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EU-Aufreger
04/26/2014

Notare warnen vor 1-Euro-GmbH

Warnung: Ich-AG mit nur einem Euro Stammkapital "öffnet Tür und Tor für Missbrauch".

von Anita Staudacher

Der Vorschlag der EU-Kommission zur Schaffung einer europäischen "Ich-AG" (Single Member Company) mit nur einem Euro Stammkapital, stößt auf Widerstand bei den heimischen Notaren. "Die 1-Euro-Gesellschaft öffnet Tür und Tor für Missbrauch", warnt Michael Umfahrer, Präsident der Notariatsakademie im KURIER-Gespräch.

Das größte Problem sieht er in der geplanten Formlosigkeit der Firmengründung. Der Kommissions-Vorschlag sieht vor, dass die Registrierung und damit Firmengründung binnen weniger Stunden elektronisch über ein Standardformular erfolgt. Ein Identitätsnachweis ist nicht nötig, nationale Vorschriften wie in Österreich die Notariatspflicht sollen wegfallen. "Dass mangelnde Identitätskontrollen auch Geldwäscheversuche begünstigen, liegt auf der Hand", so Umfahrer.

Theoretisch würden zwar die Gesellschafter für Schulden haften, "aber wer in betrügerischer Absicht eine Firma online gründet und bewusst Schulden macht, kann einfach von der Bildfläche verschwinden und kaum ausgeforscht werden." Dies widerspreche klar den Geldwäsche-Vorschriften der EU. Statt Sicherheitsstandards herabzusetzen, sollte die EU endlich die "schubladisierte" Sitzverlegungsrichtlinie umsetzen, fordert Umfahrer. Jede Verlegung eines Firmensitzes sollte zuvor auf Rechtmäßigkeit überprüft werden müssen. Die Ansprüche von Arbeitnehmern, Konsumenten oder Gläubigern müssten sichergestellt werden.

Die Notare bezweifeln, dass ein niedrigeres Stammkapital tatsächlich das Gründungsgeschehen ankurbelt. "Die GmbH light für 10.000 Euro ist in Österreich nach nur neun Monaten grandios gescheitert, weil es nicht zu mehr Gründungen, sondern vor allem zu Kapitalherabsetzungen kam", meint Umfahrer.

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