Boehringer Ingelheim setzt auf neue Krebstherapien aus Wien
Boehringer-Ingelheim-Labor in Wien
Die Österreich-Tochter des deutschen Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2025 zurück. Trotz Auslaufens des Patentschutzes eines wichtigen Präparates stiegen die Umsatzerlöse der von Wien aus betreuten Region Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien um 8,6 Prozent auf 1,588 Mrd. Euro. Der Gesamtkonzern, der Medikamente für Menschen und Tiere entwickelt und produziert, setzte 27,8 Mrd. Euro um. Umsatztreiber waren das Diabetesmedikament Jardiance sowie das Lungenmittel Ofev. Humanpharma macht 80 Prozent des Umsatzes aus.
Seuchen sorgten für Wachstum bei Tiermedizin
In Österreich gab es ein leichtes Umsatzplus von 151,4 auf 152,2 Mio. Euro. Während der Bereich Humanpharma leicht rückläufig war, gab es bei der Tiermedizin ein kräftiges Plus von 14 Prozent auf 23,2 Mio. Euro. Dabei profitierte Boehringer von den vielen Tierseuchen in Europa, etwa der Blauzungenkrankheit und der Maul- und Klauenseuche in Kasachstan. Für weiteres Wachstum sollten neue Medikamente gegen Vogelgrippe und Tollwut bringen.
Volle Produkt-Pipeline
Für das laufende Jahr rechnet der Boehringer-Chef mit einer stabilen Geschäftsentwicklung. Die Produktpipeline ist gut gefüllt, bis 2030 will man bis zu 20 neue Medikamente auf den Marktbringen. Noch heuer im dritten Quartal soll das neue Präparat für Patienten mit Lungenfibrose (Nerandomilast) in der EU zugelassen werden. Von den in Wien entwickelten, neuen Krebstherapien stehen in den nächsten drei Jahren zwei vor der Zulassung, darunter eine Therapie für Patienten mit HER2-mutiertem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Diese ist in den USA, China und Japan bereits erhältlich.
Boehringer-Ingelheim-Generaldirektor Pavol Dobrocky
Wegen höherer Hürden bei der klinischen Forschung dauere die Zulassung in der EU bis zu drei Jahre länger, erklärt Pavol Dobrocky, Generaldirektor von Boehringer Ingelheim RCV. Durch das längere Prozedere bei der Zulassung innovativer Medikamente drohe Europa ins Hintertreffen zu kommen, warnt er. Schon jetzt würden 60 Prozent aller neuen Medikamente zuerst in den USA zugelassen, nur noch 20 Prozent in Europa. Und China hole rasant auf. „Wir brauchen ein innovationsfreundlicheres Klima in Europa“, mahnt Dobrocky.
Schwierige Lage in Israel
Das Regional Center Vienna (RCV) verantwortet von Wien aus 33 Länder in Mittel- und Osteuropa sowie in Zentralasien, Israel und die Schweiz. Die Lage in Israel sei wegen des Krieges schwierig, berichtet Dobrocky. Es würden zwar Medikamente geliefert, derzeit aber keine klinischen Studien stattfinden. Lieferengpässe aufgrund des Iran-Krieges erwartet man dank einer vorausschauenden Bevorratungsstrategie „bis auf weiteres“ nicht, heißt es.
In der gesamten Region sind 5.400 Mitarbeiter beschäftigt, knapp 3.500 davon in Österreich. Der Personalstand in Österreich blieb stabil, 2027 wird in Wien ein neues Bürogebäude bezogen.
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