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Wirtschaft
12/05/2011

Neue Kapitalspritze für heimische Banken?

Der Industrielle Hannes Androsch warnt: Vier Milliarden Euro seien nötig, um Risiken mit Staatsanleihen und Fremdwährungskrediten im Osten abzudecken.

von Irmgard Kischko

Hannes Androsch, stellvertretender Aufsichtsratschef der Finanzmarkt Beteiligung AG, die das Staatskapital in den Banken seit der Krise 2008 überwacht, befürchtet Schlimmes: Österreichs Banken werden demnächst zusätzliche vier Milliarden Euro an Eigenkapital vom Staat brauchen. Aus dem Bankenhilfspaket 2008 stehen noch sechs Milliarden Euro bereit. "Unsere Banken haben nicht nur das Staatsanleihen-Problem, sondern auch das Ost-Problem", begründet Androsch seine Einschätzung im Gespräch mit dem KURIER. Die vielen Fremdwährungskredite in Osteuropa würden die Banken schwer belasten. Dazu komme das strukturelle Problem der heimischen Banken. "Zu viele Banken mit zu vielen Filialen", sagt Androsch. Er glaubt: "Das wird nicht ohne Staatshilfe zu lösen sein."

Wertverlust

Zunächst aber dominiert die Sorge um die Staatsfinanzen und mögliche Verluste mit Staatsanleihen. In der Finanzmarktaufsicht und der Notenbank rauchen die Köpfe: Seit Tagen werden hektisch Daten von Banken gesammelt und berechnet. Wie viel Eigenkapital bleibt den Instituten, wenn der Vorschlag der EU-Kommission umgesetzt wird, dass alle europäischen Staatsanleihen in den Bankbüchern mit dem jeweils aktuellen Marktwert angesetzt werden müssen?

Das hätte hohe Abwertungen zur Folge: Griechische Staatsanleihen etwa sind nur 40 Prozent des Kapitals wert, portugiesische 56 Prozent und italienische 92 Prozent. Diese Wertverluste drücken das Kapital der Banken. Die EU-Kommission will, dass nach diesen Abschreibungen zumindest neun Prozent "hartes Eigenkapital" übrig bleiben müssen. Banken, die das nicht schaffen, müssen sich Kapital besorgen. Von Anlegern werden sie es angesichts der Krise nicht bekommen. Bleiben die Staaten als Retter übrig.

Abgelehnt

Erste Bank und Raiffeisen Bank International (RBI) wollen von neuem Staatskapital nichts wissen. Die Erste Bank hat 9,2 Prozent Kernkapital und kaum noch griechische Anleihen. "Wir sehen keine Notwendigkeit für Kapital", betont auch RBI-Sprecher Michael Palzer. Und sollten große Staaten wie Italien in Probleme kommen, brächte auch eine Eigenkapitalquote von 20 Prozent nichts.
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht Banken-Kapitalspritzen ebenfalls nicht als Lösung. Denn die Krise drehe sich nicht um Kapitalausstattung der Banken, sondern um Staatsanleihen, die ihren Status als risikolose Anlage verloren haben. Experten schätzen dennoch, dass die Deutsche Bank neun Milliarden frisches Kapital braucht.

Ausgestanden ist die Kapitalfrage der Banken aber nicht einmal auf EU-Ebene. Denn die Europäische Zentralbank stellt sich gegen den Kommissionsvorschlag. Ein Zwang zur Abwertung der Staatsanleihen könnte sich negativ auf die europäischen Banken und den Ruf des Euro auswirken, warnte die EZB am Donnerstag. Banken überlegen indes schon Alternativen zur Kapitalbeschaffung: Sie könnten Kredite zurückfahren oder Vermögen verkaufen. Denn kleinere Banken brauchen weniger Kapital. Dann aber würde die Krise die Wirtschaft mit voller Härte treffen. Peter Brezinschek, Chefanalyst der RBI, hält eine Marktbewertung der Staatsanleihen gerade jetzt für kontraproduktiv. Finanzministerin Maria Fekter sorgt sich nicht über eine Griechenland-Abwertung: "Das kostet uns weniger als die Hypo Kärnten."