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Wirtschaft
06/14/2019

Österreichs Banken entdecken neue Geschäfte „im Grünen“

Der „Greta-Effekt“ erfasst die Banken. Sie sehen Klima- und Umweltschutz nun als Anlage-Trend.

Die Schwedin Greta Thunberg hat mit ihren Klimaschutz-Märschen eine Welle ausgelöst, die sogar in die Finanzwelt hinein schwappt. Für Österreichs Banken ist Veranlagung im Klima- und Umweltschutz sowie Finanzierung von nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen ein großes Thema geworden.

Ein kleines Thema war es schon vor Greta. Geld nachhaltig zu veranlagen, nimmt in Österreich schon seit 2003 stetig leicht zu, der große Aufschwung ist aber erst jetzt zu bemerken. 8,2 Milliarden Euro sind in heimischen Investmentfonds aktuell gemäß umwelt-, klima- aber auch sozial relevanten Kriterien veranlagt. Das sind rund zehn Prozent der gesamten Fondsvolumina. 2007 waren erst 1,9 Prozent der veranlagten Gelder nachhaltig investiert.

Für die Banken geht es aber nicht nur um Geldanlage, es geht auch um Finanzierungen, die „grün“ sind. „Green loans“ und „green bonds“ sind der letzte Schrei im Finanzmarkt.

Damit sich aber nicht jedes Unternehmen, das ein bisschen auf Umweltschonung und -Vermeidung schaut, gleich eine „grüne Finanzierung“ bekommt, wird auf EU-Ebene an einheitlichen Kriterien für die Nachhaltigkeit im Bankwesen gearbeitet. „Wir unterstützten dies“, betont Gerald Resch, Generalsekretär des Bankenverbandes. So soll es nicht nur eine Taxonomie gegen Greenwashing geben, mit der das Ausnutzen von Nachhaltigkeit als Marketinggag verhindert werden soll, sondern auch verpflichtende Beratung. „Bankkunden sollen vom Berater aktiv auf nachhaltige Investments hingewiesen werden müssen“, führt Resch aus.

Rendite-Vorteil

Dass klima- und umweltfreundliche Geldanlage wenig Ertrag abwirft, ist nicht belegbar. Im Gegenteil: Der Nachhaltigkeitsindex Vönix, der 19 an der Wiener Börse notierte Unternehmen umfasst, hat den ATX seit Mitte 2005 um jährlich 1,3 Prozent geschlagen.

Milliarden-Gewinne

Die österreichischen Aktienbanken (also ohne Sparkassen, Raiffeisenbanken, Volksbanken und Hypos) haben 2018 trotz der Null- und teilweise sogar Negativzinsen bestens verdient. In Summe sind die Jahresgewinne um 5,2 Prozent auf 6.9 Milliarden Euro gestiegen.

Der Grund für die positive Entwicklung der Banken ist ein ausgedehnter Nettozinsertrag – grob gesprochen, die Differenz zwischen Kredit- und Sparzinsen. Die Kreditnachfrage lief wie am Schnürchen. Private haben im Vorjahr bei Banken 153 Millionen Euro aufgenommen, um 6,8 Prozent mehr als 2017. Die Kredite an Unternehmen wuchsen gar um acht Prozent auf 162 Millionen Euro. Heuer läuft es wegen der nachlassenden Konjunktur etwas schlechter. Kritiken, dass die stark gewachsene Kreditvergabe in den nächsten Jahren zu höhren Ausfällen führen werde, lässt Robert Zadrazil, Präsident des Bankenverbandes und Chef der UniCredit Bank Austria, nicht gelten. Die Unternehmen hätten im Vorjahr noch viel mehr investiert als sie an Finanzierungen bei den Banken aufgenommen hätten. „Sie haben viel eigenes Kapital eingesetzt“, sagt Zadrazil. Die Kreditrisiken hielten sich daher in Grenzen. Und Privatkredite gingen vor allem in den Wohnbau.