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Wirtschaft
10/22/2019

Österreicher pfeifen auf Rendite beim Geld anlegen

Trotz extrem niedriger Zinsen erhöhen die Österreicher ihre täglich fälligen Einlagen bei den Banken.

von Irmgard Kischko

Sparzinsen, die mit freiem Auge kaum sichtbar sind, sowie gerade noch 0,01 Prozent Zinsen am Girokonto: Den Österreichern scheint das egal zu sein. Denn trotz der seit Jahren schmelzenden Sparzinsen wächst der Anteil der ungebundenen Bankeinlagen an den jährlichen Ersparnissen.

„Bereits seit 2015 ist deutlich erkennbar, dass sich österreichische Haushalte kaum noch an langfristige Anlagen binden möchten“, sagt Johannes Turner, Direktor der Hauptabteilung Statistik der Österreichischen Nationalbank (OeNB). Seither fließen 79 Prozent der jährlichen Ersparnisse in Bankeinlagen, 2018 waren es sogar 85 Prozent, geht aus der OeNB-Statistik hervor.

Insgesamt 14,3 Milliarden Euro hatten die privaten Haushalte im Vorjahr für Sparzwecke verwendet. Das mag viel klingen, ist aber noch immer deutlich weniger als vor der Finanzkrise. damals waren es nämlich 22,6 Milliarden Euro. Der Gesamtstand an privatem Geldvermögen erreichte Mitte 2019 ein Volumen von 715 Milliarden Euro.

Seit 2015 wurden durchschnittlich 121 Euro pro Kopf und Monat in irgend einer Form gespart. 117 Euro davon flossen in Bankeinlagen. Acht Euro wurden in Anleihen, Aktien oder Investmentfonds gesteckt und nur fünf Euro in die Altersvorsorge, also Lebensversicherungen oder Pensionskassen. Die Altersvorsorge ist auch der große Verlierer in der Geldanlage der Österreicher. Denn die fünf Euro pro Monat und Kopf sind gerade einmal vier Prozent dessen, was die Österreicher seit 2015 an Geld zur Seite legen. Zwischen 2009 und 2014 flossen noch 31 Prozent in private Altersvorsorgeprodukte.

Im Rückstand

Für Nationalbank-Vize-Gouverneur Gottfried Haber ist der geringe Anteil der privaten Altersvorsorge denn auch der Hauptgrund für die im europäischen Vergleich schwache Rendite, die die Österreicher mit ihrer Geldanlage erzielen. „Zum kleineren Teil ist aber auch die höhere Inflation in Österreich dafür verantwortlich“, sagt Haber. Da sind sogar die in der Geldanlage ähnlich konservativen Deutschen forscher: Während heimische Anleger langfristig gesehen auf ihr Geldvermögen eine Rendite von 0,7 Prozent pro Jahr erreichten, schafften die Deutschen 1,9 Prozent, die EU-Länder im Durchschnitt 1,7 Prozent.

Daher müssen sich die Österreicher auch mit weniger Kapitaleinkommen zufrieden geben. Nur 2,9 Prozent des verfügbaren Einkommens stammen seit 2015 aus Zinsen, Dividenden oder Altersvorsorge. In Deutschland fünf Prozent, im EU-Durchschnitt 4,9 Prozent. „Damit steigt die Bedeutung des Arbeitseinkommens für den privaten Konsum“, betont Haber.

Stetige Verluste

Nach Abzug der Inflation haben die heimischen Sparer zuletzt gar nichts mehr verdient. Die Nationalbank errechnete für die vergangenen zehn Jahre einen jährlichen Verlust von 0,9 Prozent des Vermögens, wenn man die Teuerung abzieht. Im Vorjahr verloren sie sogar zwei Prozent.

Wenn man nicht nur Bankeinlagen, sondern auch Wertpapiere einbezieht, sind die jährlichen Renditen meist positiv. Seit 2000 kamen sie aber nie über 3,5 Prozent hinaus.