Wirtschaft
20.09.2017

Ökostrom-Erzeugung: Wer fliegt aus dem Markt?

Das aktuelle Fördersystem ist ineffizient. Der Biomasseverband befürchtet, dass Holzkraftwerke nach der Reform zusperren.

Die Subventionen für Ökostrom sind 2016 auf knapp über eine Milliarde Euro gestiegen. Der Anteil des damit erzeugten Stroms beträgt laut dem Ökostrombericht der E-Control 16,7 Prozent. Inklusive der großen Wasserkraftwerke kommt Österreich auf einen Ökostromanteil von rund 71 Prozent.

Das System hat seine Tücken: Wegen des geförderten Ökostroms ist der Strompreis so niedrig, dass sogar zusätzliche Subventionen für Ökostrom notwendig sind. Außerdem gilt das Förder-System als nicht sehr effizient. Die Kosten dafür zahlen die Haushalte.

Daher wird über eine Reform diskutiert. Man müsse darüber nachdenken, mit welchem Fördersystem künftige Zielvorgaben erreicht werden können, meint E-Control Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Bundeskanzler Christian Kern orientiert sich am Fördersystem in Deutschland. Die Förderungen gehen an jene Ökostromproduzenten, die am billigsten produzieren. Welche Technologie verwendet wird, spielt dabei keine Rolle. Kern geht davon aus, dass nach der Systemumstellung mit dem selben Geld mehr als dreimal so viel Ökostrom erzeugt werden kann.

Das würde auch bedeuten, dass teurere Technologien zur Ökostromerzeugung, wie etwa feste Biomasse oder Biogas, aus der Förderung fallen und damit unrentabel werden. Der subventionierte Einspeisetarif beträgt für neue derartige Anlagen zwischen zehn und zwanzig Cent je Kilowattstunde. Biomasseanlagen werden vor allem von Bauern betreiben. Die größte Anlage steht in Simmering (siehe Bild oben) und gehört Wien Energie.

Nur Wind und Wasser

Übrig blieben nach der Reform vor allem Wasser-Kleinkraftwerke und Windenergie. Bei Sonnenergie muss man zum niedrigen Einspeisetarif noch die einmalige Investitionsförderung dazurechnen. Der subventionierte Einspeisetarif ist bei Windkraft auf unter neun Cent je Kilowattstunde gefallen. Zum Vergleich: Der Großhandelspreis für Strom beträgt rund drei Cent je Kilowattstunde.

Der Präsident des Biomasseverbandes, Josef Plank, hält nichts von den Reformplänen: "Die 130 Holzkraftwerke in Österreich produzieren etwa so viel Energie wie im Kernkraftwerk Zwentendorf produziert worden wäre." Ohne Holzkraftwerke müsse Österreich Atomstrom aus dem Ausland importieren. Außerdem seien 6400 regionale Arbeitsplätze in Gefahr.

Österreich importiert an bewölkten und windstillen Tagen im Winter Strom aus dem Ausland. Anders als Wind- und Sonnenenergie liefern Biomassekraftwerke unabhängig von der Wetterlage Strom ins Netz.