Harald Neumann, neuer General der Novomatic-Gruppe: „Die großen Casino-Märkte sind in den USA und in Asien“

© /Novomatic

Expansion
10/04/2014

Novomatic spielt in den USA auf

Zuerst in Las Vegas, in zwei, drei Jahren auch in Asien. Kooperationsangebot an Casinos Austria.

von Andrea Hodoschek

Europa ist unser Heimmarkt, hier sind wir als integrierter Glücksspielkonzern die Nummer eins. Aber die großen Casino-Märkte sind in den USA und in Asien", kündigt der neue Novomatic-General Harald Neumann den Sprung in die USA an. Dort wird in ganz anderen Dimensionen gespielt. Während in den Spitzen-Casinos in Europa maximal 400 bis 500 Automaten stehen, glitzern und blinken in den großen US-Casinos Tausende Slotmaschinen. Den Spitzenplatz hält zurzeit ein Spieltempel in Oklahoma mit 7500 Automaten.

Der Start in den US-Markt wird seit 2012 vorbereitet. Die Steuerungszentrale für Nord- als auch Südamerika ist in Florida angesiedelt. Die Novomatic Americas Sales ist bereits in einigen US-Staaten und kanadischen Provinzen lizensiert. Diese Röntgen-Verfahren sind aufwendig und teuer. So musste Chef Jens Halle den Behörden beispielsweise lückenlos seine Konto-Auszüge, Steuererklärungen und Wertpapier-Transaktionen der vergangenen zehn Jahre vorlegen.

Die jüngste Übernahmewelle unter den amerikanischen Automatenherstellern sieht Neumann als zusätzliche Chance: "Die amerikanischen Casino-Betreiber haben gerne mehrere Lieferanten. Das ist unsere große Chance. Wenn wir mit den richtigen Produkten auf den US-Markt kommen, können wir sehr rasch wachsen."

In drei bis fünf Jahren müsste ein Marktanteil von fünf bis zehn Prozent erreichbar sein, hofft Neumann. Der Markt – das sind eine Million Automaten. Die Casino-Betreiber kaufen die Slotmaschinen von den Herstellern oder mieten sie an, um sich hohe Investitionen in neue Geräte zu ersparen.

In Florida soll ein Assembling-Werk entstehen. Von Florida aus will der mehr als 20.000 Mitarbeiter große Konzern des Industriellen Johann F. Graf weiter in Südamerika expandieren, wo die Gruppe seit etlichen Jahren engagiert ist. Im Fokus sind auch die Karibik und Kreuzfahrtschiffe.

In zwei, drei Jahren will Novomatic auch in Asien präsent sein, hofft Neumann. Die asiatischen Kunden setzen derzeit zwar noch lieber auf Tischspiele (mit Croupiers), doch das Interesse an Automatenspielen wächst. Immer mehr Gambler aus China fliegen zum Zocken in die USA.

Social Games

Der Trend in der Glücksspielindustrie geht in Richtung Mobilität. "Es wird immer wichtiger, die Kunden dort zu erreichen, wo sie gerade sind", erklärte Technologie-Vorstand Thomas Graf am Rande der Global Gaming Expo, der weltgrößten Konferenz der Branche in Las Vegas. Bei sogenannten Social Casino Games wird auf mobilen Geräten nicht um Geld, sondern um Punkte gegambelt. Diese können in den realen Casinos eingelöst werden, etwa in Gutscheine für Hotelnächtigungen oder Restaurants. Dahinter steht die Absicht, die Kunden über mobile Spiele in die Casinos zu bringen. Alle Mitbewerber bieten solche Produkte bereits an.

Die Novomatic schaffte es mit "Pharao’s way" unter die Top Ten der Spiele in den USA. Derzeit werde in Kooperation mit Facebook ein neues Produkt entwickelt, bei dem die Nutzer gemeinsam mit Freunden spielen können, erzählt Graf. Der durchschnittliche Facebook-Nutzer verbringt zwölf Stunden im Monat nur mit Spielen.

Neumann macht außerdem dem heimischen Konkurrenten Casinos Austria (Casag) ein Kooperationsangebot. Da beide Unternehmen "unterschiedliche Know-hows haben, wären gemeinsame Projekte im Ausland sicher interessant" . Um den Drittel-Anteil der Münze an der Casag will Novomatic nicht mitrittern. Im Inland ortet Neumann jedoch Kooperationsmöglichkeiten bei den Video-Lotterie-Terminals der Casag. Das sind miteinander vernetzte Automaten.

Las Vegas – eine Stadt, die sich ständig neu erfindet

"Großartig. Wir waren heute schon in Venedig, Paris, Rom, Luxor und New York. Alles an einem Tag“, erzählt das junge Paar aus Australien begeistert. Sie hätten zwar auch ein bisschen gespielt, aber hauptsächlich kamen die beiden wegen der riesigen Themen-Hotels und der abendlichen Shows. Die 79-jährige, weißhaarige Dame aus Oklahoma dagegen sitzt schon seit Stunden im Dämmerlicht an einem Automaten. Der Rollator ist daneben abgestellt. „Ich verspiele hier langsam mein Geld, mitnehmen kann ich’s ja nicht“, erzählt die Oma, die schon seit 30 Jahren nach Las Vegas kommt. Einsam fühle sie sich nicht, „warum auch, ich habe ja die Slotmaschinen“.

Der pensionierte japanische Banker, der fünf bis sechs Mal im Jahr nach Las Vegas fliegt, hat die ganze Nacht durchgezockt und „schön gewonnen“. Dabei hat er die Zeit übersehen und wäre am Morgen fast zu spät zum Ausflug in den Grand Canyon gekommen. Uhren gibt es in den Casinos aus gutem Grund nicht.

Die aus dem Wüstenboden in Nevada gestampfte Gaming-Metropole hat die Folgen der Finanzkrise immer noch nicht ganz überwunden. Wie der Rest der Branche. So musste der Immobilien-Zampano Donald Trump, der in Las Vegas ein Riesenhotel mit goldschimmernder Fassade samt Casino hinstellte, inzwischen seinen Spieltempel in Atlantic City zusperren.

Derzeit kommen mehr Nicht-Spieler als Gambler nach Las Vegas. Die Stadt, an deren Glitzermeile „The Strip“ sich die überdimensionierten Hotelkomplexe samt den Casinos reihen, präsentiert sich nicht nur als Zocker-Metropole, sondern immer stärker auch als Unterhaltungs-Dorado. Die Kunden wollen Entertainment.

„Die Gäste suchen alternative Angebote, das Konsumverhalten verlagert sich. Vor allem die jüngeren Besucher kommen wegen der Unterhaltung – Shows, Shopping und hier sind auch die besten Restaurants der USA“, beobachtet Novomatic-Vorstand Thomas Graf. „Las Vegas ist eine Stadt, die sich ständig neu erfindet.“

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