© APA HELMUT FOHRINGER

Wirtschaft
05/02/2012

Neues Gutachten: Schock für Elsner?

Der Ex-Bawag-Chef blieb dem Prozess fern. Er liegt im Spital, angeblich wegen akuter Herzrhythmusstörungen.

von Ricardo Peyerl

Das war ja klar. Bevor sich Helmut Elsner auf Geheiß der Bawag noch einmal auf die Anklagebank neben den Spekulanten Wolfgang Flöttl setzt, den er für einen Milliardendieb hält ...

Der Ex-Bawag-Chef sei „höchst interessiert, an dieser Verhandlung teilzunehmen", bekundet Verteidiger Tassilo Wallentin am vierten Tag der Prozess-Neuauflage dem Vorsitzenden: Doch das sei wegen einer „akuten Herzrhythmusstörung" leider nicht möglich. Der behandelnde Arzt lasse Elsner nicht aus dem Spital heraus. Wie auf Kommando ertönt in dem Moment draußen – wegen der Hitze wird im Wiener Landesgericht teilweise bei geöffneten Fenstern verhandelt – das Folgetonhorn einer Ambulanz. Zwischenruf aus dem Publikum: „Elsner kommt doch."

Seit Donnerstag liegt der 76-Jährige im Wilhelminenspital. Eigentlich sollte dort eine neuerliche Lungenuntersuchung durchgeführt werden, um den Verdacht auf Tuberkulose abzuklären. Doch dann machte angeblich Elsners angegriffenes Herz schlapp, was auf einem neuen Herzfilm sichtbar sei.

Auslöser dafür könnte das soeben zugestellte Gutachten des Leobener Internisten Joachim Borkenstein sein, der im Auftrag des Gerichts Elsners Haftfähigkeit zu überprüfen hatte. Der zu zehn Jahren Haft Verurteilte war im Juli vorigen Jahres nach 1608 Tagen hinter Gittern wegen Vollzugsuntauglichkeit aus der Justizanstalt Josefstadt entlassen worden, weil Borkenstein dort keine angemessene Betreuung des Todkranken für möglich erachtete.

 

Eden-Bar

In den Monaten seither wurde Elsner bei Konzertbesuchen, Abendessen mit Weinbegleitung und sogar einem Tanz in der Eden-Bar in den frühen Morgenstunden beobachtet, nicht jedoch bei stationären ärztlichen Behandlungen. Die neue Expertise des Sachverständigen soll dementsprechend ausgefallen sein und die Vollzugsuntauglichkeit nicht mehr in der ursprünglichen Form bestätigen, was für Elsner ein Schock gewesen sein könnte.

Demnächst soll noch das neurologische Gutachten des Psychiaters Heinz Pfolz einlangen, der Elsner seinerzeit zwar ebenfalls für haftuntauglich befand, bei entsprechender Behandlung aber eine Besserung binnen acht bis zehn Monaten in Aussicht stellte. Diese Zeit ist nun um, eine Rückkehr Elsners in die Zelle nicht mehr ausgeschlossen.

Über die Vollzugstauglichkeit entscheidet eine andere Richterin (Sonja Höpler-Salat) als über die Verhandlungsfähigkeit. Letzteres obliegt dem Bawag-Richter Christian Böhm, der den AKH-Kardiologen Günter Leopold Steurer am Mittwoch zur Abklärung ins Wilhelminenspital schickte. Steurer war bereits zu Prozessbeginn im Juli 2007 dafür engagiert worden, Elsners Gesundheitszustand vor Gericht im Auge zu behalten. Böhm zeigte sich optimistisch, dass Elsner am Donnerstag vor Gericht erscheinen werde. Woher er den Optimismus nimmt? „Weil ich Herrn Elsner höflich darum bitten werde." Dieser könne einen ärztlichen Rat, im Spital zu bleiben, ja auch ignorieren.

Der vierte Prozesstag verging mit Sesselrücken. Böhm hatte die insgesamt acht Angeklagten extra so umgesetzt, dass Elsner und Flöttl „nicht unmittelbar nebeneinander sitzen müssen." Dass er von Elsners Spitalsaufenthalt so spät erfuhr, verärgerte den Richter.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.