin beliebter. In ihrer 2008 gegründete Beneco Privatstiftung, deren Begünstigte die Töchter sind, wurden Teile des Vermögens steuerschonend geparkt. Der in der Stiftung befindlichen Inteco Beteiligungs AG gehört unter anderem der Golfplatz Eichenheim in Kitzbühel. Im Sommer 2009 wurde nahe der Hahnenkamm-Stadt das Nobelhotel Grand Tirolia eröffnet. In Wiener Immobilienkreisen wird über eine mögliche Übernahme des Nobelhotels Shangri-La am Ring spekuliert. Ihre imposante Villa in Aurach will die Milliardärin jetzt verkaufen und in ein nahes Anwesen wechseln, dessen Kauf bei der Bezirkshauptmannschaft bereits angemeldet wurde. Wird wieder eine interessante Frage für die Grundverkehrskommission, zuletzt war der damalige Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa behilflich.

Wohnsitz

Mysteriös ist, warum Baturina, deren Schwester mit Wladimir Jewtuschenkow (der Chef des Mischkonzerns Sistema gilt als reichster Mann Moskaus) verheiratet ist, ihren Hauptwohnsitz in einer Wohnung in einem unauffälligen Gründerzeithaus in der Wassergasse im dritten Wiener Bezirk hat. Nachbarn ist sie dort bis dato nicht aufgefallen. Das war aber auch an ihrem vorigen Wohnsitz im burgenländischen Breitenbrunn der Fall.

Neues Snowmobil

Gut vernetzt sind die Luschkows in Österreich allemal. Der Wiener Anwalt Leopold Specht , Freund von Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer , ist Vorstand in Baturinas Stiftung und der Inteco Beteiligungs AG. Michael Häupl beglückte Luschkow 2007 mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. Die Kitzbühler Bergrettung durfte sich heuer über ein Snowmobil freuen. Zugesagte 600.000 Euro für das ATP-Tennisturnier mussten jedoch erst gerichtlich eingefordert werden.

(kurier) Erstellt am
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