Blick in eine heimische Wurstmanufaktur: Der Appetit der Niederländer auf Bio-Nahrungsmittel aus Österreich, vor allem Fleisch und Käse, ist groß.

© KURIER/Gilbert Novy

Außenhandel
12/18/2014

Österreichischer Exportrekord ohne Grund zur Freude

Russland-Minus von 15 Prozent und fehlende Innovationen im Inland trüben Jahresbilanz. Heimische Bio-Lebensmittel boomen.

von Anita Staudacher

Noch nie haben österreichische Unternehmen mehr Waren und Dienstleistungen in alle Welt geliefert als heuer. Bis Jahresende erwartet die Wirtschaftskammer (WKO) ein nominelles Plus bei den Ausfuhren von 0,9 Prozent auf knapp 127 Mrd. Euro.

"Das ist ein Export-All-Time-High trotz schwierigster Bedingungen", freut sich Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft in der WKO. Er wertet den Export gar als "einzigen Lichtblick" am trüben Konjunkturhimmel. Tatsächlich wächst die Außenwirtschaft fast doppelt so stark wie die Gesamtwirtschaft, Grund für Freude ist jedoch unangebracht.

Die aktuelle Russland-Krise, aber auch die schwierige wirtschaftliche Lage in so wichtigen Exportmärkten wie Italien oder Frankreich trüben die Bilanz. Koren rechnet für das Gesamtjahr mit 15 Prozent weniger Ausfuhren nach Russland, im kommenden Jahr dürfte es noch einmal um zehn Prozent bergab gehen. Russland war bisher der zehntwichtigste Exportmarkt, rund 2,5 Prozent aller Ausfuhren gehen in dieses Land. "Rund 50.000 Jobs hängen direkt oder indirekt an den Handelsbeziehungen mit Russland", sagt Koren und hofft auf ein rasches Ende der Wirtschafts-Sanktionen. Das Ukraine-Problem müsse politisch gelöst werden.

Die Ausfälle in Russland sollen durch mehr Handel vor allem mit Nordamerika, China und Südostasien kompensiert werden. In der Internationalisierung sehen Experten aber noch Schwächen. "Wir verlieren Marktanteile, weil unsere Exportmärkte stärker wachsen als unsere Ausfuhren", sagt Christian Keuschnigg, scheidender Chef des Instituts für Höhere Studien. Zum Vergleich: Der gesamte Welthandel wächst heuer um 3,3 Prozent, in den Folgejahren um 4,0 bzw. 5,5 Prozent. Die Exportschwäche habe zwar auch damit zu tun, dass große Abnehmerländer wie etwa Italien in der Krise stecken, Keuschnigg fordert aber auch mehr Grundlagenforschung ein. Nur so könnten Innovationen entstehen, die Investitionen und Exporte ankurbeln.

Niederlande

Dass Wachstum auch in gesättigten Märkten stattfinden kann, beweisen die Niederlande. Mit einem Exportplus von 13,56 Prozent gab es heuer die größte Steigerung von allen Ländern (siehe Grafik unten). Ausschlaggebend dafür waren unter anderem Großaufträge im Maschinenbau.

Siemens erhielt einen Folgeauftrag zur Lieferung von 20 Niedrigflur-Straßenbahngarnituren nach Den Haag. Auch der steirische Logistiker Knapp durfte sich über einen Großauftrag eines eCommerce-Anbieters freuen.

Zudem profitiert die heimische Lebensmittelbranche vom wachsenden Appetit der Niederländer auf Bio-Nahrungsmittel, vor allem Fleisch und Käse. Auch österreichischer Wein ist ein Exportschlager. Peter Fuchs, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Den Haag, zeigt sich auch für 2015 zuversichtlich: "Die Perspektiven sind positiv, auch die Kaufkraft steigt wieder."

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