Oberbank-Chef: "Meine Frau hat 40 Jahre auf mich gewartet"
Zum letzten Mal präsentierte gestern, Donnerstag, Franz Gasselsberger die Jahresbilanz der Oberbank. Der Oberösterreicher, der am Sonntag seinen 67. Geburtstag feiert, steht seit Mai 2002 an der Spitze des Instituts. Mit Jahresende ist für ihn Schluss – „ein bewegender Moment“, kommentierte er seine letzte Pressekonferenz.
Die Zahlen für 2025 hätten die eigenen Erwartungen übertroffen – man habe sich von Quartal zu Quartal steigern können trotz enormer Kostenbelastungen. „Das zeigt die Widerstandsfähigkeit unseres Geschäftsmodells.“ Kreditwachstum (plus 20 Prozent) habe es in allen Regionen und Bereichen gegeben, bei den Kreditausfällen liege die Oberbank sehr gut, ebenso auf der Einlagenseite (plus 4,7 Prozent). Das Wertpapiergeschäft habe mit einem Zuwachs von einem Drittel wieder Fahrt aufgenommen. Gasselsberger erklärt dies mit der wachsenden Verunsicherung betreffend staatlicher Pension. „Wer es sich leisten kann, sorgt privat vor.“ Daran werde sich wenig ändern, da der Politik die Mut zu Reformen fehle.
Der Jahresüberschuss vor Steuern lag zum dritten Mal in Folge mit 477,1 Mio. Euro auf Rekordniveau, der Nettogewinn ging um 1,8 Prozent auf 372 Mio. Euro leicht zurück. Die Dividende soll um 20 Cent auf 1,35 Euro erhöht werden.
Keine Inflationsspirale
Mit Blick auf den Konflikt in Nahost sieht Gasselsberger keine neuerliche Inflationsspirale wie nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Damals hätten die Notenbanken die Inflation massiv unterschätzt und die Zinsen zu spät angehoben. „Jetzt haben wir eine ganz andere Situation.“ Einen gewissen Inflationsdruck werde es geben, aber keine Lohn-Preisspirale. Generell wären die Lohnabschlüsse in den vergangenen Jahren aber zu hoch gewesen, auch im öffentlichen Dienst. Die Staatseinnahmen seien so hoch wie nie und trotzdem habe Österreich das fünfhöchste Budgetdefizit der Eurozone. "Trotzdem wird das als Erfolg verkauft."
Im Gegensatz zu 2022 befinde man sich im Euroraum nicht in einer Nullzinsphase, in den USA liege der Leitzinssatz sogar bei 3,75 Prozent, was einen "gewissen bremsenden" Effekt habe genauso wie der "sehr stark angestiegene" Kapitalmarktzins, sagt Gasselsberger. "Und dazu kommt, dass natürlich die Notenbanken jederzeit handlungsbereit sind." Auch die im Markt derzeit eingepreisten drei Zinserhöhungen sieht er nicht, weil die hohen Energiekosten ohnehin bereits einen bremsenden Effekt auf die Wirtschaft hätten, die nicht durch Zinserhöhungen noch weiter verstärkt werden müssten. Ebenso wenig rechne er mit einer Lohn-Preis-Spirale.
Reaktion der Kapitalmärkte bisher "sehr besonnen"
Zudem erinnerte Gasselsberger daran, dass vor einem Jahr, als Trump seine Zinspolitik angekündigt und umgesetzt hat, viele Ökonomen vor einer Rezession gewarnt haben. Eingetreten sei stattdessen ein Weltwirtschaftswachstum von 3 Prozent. Positiv überrascht hätten ihn die Kapitalmärkte, die "sehr besonnen" mit Kursrückgängen reagierten. Als möglichen Grund nannte er, dass die Unternehmensgewinne in den vergangenen Wochen und Monaten sehr gut gewesen seien und die großen börsennotierten Unternehmen zweistellige Gewinnzuwächse verzeichnet hätten. Die weiteren Entwicklungen seien vor allem davon abhängig, wie lange der Iran-Krieg dauern werde.
Ob Gasselsberger nach Auslaufen seines Mandats mit Jahresende der Branche erhalten bleibt, lasse er auf sich zukommen. „Ich habe viele Interessen und möchte das tun, was mir Spaß macht“, sagt der passionierte Jäger und Bergsteiger. „Und meine Frau hat 40 Jahre auf mich gewartet.“
Vor kurzem wurde Vorstandsdirektor Martin Seiter zum Generaldirektor und Vorstandsvorsitzenden ab Jänner 2027 bestellt. "Die goldene Ära der Oberbank wird eine würdige Fortsetzung finden, die Festspiele gehen weiter", streut Gasselsberger seinem Nachfolger Rosen.
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