Neue Medikamente: Österreich droht Rückfall
Österreich stehe im Wettbewerb um Forschung und Innovation in der Pharmaindustrie zunehmend unter Druck, warnt Ute Van Goethem, Präsidentin des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI), im Gespräch mit dem KURIER. Das FOPI vertritt die Interessen von 25 forschenden Pharmafirmen, darunter Novartis, Abbvie, Takeda, Novo Nordisk oder Merck.
Während die USA und China innovative Therapien etwa gegen Krebs als strategische Zukunftsressourcen sehen und ihre Investments massiv ausbauen, drohe Europa weiter zurückzufallen. Entfielen in den 1990er Jahren noch knapp 40 Prozent der weltweiten Forschungsausgaben auf Europa, sind es aktuell nur noch 21 Prozent. China kommt bereits auf einen Anteil von 44 Prozent, die USA 29. Van Goethem rechnet damit, dass bald neue Blockbuster-Medikamente aus China in der EU zugelassen werden.
Immer weniger klinische Studien
Sorgen bereiten Van Goethem vor allem die klinischen Studien, wo es in Europa und auch in Österreich seit Jahren einen Rückgang gibt. Der Anteil der EU an allen globalen Studien verringerte sich zwischen 2013 und 2023 von 18 auf 9 Prozent. „In dieser Zeit blieb es 60.000 Patienten in Europa verwehrt, an klinischen Studien teilzunehmen und damit frühzeitig von neuen Medikamenten zu profitieren“, erläutert Van Goethem.
In Österreich brach die Anzahl klinischer Studien nach der Corona-Pandemie um 28 Prozent ein, erst im Vorjahr gab es mit 226 Studien wieder einen leichten Aufwärtstrend. Von klinischen Studien würden nicht nur Patienten und Ärzte profitieren, weil sie früheren Zugang zu neuen Arzneien erhielten, sondern das gesamte Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft, so die FOPI-Chefin.
Laut einer Analyse der Johannes-Kepler-Universität Linz generieren 5,9 Mrd. Euro an Investitionen in den Gesundheits- und Pflegebereich bis 2030 einen gesellschaftlichen Mehrwert von 7,1 Mrd. Euro. Es gelte daher, mit attraktiveren Rahmenbedingungen wie etwa in Belgien möglichst viele klinische Studien wieder nach Österreich zu bringen.
Erstattungshürden zu Lasten der Patienten
Kritik übt Van Goethem an bestehenden Erstattungshürden bei neu zugelassenen Therapien. Ärzte im niedergelassenen Bereich und Spitäler würden sich die Kosten zulasten der Patienten hin- und herschieben.
Schon bei 42 Prozent aller neuen Medikamente würden die Kosten nur nach chefärztlicher Einzelfallbewilligung übernommen. Als Beispiel nennt sie eine neue Gentherapie für sogenannte Schmetterlingskinder. Hier werde die Situation der Patienten zu wenig berücksichtigt, das sei ein „Systemproblem“.
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