Wirtschaft
07.03.2012

Österreich buhlt in Berlin um Deutsche

Tourismusmesse: Österreich wirbt um den deutschen Gast. Bisher konnten Rückgänge mit anderen Nationen ausgeglichen werden.

Die Reisebranche trifft sich diese Woche in Berlin. Zur weltgrößten Tourismusmesse ITB sind 11.000 Aussteller aus mehr als 180 Ländern angereist. Jeder hofft, im Land des Reiseweltmeisters Deutschland die Buchungsmaschinerie in Gang zu setzen. Im Vorjahr haben die Deutschen auf Auslandsreisen 61 Milliarden Euro ausgegeben, so viel wie keine andere Nation. Nach Österreich zieht es sie aber immer weniger. "Jeder dritte Deutsche bleibt im Urlaub im eigenen Land", weiß Österreich-Werbung-Chefin Petra Stolba. Vor allem die Nord- und Ostsee, aber auch Städte wie Leipzig und Dresden, die in neuem Glanz erstrahlen, stehen hoch im Kurs.

Minus zehn Prozent

Binnen zehn Jahren ist die Zahl der deutschen Gäste in Österreich um zehn Prozent zurückgegangen. 2002 verbrachten die Deutschen noch 53,5 Millionen Nächte in Österreich, im Vorjahr waren es nur noch 47,4 Millionen. Die Zuwächse bei aufstrebenden Gästenationen aus Zentral- und Osteuropa sind ein schwacher Trost. Geht die Zahl der deutschen Urlauber um ein Prozent zurück, bedeutet das rund 480.000 Nächtigungen weniger. "Das entspricht den gesamten Gästenächtigungen von slowakischen Urlaubern 2011", veranschaulicht Tourismusobmann Hans Schenner die Größenordnung. Mit anderen Worten: Mit den Zuwächsen in neuen touristischen Märkten können nur die Buchungslöcher der ausbleibenden deutschen Gäste gestopft werden. Unterm Strich führen sie zu keinem Plus in der Bilanz. Denn die Abhängigkeit vom deutschen Markt bleibt groß. Mehr als die Hälfte der ausländischen Nächtigungen entfallen weiterhin auf deutsche Urlauber.

Neue Initiativen

Neue Initiativen wie "Skifahren lernen in drei Tagen" sollen die Deutschen nun wieder verstärkt auf die heimischen Pisten bringen. "Damit kommen wir auch den Trend zur kürzeren Aufenthaltsdauer entgegen", so Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner auf der ITB. Zudem sollen Kampagnen für die Städte und den Donauraum „das fade und leicht verstaubte Image“ des Urlaubslandes abstreifen. Für die laufende Wintersaison ist Mitterlehner optimistisch. Es werde "sicherlich keine Abflachung" in der Tourismusbilanz geben, hofft er auf Spätbucher.

Nationen-Bilanz

Die Winterbilanz bis Ende Jänner weist allerdings bei Gästen aus Deutschland und den Niederlanden – den wichtigsten ausländischen Herkunftsmärkten – ein Nächtigungsminus von insgesamt 500.000 aus. Zum Vergleich: Russische Gäste verbrachten im gesamten Jahr 2011 1,2 Millionen Nächte in Österreich, Gäste aus Tschechien rund zwei Millionen Nächte.

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