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Wirtschaft
12/05/2011

ÖVAG: Auf hohe Verluste folgt der Umbau

Hohe Abwertungen, Riesenverluste - die ÖVAG wird umgekrempelt und mit den Volksbanken als Konzern auftreten.

von Irmgard Kischko

Die wirtschaftliche Lage in Europa wird von Tag zu Tag dramatischer. Die Finanzwelt ist heute mit einer Situation konfrontiert, die in diesem Ausmaß nicht vorhersehbar war und durch die anhaltende Staatsschuldenkrise noch weiter verschärft wird." Gerald Wenzel, Chef der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG), griff am Donnerstagabend nicht nur zu drastischen Worten. Er greift auch zu drastischen Maßnahmen. Die ÖVAG schreibt enorme Beträge ab und wird komplett umgekrempelt.

Wie die Erste Group, die am Montag Riesen-Abschreibungen bekannt gab, gibt es solche nun auch bei der ÖVAG. Die Buchwerte der Investkredit und der Rumänien-Tochter werden um 700 Millionen Euro abgeschrieben. "Die Marktwerte von Bankbeteiligungen sind weltweit in den letzten vier Monaten dramatisch gefallen", teilte Wenzel mit. Die "krisenbedingten Marktfaktoren" würden es auch nicht erlauben, den ÖVAG-Bankbetrieb mit der Investkredit zusammenzuführen.

Alles in allem erwartet die ÖVAG heuer einen Verlust von 900 Millionen Euro, es könnte auch mehr werden. Auf Konzernebene wird es voraussichtlich bis zu 750 Millionen Euro Verlust geben.

Umbau

Im Sommer waren von 90 europäischen Großbanken beim so genannten Stresstest acht durchgefallen. Eine davon war die ÖVAG. Sie wies zu wenig Eigenkapital auf. Mit dem Verkauf der Volksbank International an die Sberbank hat man inzwischen zwar mehr Eigenmittel an Bord. Die ÖVAG soll durch einen Umbau aber noch krisenresistenter werden. Den Grundsatzbeschluss dafür hat der Aufsichtsrat am Donnerstagabend gefasst.

Als Vorbild für den Umbau gilt das so genannte "Rabobank-Modell". Die
genossenschaftliche niederländische Rabobank wurde so umgebaut, dass sie nach außen hin jetzt als einheitlicher Bankkonzern auftritt. Für die ÖVAG bedeutet dies: Sie und die Volksbanken schließen gegenseitige Garantien und Haftungserklärungen ab. Der ÖVAG wird ein Durchgriffsrecht auf die Primärbanken eingeräumt. Dadurch können ÖVAG und Primärbanken künftig als eine Einheit gesehen werden, vergleichbar einem Bankkonzern mit vielen Filialen. Und das bedeutet für die ÖVAG: Mehr Eigenkapital, weil sie sich das Eigenkapital der Volksbanken zurechnen darf. Damit soll vermieden werden, dass man auf weitere Staatshilfe angewiesen ist.

In der Finanzkrise hatte die ÖVAG eine Milliarde Euro erhalten. Eigentlich wollte man heuer einen Teil davon zurückzahlen. Diese Tranche entfällt jetzt allerdings.

Staatsanleihen

In der Finanzmarktaufsicht und der Notenbank rauchen derzeit die Köpfe. Die brennende Frage: Wie viel Eigenkapital bleibt den heimischen Instituten, wenn der Vorschlag der EU-Kommission umgesetzt wird, dass alle europäischen Staatsanleihen in den Bankbüchern mit dem jeweils aktuellen Marktwert angesetzt werden müssen? Das hätte hohe Abwertungen zur Folge. Griechische Staatsanleihen etwa sind nur 40 Prozent des Kapitals wert, portugiesische 56 Prozent und italienische 92 Prozent. Diese Verluste drücken das Kapital der Banken. Die EU-Kommission will, dass nach diesen Abschreibungen viel mehr Eigenkapital übrig bleiben muss als bisher. Banken, die das nicht schaffen, müssen sich Kapital besorgen. Von Anlegern werden sie es derzeit kaum bekommen. Bleiben die Staaten als Retter übrig. Raiffeisen Bank International und Erste lehnen zusätzliches Staatskapital aber strikt ab.