© APA/HERBERT NEUBAUER

Schaumwein

Die Sekt-Hersteller schäumen

Eine Steuer auf Sekt kostet Jobs, sagen Branchenvertreter. 3000 Winzer liefern an Sektkellereien.

von Simone Hoepke

12/13/2013, 05:41 AM

Die Regierung will Konsumenten beim Kauf einer Flasche Schaumwein 75 Cent abknöpfen. Inklusive Mehrwertsteuer wäre das eine Verteuerung von 90 Cent je 0,75-Liter-Flasche. Die Steuer soll rund 30 Millionen Euro jährlich in die Staatskasse spülen. Das Budgetloch in Höhe von 18 Milliarden Euro wird man sich damit maximal schön-, aber sicher nicht wegtrinken können. Eduard Kranebitter, Vorstand der Sektkellerei Schlumberger: „Das ist ja nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein, der Verwaltungsaufwand ist höher als die Einnahmen.“

Schon zwischen 1995 und 2004 gab es eine Sektsteuer, die den Prosecco- und Frizzante-Herstellern zu einem Höhenflug verhalf. Weil Frizzante-Flaschen mit maximal 2,5 Bar Druck, also mit weniger Kohlensäure, von der Steuer verschont blieben und so einen Preisvorteil hatten. Auch die meisten Prosecco-Flaschen fallen in die Frizzante-Abteilung (Ausnahme: Prosecco-Spumante-Flaschen mit mehr als drei Bar und damit Teil der Sektabteilung). „Viele Konsumenten kennen den Unterschied zwischen Sekt und Frizzante nicht und verstehen auch nicht, warum sie 90 Cent mehr für Sekt zahlen sollen“, sagt Kranebitter.

Unsicherheiten

Branchenkollege Karl Inführ warnt, dass der Sektmarkt um ein Drittel einbrechen wird, wenn die Steuer wieder in ihrer alten Form kommt. „Dass das auch Jobs kostet, steht außer Frage.“ Nach Abschaffung der Steuer 2004 holten sich Sektanbieter Marktanteile zurück. Allein in den ersten neun Monaten 2013 hat der Sektmarkt um zehn Prozent zugelegt, jener von Frizzante dagegen sieben Prozent verloren.

Im Schaumweinmarkt herrscht ein Preiskampf, der von Branchenriesen angeheizt wird. In der Hochsaison – im vierten Quartal macht die Branche die Hälfte ihres Umsatzes – werden die Flaschen auch um 1,49 Euro verschleudert. Diskonter verkaufen Prickelndes sogar um 99 Cent. „Das ist weniger, als wir für die österreichischen Trauben zahlen“, klagt Inführ, dessen Klosterneuburger Betrieb 3,5 Millionen Flaschen im Jahr abfüllt. Den Großteil davon nicht unter eigenem Namen, sondern für Händler, Hotels und Winzer.

Große Konkurrenten wie Henkell und Kupferberg, beide Teil der deutschen Oetker-Gruppe, würden schon allein aufgrund ihrer größeren Mengen günstiger Trauben kaufen und billiger die Flaschen abfüllen. Zum Vergleich: Schlumberger, größter österreichischer Sekthersteller, verkauft weltweit rund sieben Millionen Flaschen im Jahr, Henkell knapp 240 Millionen. Schlumberger, wie auch Inführ, grenzen sich mit dem rot-weiß-roten Mascherl von der mächtigen Konkurrenz aus dem Ausland ab. Bis auf den Korken kommt alles, von der Traube bis zum Glas und der Kartonage, aus Österreich.

Kampf der Giganten

Bei Wein sind die Österreicher patriotisch – jede zweite ausgeschenkte Flasche enthält den Saft österreichischer Reben. Bei Sekt kommt nur jede dritte Flasche aus Österreich. Dennoch: Auf zehn Prozent der Rebflächen wird für die Versektung angebaut, 3000 Winzer – vor allem aus dem Burgenland und dem nördlichen Weinviertel – beliefern Sektkellereien. Das Geschäft entdecken immer mehr Nobelwinzer, die den etablierten Sektmarken den Markt abgraben.

