APA10074986-2 - 03112012 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA 182 WI - Eine Außenansicht der Zentrale der Volksbanken AG (ÖVAG) in Wien (Archivbild 17.07.2012). APA-FOTO: HERBERT NEUBAUER

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Ertrags-Stärkung
08/13/2013

Österreichs Volksbanken starten Fusions-Reigen

Jährlich sollen 65 Mio. Euro eingespart werden, damit ÖVAG 2017 Staatskapital zurückzahlen kann.

von Irmgard Kischko

Die 51 regionalen österreichischen Volksbanken stellen nach der teuren Rettung ihres Spitzeninstituts ÖVAG im Vorjahr die Weichen für eine Steigerung ihrer Erträge. „Wir wollen die Kosten um 65 Millionen Euro im Jahr senken“, kündigte Volksbanken-Verbandspräsident Heribert Donnerbauer im Gespräch mit dem KURIER an.

Der Startschuss für das Sparprogramm sei am außerordentlichen Gruppentag der Volksbanken Ende Juni gefallen. Eine dreigliedrige Strategie soll den regionalen Volksbanken zu mehr Gewinn verhelfen. Punkt eins sind Zusammenschlüsse. Von den 51 Regionalbanken (die sechs Spezialinstitute wie Apothekerbank oder Ärztebank nicht eingerechnet) sollen in einigen Jahren nur noch 35 bis 40 übrig bleiben. Vier Fusionen habe es schon gegeben: Drei in Oberösterreich, eine in Niederösterreich, wo die Volksbank Baden von der Wiener Volksbank geschluckt worden sei, erklärte Donnerbauer.

Punkt zwei sei die Zusammenführung der vielen unterschiedlichen EDV-Systeme der Volksbanken zu einer gemeinsamen EDV. Dort liege ein großer Kostenblock. Bis zu 15 Millionen Euro im Jahr sollen die Einsparungen in diesem Bereich bringen, erwartet der Verbands-Präsident. Und Punkt drei seien Ertragsteigerungen durch Auslagerung etwa der Produkt-Gestaltung an die ÖVAG und durch Ausweitung des eigenen Geschäfts. Die Erträge sollen um 100 Millionen Euro pro Jahr wachsen.

Staatsgeld

Auslöser für den Sparzwang, den sich die Volksbanken auferlegen müssen, sind die Finanznöte der ÖVAG. Diese musste nach hohen Verlusten in Osteuropa im Frühjahr 2012 teilverstaatlicht werden. Die Steuerzahler kostete das bisher mehr als eine Milliarde Euro, die Republik Österreich hält 43,3 Prozent an der ÖVAG. Aber auch den Volksbanken kam die Rettung der ÖVAG teuer. 234 Millionen Euro mussten sie in die Bank pumpen. Immerhin halten die regionalen Volksbanken nach wie vor die Mehrheit an der ÖVAG.

Damit die ÖVAG 2017, wie von der EU vorgeschrieben, das Staatskapital von 300 Millionen Euro zurück zahlen kann und die Volksbanken den ÖVAG-Anteil der Republik erwerben können, müssen sie ihre Gewinne steigern. „Wir wollen bis 2015 auf eine Ertragskraft von einem Prozent der Bilanzsumme kommen“, sagt Donnerbauer (Bild). Damit können die Volksbanken den Beitrag zur ÖVAG-Staatskapitalrückzahlung schaffen. Das Eigenkapital im Volksbanken-Verbund sei hoch genug, der Kapitalaufbau sei für die ÖVAG nötig.

Im eigenen Geschäft seien die Volksbanken allerdings erfolgreich unterwegs, betont der Verbands-Präsident. „Unser Geschäft ist gesund. Die Problematik kam aus der Finanzkrise und nicht aus dem Einlagen- und Kreditgeschäft.“ Die Zukunft der Regionalbanken sieht Donnerbauer dementsprechend optimistisch. „Wir haben das Vertrauen der Kunden“, ist er überzeugt. Während sich andere Banken aus der Finanzierung der Klein- und Mittelbetriebe zurück zögen, sähen die Volksbanken gerade dieses Segment als Chance. „Wir wollen am Markt stärker werden“, formuliert Donnerbauer das Ziel. Partner bräuchten die Volksbanken dafür nicht. Donnerbauer ist überzeugt, dass regionale Stärke die richtige Antwort auf die Finanzkrise sei.

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