Wirtschaft
12/23/2018

Niki Lauda: "Die Lunge läuft wie ein Glöckerl"

Formel-1-Legende bedankt sich im KURIER-Interview für die große Anteilnahme und verrät, wie er bei Laudamotion weitermacht.

Für Niki Lauda und seine Familie sind 2018 die schönsten Weihnachten überhaupt. Der dreifache Formel-1-Weltmeister jettete vor fünf Tagen an seinen Zweitwohnsitz in Ibiza und wird dort mit seiner Frau Birgit und den Kindern Max und Mia die Festtage verbringen.

Nach seiner Lungentransplantation vor fünf Monaten trainiert Lauda mit drei Therapeuten täglich fünf bis sechs Stunden mit dem Rollator. „Die Lunge läuft wie ein Glöckerl. Aber ich bin fünf Monate im Bett gelegen. Zuerst im AKH dann daneben in der Wiener Privatklinik. Das Hauptproblem sind die Beinmuskeln“, sagt Lauda im Interview mit dem KURIER. „Es geht bergauf, ich kann schon ohne Unterstützung gehen. Ende Jänner werfe ich den Rollator weg“.

Täglich auf dem Laufenden

Schon wieder ganz der Alte ist Lauda, wenn es um Laudamotion geht, die dritte von ihm gegründete Airline. Er hält sich telefonisch täglich auf dem Laufenden. Der engste Kreis von Vertrauten und Mitarbeitern besucht den Unternehmer immer wieder. Denn Laudamotion fliegt mit der Unterstützung von Ryanair einen ambitionierten Expansionskurs.

Schwer begeistert ist Lauda von seinem Geschäftspartner Michael O’Leary. „Er war derart fair, während ich nicht einsatzfähig war, dass ich nur meine Kappe vor ihm ziehen kann“. Zwischen Lauda und dem unkonventionellen Boss der Ryanair, der Europas größte Low-Cost-Airline aufzog, hat das Klima von Beginn an gestimmt.

Lauda wird seine restlichen 25 Prozent ebenfalls an Ryanair verkaufen. Er kann seinen Anteil laut Vertrag in drei Jahren an Ryanair abgeben, die irische Airline-Gruppe kann ihrerseits gegenüber Lauda eine Option ziehen (Call und Put).

Derzeit wird diskutiert, ob Lauda vorzeitig aussteigt. Wie er das Abenteuer Laudamotion finanziell bilanziert, kann jetzt noch nicht beurteilt werden, da der Preis auch abhängig ist vom Börsenkurs der Ryanair.

"Bleibe der Chairman"

Unabhängig davon „bin und bleibe ich Chairman von Laudamotion“, betont Lauda. Derzeit ist Laudamotion eine GmbH ohne Aufsichtsrat. Neben Lauda sind noch Andreas Gruber und seit September der von Ryanair entsandte Casey Colin in der Geschäftsführung.

Darüber wird Laudamotion von einem Gesellschafter-Ausschuss gesteuert. Im Gegensatz zu einer AG haben die Eigentümer bei einer GmbH direkten Durchgriff auf das Management. Im Ausschuss sitzen Lauda (als Boss) sowie O‘Leary als stellvertretender Chef und David O’Brien, Chief Commercial Officer der Ryanair.

Im Jänner ist geplant, dass Lauda auch offiziell die Position des Chairman of the Board übernimmt, die einem Verwaltungsratspräsidenten entspricht. Die GmbH wird daher für ein Board-System (Mischung aus operativen Managern und Aufsichtsräten) umgebaut. Vize-Chairman soll O‘Leary werden. Der Ryanair-Chef hat Lauda gebeten, weiterhin als Nummer eins an Bord zu bleiben. Es sei von Beginn an klar gewesen, dass Lauda nicht ins operative Tagesgeschäft geht.

Kritik an Lufthansa

Ganz der Alte ist Lauda auch in Sachen Lufthansa. „Ich wurde in meinem ganzen Leben noch nie so unfair behandelt wie von Lufthansa-Chef Carsten Spohr und seiner Mannschaft. Das vergesse ich nie“, wettert die Formel-1-Legende gegen die Mutter von AUA und Eurowings. Es sei vereinbart worden, dass Lufthansa 21 Flugzeuge an Laudamotion verleast. „Dann waren‘s plötzlich nur neun Flugzeuge und wir konnten nicht alle Slots abfliegen“.

„Die Rettung war, dass ich parallel mit O’Leary verhandelt habe. Denn die Lufthansa wollte Laudamotion vernichten“. Ryanair überstellte daraufhin eigene Maschinen an Laudamotion.

Im Herbst kündigte die Lufthansa dann wie berichtet vorzeitig die Leasing-Verträge für alle neun Maschinen. „Wegen rund 700.000 Euro, deren Überweisung sich banktechnisch verzögert hatte“, erklärt Lauda. Die Lufthansa habe dann in England einen Schaden von 21 Millionen Euro eingeklagt, das Verfahren aber verloren. Lauda schimpft über „die unfairste Aktion, die mir in meinem ganzen Geschäftsleben passiert ist“.

O’Leary habe noch viel vor, sagt Lauda. „Er hat 150 Millionen Euro investiert und fährt Laudamotion auf 30 Flugzeuge hoch. Jedes Monat kommen zwei bis drei Flugzeuge, damit geht’s um 9,99 Euro nach Palma. Die Lufthansa wird in den nächsten zwei Jahren richtig Kopfweh bekommen und die anderen Billig-Airlines, die jetzt in Wien sind, ebenfalls“.

Drei Manager gekündigt

Im mittleren Management von Laudamotion ist die Weihnachtsstimmung allerdings getrübt. Drei leitende Mitarbeiter wurden ohne Wissen Laudas von Casey Colin gekündigt. Sie mussten ihre Arbeitsplätze innerhalb einer Stunde räumen, das ist offenbar der Stil bei Ryanair.

Bei seinen Fans will sich Lauda auch via KURIER bedanken: „Ich hätte nie damit gerechnet, wie viele Menschen Anteil an meinem Schicksal genommen haben. Unglaublich, was ich in dieser mühsamen Zeit an aufmunternden und freundlichen Briefen bekommen habe“. andrea.hodoschek