Marktführer im Handel sind Schlumberger und Henkell (inklusive der Marke Kupferberg), die jeweils knapp ein Drittel des Marktes für sich beanspruchen.

Alkohol ist viel zu billig
Ein Blick in den Supermarkt-Prospekt von heute: Kupferberg-Gold-Sekt im 6er-Pack für 1,49 Euro (!) die Flasche. Prosecco 2,49 Euro, Bacardi Breezer gar nur 88 Cent, wenn drei Fläschchen davon gekauft werden. Nicht mehr lange und Alkohol ist billiger als Wasser ... Die Folgen: Zehn Prozent der Österreicher werden im Laufe ihres Lebens alkoholkrank – ein psychosoziales, aber auch ein riesiges wirtschaftliches Problem. Produktivitätsausfälle, direkte und indirekte medizinische Folgekosten schlagen trotz Alkoholsteuer jährlich ein Budgetloch von 738 Mio. Euro, errechnete das IHS. In fast allen EU-Ländern ist Alkohol teurer. Sekt höher zu besteuern, ist ein überfälliger Schritt. - Anita Staudacher

Unlogisch und ein bisserl ideologisch
In der Wiedereinführung der Schaumweinsteuer steckt ein Quäntchen Klassenkampf: Lasst die Reichen beim Champagnisieren bluten! Als würden sich die „kleinen Leute“ nicht gern auch ab und zu ein Glas Sekt leisten. Ein Euro mehr pro Liter ist so gesehen happig – und gleichzeitig genauso lächerlich wie halbherzig. Warum eine neue (alte) Steuer auf Sekt, nicht aber auf Alkopops oder auf Wein? Ein Schelm, wer denkt, dass die Regierung keinen Krieg mit der starken Weinbauernlobby anzetteln wollte. (Diese hat ihre Preise übrigens ordentlich hochgetrieben – trotz recht günstiger Steuergesetze.) Hinter der Schaumweinsteuer steckt keine Logik – außer die der reinen Geldbeschaffung. - Martina Salomon

Anhebung der Tabaksteuer: "Wir können damit leben"

Schon im kommenden Jahr werden Zigaretten erneut teurer. Wie schon beim letzten Sparpaket 2010 wird die Tabaksteuer in jeweils drei Jahresschritten um insgesamt 45 Cent angehoben. 2014 soll die Erhöhung bereits 80 Millionen Euro ins Budget spülen.

Die heimischen Trafikanten nehmen die neuerliche Anhebung der Tabaksteuer eher gelassen hin. „Preiserhöhungen von 15 bis 20 Cent pro Packung entsprechen der Inflationsrate, wir können damit leben“, sagt Peter Trinkl, Trafikantensprecher in der Wirtschaftskammer. Wichtig sei, dass die Zigarettenpreise nicht wesentlich teurer als im Ausland seien, wodurch Kaufkraft abfließe.

Bei Japan Tobacco International (JTI) zeigt man sich ob der budgetierten jährlichen Mehreinnahmen von 80 Millionen Euro skeptisch: „Ich halte das für viel zu hoch gegriffen, derartige Verteuerungen würden den Markt komplett ruinieren“, sagt JTI-Sprecher Ralf-Wolfgang Lothart. Der Zigarettenimport aus dem benachbarten Ausland – vor allem Ungarn, Tschechien und der Slowakei – werde weiter zunehmen. Schon jetzt würden 20 Prozent aller Zigaretten nicht in Österreich versteuert.

Die Mehreinnahmen aus der Tabaksteuer fließen übrigens nicht wie ursprünglich geplant in die Finanzierung von Gratis-Zahnspangen für Kinder, sondern ins Budget.

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