Peter Bosek, Erste Bank

© Kurier/Franz Gruber

Wirtschaft
10/14/2019

Erste-Bank-Vorstand Bosek: "Haben noch fünf bis zehn Jahre diese Zinslandschaft"

Mit nur zehn Prozent mehr Aktien hätten die Österreicher sieben Milliarden Euro an zusätzlichen Erträgen erwirtschaften können.

von Simone Hoepke

„Sparen ist freiwillige Enteignung“, sagt ausgerechnet Peter Bosek, Vorstand der Erste Bank. Zumindest, wenn es ums Sparbuch geht. Die Sparzinsen sind am Boden, der Zinseszinseffekt Geschichte. „EZB-Chef Draghi hat ihn ins Exil, ins Land der Negativ-Zinsen, geschickt“, formuliert es Bosek.  Seiner Einschätzung nach bleibt Europa „noch fünf bis zehn Jahre in dieser Zinslandschaft“.

Blöd nur, dass die Österreicher traditionell ihr Erspartes auf Sparbüchern horten. Laut Nationalbank liegen bei österreichischen Banken mehr als 260 Mrd. Euro auf gering verzinsten Konten (27 Prozent mehr als 2009). Am  Veranlagungserfolg kann das nicht liegen. Seit 2015 haben die Österreicher mit ihrer Veranlagungsstrategie 14,7 Milliarden Euro an Kaufkraft verloren, rechnet Bosek vor: „Hätten sie in den vergangenen fünf Jahren nur zehn Prozent davon nicht aufs Sparbuch sondern in Aktien angelegt, hätten sie sieben Milliarden Euro an zusätzlichen Erträgen erwirtschaftet.“

Experten betonen gebetsmühlenartig, dass Sparer in anderen Ländern mehr von der Kunst der Geldvermehrung verstehen. Konkret vom Wertpapiergeschäft, das für viele Österreicher  Neuland ist. Rechnet man alle Aktien-Investments zusammen, kommen die Österreicher auf  23 Milliarden Euro. Klingt viel, ist es nicht. „Allein der Zuwachs an Spareinlagen seit dem Jahr 2009 ist höher“, betont Bosek. Nur fünf Prozent der Bevölkerung halten Aktien. In Schweden liegt die Quote bei 25 Prozent.

Dass sich das Sparverhalten von heute auf morgen ändert, glaubt nicht einmal Bosek. Mit dem Sparbuch  sei es wie mit dem Rauchen aufhören: Man weiß, dass es  gut wäre und tut es trotzdem nicht.

Hohe Kante

Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank, verweist auf die alte Regel: Drei Monatsgehälter als Notgroschen auf dem Konto lassen, den Rest veranlagen. „Derzeit haben die Österreicher im Schnitt Geld für 65 Waschmaschinen am Konto.“

Natürlich kann nicht jeder zu Aktienexperten mutieren. Zudem ist das Börsenumfeld  nervös. Tweets von US-Präsident Trump reichen, um die Kurse nach oben oder unten zu treiben.  Experten raten daher zu Fondssparplänen, bei denen das Risiko gestreut wird.

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