Wirtschaft
16.08.2017

Niki im Sog der insolventen Air Berlin

Wird die Airline filetiert, könnte auch ihre Österreich-Tochter an die Lufthansa-Billigfluglinie gehen.

Nachdem die Air Berlin am Dienstag Insolvenz angemeldet hat, hängt auch der Österreich-Ableger Niki in der Luft. Die ursprünglich für Mittwoch geplanten Kollektivvertragsverhandlungen wurden kurzerhand abgesagt, stattdessen traf sich der Betriebsrat mit der Geschäftsführung. Es geht um die Frage, was mit Niki weiter geschieht.

"Niki ist noch Teil der Air Berlin. Ich fürchte, damit dauert es nicht mehr lange, bis sie auch Insolvenz anmelden müssen", analysiert Airline-Gründer Niki Lauda in gewohnt trockener Art. Er geht davon aus, dass Air Berlin filetiert wird und letztlich auch Niki vom Lufthansa-Konzern in seine Eurowings-Flotte übernommen wird.

Wie viele Flugzeuge der deutsche Kranich tatsächlich unter seine Flügel nimmt, ist offen. Laut Süddeutscher Zeitung könnten es bis zu 80 sein. Schon seit Feber fliegen 28 Air-Berlin-Maschinen samt Besatzungen für die Lufthansa-Gruppe, davon fünf für die AUA. Die Flotte der Air Berlin umfasst aktuell 140 Flieger – die aber geleast sind.

Und damit beginnen nun komplizierte Verhandlungen, erläutert Niki Lauda. Die Lufthansa werde versuchen, bei den Leasingfirmen bessere Konditionen herauszuschlagen. Von den Ergebnissen dieser zähen Verhandlungen wird es wohl auch abhängen, wie viele Maschinen für den Lufthansa-Konzern attraktiv sind.

Neue Spielregeln

Gleichzeitig muss sich die Air Berlin auf breiter Front auf neue Konditionen einstellen: Der Flughafen Genf gab bekannt, dass er von der zweitgrößten deutschen Airline die Start- und Landegebühren ab sofort im Voraus verlangt. Ein Schritt, den nicht nur Flughäfen, sondern auch Caterer oder Spritlieferanten gehen, um sich bei den Geschäften mit dem insolventen Geschäftspartner nicht selbst strafbar zu machen, weiß Lauda.

Fix ist, dass die Lufthansa die Maschinen für den Ausbau der Eurowings-Flotte einsetzen will, mit der sie gegen die Konkurrenz von Easyjet oder Ryanair anfliegt. Um die Übernahme kartellrechtlich durchzubekommen, muss aber ein entsprechendes Gegengewicht am Markt entstehen. Insider sehen hier die britische Airline Easyjet in den Startlöchern, die auf den Flughäfen Berlin und Düsseldorf landen will. Auch der Reisekonzern Thomas Cook und die Ferienflug-Tochter Condor zeigen Interesse. Der gewohnt wortgewaltige Ryanair-Chef Michael O’Leary ortet derweil ein abgekartetes Spiel in Deutschland. "Es geht nur darum, Ryanair daran zu hindern, in Deutschland weiter zu wachsen", wettert er. Laut seinen Berechnungen kann Lufthansa bei Inlandsflügen künftig einen Marktanteil von 95 Prozent erreichen, ein Wert jenseits jeder Kartellgrenze. Für den KURIER analysiert Niki Lauda:

KURIER: Werden die 150 Millionen Euro vom deutschen Staat zur Überbrückung reichen?

Niki Lauda: Irgendjemand wird ausgerechnet haben, dass das reicht. Ende August geht die Saison zu Ende, dann wird weniger geflogen. Es war die richtige Entscheidung, die 80.000 Air-Berlin-Passagiere nicht hängen zu lassen. Die deutsche Regierung wird im Vorfeld wohl auch schon mit der Lufthansa gesprochen haben. Ob der Staat das Geld wiedersieht, bin ich gespannt. Ich glaub’ nicht, die Lufthansa wird das nicht übernehmen.

Ist der Verlust von Arbeitsplätzen vorprogrammiert?

Zu glauben, dass alle 8000 Mitarbeiter übernommen werden, ist absurd. Das fliegende Personal wird übernommen werden, weil die Lufthansa es braucht. Auch die Arbeitsplätze in der Technik sind gesichert. Aber in der Administration schaut es ganz anders aus und die Overheadkosten waren bei der Air Berlin relativ hoch.

Wie viele Maschinen wird Lufthansa Ihrer Einschätzung nach übernehmen?

In einem ersten Anlauf haben sie 43 von 140 Flugzeugen übernommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie jetzt auf einmal Interesse an allen haben werden. Wie viele es sein werden, kann ich nicht sagen. Jetzt wird mit den Leasingfirmen verhandelt, die auch schauen müssen, dass sie ihre Flugzeuge unterbringen. Ein komplizierter Prozess. Am Ende muss der Deal ins Kostenkonzept passen.