Österreichs Forschungsstrategie: Teuer und ineffizient

Forschungsrats-Vorsitzender Hannes Androsch
Monitoring-Bericht: Mehr Geld bringt nicht mehr Innovation. Österreich bleibt bei der Forschung nur Mittelmaß.

Österreichs Forschungsstrategie ist teuer, aber ineffizient. Ernüchternd fällt diesmal der Monitoring-Bericht 2018 des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) zur Umsetzung der 2011 beschlossenen Forschungsstrategie der Regierung aus. Demnach gibt es ein krasses Missverhältnis zu den eingesetzten Mitteln und den daraus generierten Ergebnissen.

So hat Österreich mit 3,15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zwar die zweithöchste Forschungsquote in der EU hinter Schweden, schafft es aber nicht, in die Gruppe der führenden Innovationsländer vorzustoßen. Dieses für spätestens 2020 angepeilte Ziel werde bei weitem verfehlt, bestätigt der Bericht schon frühere Prognosen. Im European Innovation Scoreboard (EIS), der als Richtlinie für die Strategie gilt, hat sich Österreich von Rang 7 nicht verbessert, der Abstand zu den Spitzenländern ist sogar größer geworden. In anderen Innovationsrankings liegt Österreich meist nur im Mittelfeld. Bei einer vom WIFO erstellten Leistungsüberprüfung für den RFT weist nicht einmal die Hälfte der überprüften Indikatoren eine Verbesserung auf.

Kein Umsetzungswille

„Wir haben die richtigen Ziele formuliert, aber es fehlte der Wille zur Umsetzung, wir scheitern folglich aufgrund von Mutlosigkeit einerseits und Ineffizienz andererseits“, resümiert RFT-Vorsitzender Hannes Androsch. Laut RFT-Geschäftsführer Ludovik Garzik sei die Strategie zu sehr auf das Erreichen der 3-Prozent-Quote und das Generieren von Wissen ausgerichtet gewesen und zu wenig auf die Frage, wo denn dieses Wissen überhaupt verwendet werden kann, etwa um Produkte zu erzeugen. Der Bericht listet „Effizienzbarrieren“ im Bildungs- , Gründungs-, Uni- und Förderungsbereich auf.

Als Barrieren im Bildungsbereich nennt der RFT etwa die hohe soziale Selektivität des Bildungssystems und das Problem der Bildungsvererbung. Bei den Hochschulen und in der Grundlagenforschung kritisiert der Rat die "mangelhafte Finanzierungssituation", zu wenig Wettbewerb bei der Vergabe der Mittel für die Grundlagenforschung,Probleme bei der Steuerung der Unis sowie "ungesteuerte Studentenströme".

Ungünstige bürokratische, regulative und steuerliche Rahmenbedingungen sowie zu wenig private Finanzierung durch Risikokapital oder Crowdfunding seien Barrieren für innovative Unternehmensgründungen. Kein gutes Haar lässt der Bericht an der aktuellen Forschungsförderung. "Überregulierung, Zersplitterung, unklare Zuständigkeiten und ein kompliziertes, nicht harmonisiertes Regelwerk für einzelne Instrumente würden "Reibungsverluste" erzeugen.

Nachfolge-Strategie

Androsch appelliert an die Regierung, rasch eine Nachfolge-Strategie für die 2020-er Jahre zu beschließen und dabei mehr auf die Umsetzung zu achten. Von einer Kürzung der Forschungsförderung will er trotz Ineffizienzen freilich nichts wissen. "Geld allein ist nicht die Lösung, aber kein Geld ist auch keine Lösung". Das Problem sei, dass andere Länder eben noch rascher und besser im Mitteleinsatz seien. "Wir sind in vielen Bereichen einfach zu langsam."

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