Der Traumurlaub ist und bleibt eine Fernreise. Die Malediven stehen in der Wunschliste ganz oben

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Wirtschaft
01/10/2019

Österreicher wollen einfach mal weg

Laut Umfragen haben Österreicher 1500 Euro Urlaubsbudget und bleiben meist in Europa

Den Menschen wird Freizeit wichtiger, klassische Statussymbole haben ausgedient, sagen Trendforscher. Davon profitiert auch die Reisebranche. Es wird mehr gereist, „drei Viertel der Österreicher haben ein Urlaubsbudget von jährlich bis zu 1500 Euro pro Person“, sagt Walter Krahl, Geschäftsführer der Ruefa-Reisebüros.

Abzocken lassen sich die Österreicher deswegen aber noch lange nicht, zeigt die aktuelle Buchungsstatistik. So liegen die Buchungen für Spanien-Urlaube bei Ruefa aktuell 17 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Schuld sind aus Krahls Sicht die spanischen Hoteliers, die die Preisschraube zuletzt all zu unverschämt nach oben gedreht hätten. Auch weil die Küsten ohnehin hoffnungslos überbucht waren.

Überrannte Küsten

Overtourism ist nicht nur auf Mallorca ein Thema, wo Einheimische Gästen bereits mittels Transparenten mitteilten, dass sie nicht willkommen sind. Auch in Städten wie Barcelona und Venedig, wo Kreuzfahrtschiffe Tausende Passagiere am Tag ausspucken, protestiert die Bevölkerung. „Solche Probleme können nicht wir Veranstalter lösen, hier ist die Politik gefragt“, sagt Ruefa-Chefin Helga Freund. Redereien würden verstärkt Routen abseits des Mainstreams anbieten, was aber nichts daran ändert, dass Asiaten bei ihrem ersten Europa-Besuch die bekannten Highlights sehen wollen.

Traum und Wirklichkeit

Die Österreicher würden – wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würde – am liebsten auf den Malediven urlauben oder in den USA bzw. Australien. „Der Traumurlaub ist und bleibt die Fernreise“, sagt Krahl. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine Lücke. Acht von zehn Urlaubern aus Österreich bleiben letztlich in Europa, 73 Prozent machen Urlaub im eigenen Land – wenn oft auch nur für wenige Tage. Am beliebtesten ist die Steiermark mit ihren Thermen. An zweiter Stelle folgen Salzburg und Kärnten mit ihren Seen und Bergen.

Glaubt man dem Ruefa-Reisekompass, wollen heuer sechs von zehn Österreichern einen Städtetrip machen – allen voran nach Amsterdam, London, Berlin und Barcelona. Auf der Fernstrecke stehen New York, San Francisco, Dubai und Bangkok ganz oben. „Das hängt auch immer vom Flugangebot ab“, sagt Krahl. „Derzeit gibt es ja schon Bangkok-Flüge in der Preisklasse nach Frankfurt.“

 

 

Bei Ruefa sind bereits 20 Prozent der Sommerbuchungen im Kasten. Griechenland bleibt unangefochtene Nummer eins, die Türkei-Buchungen liegen 100 Prozent über dem (niedrigen) Vorjahresniveau. Die Pauschalreise, einst Synonym für „Massentourismus“, ist laut Krahl wieder im Kommen. Angeblich wollen zwei von drei Österreichern ein Gesamtpaket buchen. Wohl auch, weil man damit die Sicherheit im Gepäck hat, dass sich im Fall des Falles jemand um Ersatzflüge oder Unterkünfte kümmert. Etwa, wenn eine Maschine nicht wie geplant abhebt, was 2018 wegen der Turbulenzen am Flughimmel relativ oft der Fall war. „Weil die Flugpläne nicht realistisch waren“, wie Krahl sagt. Die Bahn werde mit ihren Nachtverbindungen nach Deutschland und in die Schweiz zur Alternative. Krahl: „Rechnet man die Transferzeiten, Sicherheitschecks und Verspätungen mit, ist man mit der Bahn nicht schlecht unterwegs.“