Wirtschaft
30.01.2012

Noch viel zu jung für die Pension

Berufsunfähig mit 19 oder 30 Jahren. Zwei Beispiele von Invaliden, die den Weg zurück in den Job geschafft haben.

Igor Sefer lag am Tag seiner Lehrabschlussprüfung im Koma. Autounfall, binnen Sekunden zerplatzt der Traum vom Haubenkoch. Schädelfraktur, Polytrauma, gebrochene Hüfte, Sehbehinderung. "Bis auf die linke Hand war eigentlich alles kaputt", erinnert sich Sefer. Es folgten drei Monate Krankenhaus, drei Monate Reha, sechs Jahre als Invalide mit Notstandshilfe zu Hause. "Ich habe immer wieder versucht zu arbeiten, aber ich konnte nicht lange genug stehen und nicht mehr als zehn Kilo heben", erzählt der heute 27-jährige. Einziger Ausweg: Ein anderer Beruf.

Die zweifache Mutter Manuela Bär (Name von Red. geändert) konnte mit 30 einfach nicht mehr. Ein Kreislaufkollaps entpuppte sich als schwere Angstpsychose. "Ich hatte panische Angst vor dem PC oder der U-Bahn, konnte jahrelang die Wohnung nicht verlassen", schildert Bär (43). Es folgten stationäre Psychiatrie und vorzeitige Pensionierung wegen Berufsunfähigkeit (sprich: Invaliditätspension). Zehn Jahre lang. Bär fühlte sich viel zu jung für die Pension und wollte trotz Krankheit arbeiten: "Es sagt einem von der Pensionsversicherung aber niemand, wie das nach zehn Jahren fern vom Arbeitsmarkt funktioniert".

Eingliederung

Sefer begann beim Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrums (BBRZ) in Wien eine Ausbildung zum Buchhalter und Lohnverrechner, die er im Vorjahr erfolgreich abschloss. Bezahlt wurde der eineinhalbjährige Kurs von AMS und PVA. Seit dem Vorjahr arbeitet Sefer als Buchhalter bei der Wiener Filmproduktionsfirma Adri Alpe Media. Er hat "einen sehr verständnisvollen Chef" und noch viel vor: "Ich möchte mich noch im Bereich Controlling weiterbilden und vielleicht einmal Finanzminister werden", sagt er mit einem Schmunzeln.

Bei Frau Bär dauerte die Re-Integration länger. Sie bekam vom BBRZ eine eigene Arbeitsintegrations-Trainerin zur Seite gestellt. "Mir ging es ja wie einer 15-jährigen. Ich wusste überhaupt nicht, was ich kann und wohin es gehen soll", erzählt Bär. Sich zu konzentrieren, sich selbst zu präsentieren und zu kommunizieren musste sie neu erlernen. Seit Dezember sitzt Bär wieder als Büroangestellte 25 Stunden in der Woche vor dem PC, der ihr jetzt keine Angst mehr macht. Ein Ganztagesjob wäre ihr noch zu viel: "Eine psychische Erkrankung ist nix, was in drei Wochen erledigt ist".


I-Pension: 28.000 Neuzugänge 2011
Im Vorjahr gab es 28.000 bewilligte Fälle von Berufsunfähigkeits- bzw. Invaliditätspension, ein Rückgang von 5,5 Prozent gegenüber 2010. Voraussetzung ist eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von mind. 50 Prozent. Mehr als 60 Prozent der Anträge werden abgelehnt