Greenpeace-Aktivisten in Warschau

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Warschau
11/21/2013

NGOs verlassen Klimakonferenz

"Keine Ambition, kein Geld" - In Warschau werde nicht ernsthaft verhandelt, kritisieren die Umweltschützer.

Die Klimakonferenz in Warschau scheint offenbar immer mehr zum Desaster zu werden. "Keine Ambition, kein Geld, keine ernsthaften Verhandlungen" - mit diesen Worten haben am Donnerstag hunderte Mitglieder von Umweltschutzorganisationen den Tagungsort unter Protest verlassen. "Hier wird der Klimawandel nicht einmal ignoriert. Genug ist genug", zürnte Johannes Wahlmüller von Global 2000.

In einem gemeinsamen "Walk Out" werden Vertreter von Friends of the Earth International, Greenpeace, WWF, Oxfam und vieler anderer Organisationen die Klimakonferenz verlassen. "Die Erwartungen an die Klimaverhandlungen waren zwar gering, aber hier wird nicht ernsthaft verhandelt. Diese Klimakonferenz ist eine Farce und ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich glaubwürdig um ein stabiles Klima und eine lebenswerte Umwelt für uns und die nächsten Generationen bemühen", so Wahlmüller.

"Dringende Aufforderung" als Hohn

Betreffend der entscheidenden Frage der Erhöhung der Ambition vor 2020 sei das einzige Ergebnis jenes, dass Japan seine Ziele verringert. "Wie zum Hohn findet sich im Text dann die 'dringende Aufforderung' an alle Staaten, ihre Ziele zu erhöhen. Viele Staaten wollen darüber aber erst gar nicht reden und auch die EU bleibt bei ihrem niedrigen Ziel, bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 20 Prozent zu senken, obwohl es nicht mehr viel bedeutet, da mit 2012 bereits eine Reduktion um 18 Prozent verzeichnet wird - Jahre der Untätigkeit zeigen keine Vorreiterrolle. Niemand redet ernsthaft über angemessene Klimaziele, vor allem die Industriestaaten, die bereits in Kopenhagen den Lead übernehmen sollten, lassen hier völlig aus", erklärte der Klima- und Energiesprecher von Global 2000.

Die Klimakonferenz selbst hat laut Wahlmüller immer groteskere Züge angenommen: "Nicht genug, dass die Stahlindustrie, Hersteller von Atomkraftwerken und Fluggesellschaften hier als offizielle Sponsoren auftreten und die Kohleindustrie eine Parallelkonferenz veranstaltete, bei der Christina Figueres als offizielle Vertreterin der UN eine Rede hielt, wurde wenige Tage vor dem Ende der Klimakonferenz auch noch der polnische Umweltminister entlassen und damit der Vorsitzende der Klimakonferenz quasi auf den Status eines Privatmanns herabgestuft." Nachsatz: "Während Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen zu werden drohen."