Neue Kassen lassen die Kassen klingeln

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Foto: /Ready2order Start-ups  (im Bild ready2order) buhlen mit Online-Registrierkassen um Kleinstbetriebe.

Branche erwartet bis zu 100 Mio. Euro Mehrumsatz durch Registrierkassen. Preiskampf um Neukunden.

In knapp sechs Wochen wird es ernst. Für Unternehmen mit einem Jahresumsatz über 15.000 Euro und Barumsätzen von mehr als 7500 Euro gilt ab Jahresbeginn eine Registrierkassenpflicht. Das ärgert zwar viele, freut aber zugleich eine ganze Branche. Von den 200.000 betroffenen Firmen haben nämlich geschätzte 100.000 noch überhaupt kein elektronisches Aufzeichnungssystem – und müssen sich jetzt rasch eines anschaffen. Es sind dies vor allem kleinere Dienstleister vom Physiotherapeuten über das Nagelstudio und dem Notar bis hin zum Taxler.

Sie werden derzeit heftig umworben. Österreichweit buhlen rund 300 Anbieter von Soft- und Hardware-Lösungen um die Neukundschaft. "Für die Branche ist das ein Lottosechser", sagt Markus Knasmüller von der Wirtschaftskammer-Sparte Unternehmensberatung & IT (UBIT). Bei Anschaffungskosten von bis zu 1000 Euro pro Kassa kann die Branche immerhin mit bis zu 100 Millionen Euro Mehrumsatz rechnen. Ob alle Kassen auch pünktlich zum Jahreswechsel klingeln werden, bezweifelt Knasmüller. "Diese Masse wird nur schwer zu bewältigen sein."

Online-Lösungen

Unter den Händlern tobt bereits ein heftiger Preiskampf. Zahlreiche Newcomer wittern ihre Chance und greifen etablierte Anbieter, die bisher vor allem auf Großkunden fokussiert waren, mit innovativen, digitalen Geschäftsmodellen an – mitunter auch zu Dumpingpreisen. So bietet das Linzer Start-up Offisy eine kostenlose "Online-Registrierkasse" an. Dabei laden sich die Nutzer die Software einfach auf vorhandene PCs, Tablets oder Smartphones, die Daten werden auf einem externen Server gespeichert. Mehr als 1000 Vorregistrierungen gebe es für die Gratis-Lösung bereits, heißt es. Offisy sieht die Kassenlösung als Werbe-Tool für ihre kostenpflichtige Online-Terminvereinbarung. Der Erwerb dieser Software sei aber nicht Bedingung, wird betont.

Zum flexiblen Wertkarten-Modell oder fixen Monatstarif um 30 Euro bietet der Newcomer ready2order seine Online-Lösung an. "Unser Kassen-System ist nach ein paar Stunden einsatzbereit. Den Bon-Drucker, so noch nicht vorhanden, liefern wir innerhalb einer Woche aus", erläutert Geschäftsführer Markus Bernhart. Die nötigen Verbindungen und Benutzer-Oberflächen für Betriebe aller Art liefert eine App. "Unser Ziel ist es, im nächsten Jahr zwischen 1000 und 2000 Kunden zu haben", sagt Bernhart. Bis Jahresende sollen es 200 sein.

Etablierte Kassen-Anbieter wie Marcus Schöfbänker von der Witago Datenverarbeitungs GmbH sehen die Online-Konkurrenz auch kritisch. "Kunden sollten sich nicht nur vom Preis beeinflussen lassen", meint Schöfbänker. Wer zu Dumpingpreisen anbiete, sei nicht lange überlebensfähig. Fraglich ist, was im Falle einer Pleite mit den Kundendaten auf externen Servern geschieht.

Wegen der höchst unterschiedlichen Tarifmodelle rät die Wirtschaftskammer, die Anschaffungskosten auf fünf Jahre zu rechnen und unbedingt darauf zu achten, dass die Kassenlösung elektronisch nachrüstbar ist. Ab Jänner 2017 müssen die Kassen mit einem zusätzlichen Manipulationsschutz versehen sein. Die technischen Details dazu gibt es erst Mitte 2016.

Kurzinfo

Wer welche Kasse ab wann haben muss

Finanz verzichtet bis Ende März auf Strafen bei fehlender Kasse.

Wenn trifft es?

Betriebe, die einen Jahresumsatz von 15.000 Euro erzielen, davon Barumsätze von mehr als 7.500 Euro. Sie müssen  eine elektronische Registrierkasse, Kassensystem oder sonstige elektronische Aufzeichnungssystem verwenden. Bisher waren laut Barbewegungsordnung Firmen mit weniger als 150.000 Euro Jahresumsatz von der verpflichtenden Einzelaufzeichnung ausgenommen.

Wer ist ausgenommen?

Ausnahmen von der Registrierkassenpflicht gelten für Umsätze im Freien. Im Rahmen der so genannten "Kalte Hände"-Regelung sind Umsätze bis 30.000 Euro Jahresumsatz auf öffentlichen Straßen, Plätzen ohne Verbindung mit fest umschlossenen Räumlichkeiten, beispielsweise Maronibrater, Christbaumverkäufer, von der Registrierkassenpflicht ausgenommen.

Welche Kasse?

Es gibt  unterschiedlichste Lösungen. Oft reicht schon die Installation der Kassensoftware auf vorhandene Geräte (PC, Tablets). Wichtig ist die Update-Fähigkeit, denn erst ab Mitte 2016 werden die technischen Details für den Manipulationsschutz bekannt gegeben.  Anschaffung bzw. Umrüstung einer „einfachen“ Registrierkasse kosten zwischen 400 und 1000 Euro. Die Finanz fördert davon 200 Euro.

Bis wann?

Die Registrierkassenpflicht gilt ab Jänner 2016. Bis Ende März verzichtet die Finanz aber auf Strafen bei fehlender Kasse.  Zwischen April und Juni wird nur „in begründeten Fällen“ noch nicht gestraft. Steuerberater empfehlen die Anschaffung bis Jahreswechsel.

Wer informiert?

Alle wichtigen Fragen und Antworten zur Registrierkassenpflicht finden Sie auf der Homepage der Wirtschaftskammer und des Finanzministeriums. 

(kurier) Erstellt am
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