Wirtschaft
05.12.2011

Neue Direkt-Pipeline aus Russland

Russland: Die deutsch-russische Nord-Stream-Pipeline geht in Betrieb. Bisherigen Transitländern entsteht dadurch großer Schaden.

Und mit einem Mal ist Russland beinahe all seine Sorgen mit seinen westlichen Nachbarn los: Nord-Stream heißt die Zauberformel. Keine Wehwehchen mehr mit Weißrussland; keine relevanten Keilereien mehr mit der Ukraine. Eine direkte Gas-Leitung nach Westeuropa ohne nervende Transitländer, die Forderungen stellen.

Am Dienstag eröffnete Russlands Premier Wladimir Putin bei Vyborg die neue Leitung zwischen der russischen Stadt nahe der finnischen Grenze und Greifswald an der deutschen Ostseeküste. Damit haben die Ukraine und Weißrussland ab sofort nur mehr schwache Druckmittel gegen Moskau in der Hand, wenn es um Bezug und Transit von Erdgas geht.

Mit dabei in Vyborg: Deutschlands Ex-Kanzler Gerhard Schröder, Vorsitzender des Aktionärs-Ausschusses der Nord-Stream-AG und Alexei Miller, Vorstandsvorsitzender der russischen Gazprom, die 51 Prozent an dem Nord-Stream-Projekt hält.

"Diktat"

Jetzt wird also eine von zwei geplanten Leitungen nach Greifswald gefüllt. Bis aber tatsächlich Gas am deutschen Ende des Rohres in vollem Umfang entnommen werden kann, wird es noch ein paar Monate dauern. Bis Ende 2012 soll eine zweite Röhre fertig sein. Und dann wird die Pipeline die Kapazität haben, 26 Millionen europäische Haushalte mit Gas zu versorgen. Angedacht wird der Bau einer dritten Röhre. Russland entferne sich langsam aber sicher vom "Diktat der Transitländer", sagte Putin bei der Eröffnung.

In Planung hat Russland ein weiteres zentrales Projekt: South-Stream - eine Gasleitung durch das Schwarze Meer. Ein direktes Konkurrenzprojekt zu der von Österreich so forcierten Nabucco-Leitung, durch die Gas aus Zentralasien von Aserbaidschan aus nach Österreich geleitet werden soll. Der für heuer geplante Baubeginn wurde aber auf 2013 verschoben, weil nicht klar ist, woher die Leitung mit Gas befüllt werden soll.

Westeuropa bezieht 25 Prozent seines Gases von Russland. 80 Prozent davon gingen bisher über die Ukraine. Und dort rechnet man mit schwerwiegenden Konsequenzen. Neben der politischen Schwächung schmerzt Kiew vor allem der prognostizierte Ausfall von jährlich 550 Millionen Dollar an Transitgebühren.

Kiew versucht gerade, bessere Konditionen für den Bezug und die Durchleitung von Gas mit Moskau zu verhandeln. Und den Umstand, eben kein so wichtiges Transitland mehr zu sein, bekommt die Regierung in Kiew klar zu spüren. Miller ließ Kiew unverhohlen wissen, dass man über bessere Konditionen schon reden könne - jedoch nur zur Bedingung einer Fusion der ukrainischen Naftogaz mit der Gazprom. Die Ukraine hat das bisher abgelehnt und überlegt, eine Revision der Gas-Verträge vor einem internationalen Gericht einzuklagen.