Wirtschaft
20.06.2018

Nationalbank nimmt Immobilien-Kredite ins Visier

Nationalbank warnt Banken vor zu sorgloser Vergabe von Wohnbau-Finanzierungen

Mit einem gewissen Schaudern denkt die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) an den Boom der Schweizer Franken-Kredite nach der Jahrtausendwende zurück. In keinem Land in Europa hatten Banken derart viele Fremdwährungskredite an Private vergeben wie in Österreich. „Jedem vernünftigen Banker war klar, dass das mittelfristig nicht gut gehen würde. Aber jeder sagte: ,Ich muss diese Kredite vergeben, sonst geht der Kunde zur Konkurrenz‘“, erinnert Ewald Nowotny, Gouverneur der OeNB, an die Jahre vor der Finanzkrise 2008.

Was die Banker nicht schafften, schaffte diese Krise. Die Vergabe von Schweizer Franken-Krediten wurde abrupt beendet, viele Kredite auf teurere, aber sicherere Euro-Finanzierungen umgeschuldet. Daher warnt Nowotny jetzt rechtzeitig, wie er hofft. Denn wieder bahnt sich eine Gefahr an: Banken vergeben Immobilien-Kredite zu sorglos, befürchtet der OeNB-Chef. Langjährig eingehaltene Kriterien, die der Kreditnehmer erfüllen müsse, würden gelockert – vor allem bei den Immobilien-Krediten.

„20 Prozent Eigenkapital soll der Kreditnehmer haben, sonst bekommt er keine Finanzierung. Das war übliche Praxis in den Banken“, sagt Nowotny. Der extrem starke Wettbewerb unter den Banken in Österreich und die hohe Nachfrage nach Wohnbaukrediten habe dieses Prinzip zuletzt aber ausgehöhlt. Da bekämen Menschen Kredite, die kaum Eigenkapital vorweisen könnten.

OeNB will einschreiten

Die OeNB beobachte die Entwicklung sehr genau. Werde die Kreditvergabe der Banken zu locker, könnten die Nationalbanker einschreiten. Dies müsste zunächst das Finanzmarktstabilitätsgremium dem Finanzministerium melden, das dann per Verordnung den Banken die Eigenkapitalhöhe für Immobilien-Kreditnehmer vorschreiben würde. Zudem legt die OeNB den Banken nahe, dass die Kreditrückzahlungen höchstens 40 Prozent des Nettoeinkommens der Kunden ausmachen sollten. Kreditlaufzeiten von mehr als 35 Jahren sehen die Nationalbanker auch nicht gerne. Sie sollten die Ausnahme sein.

Da die Zinsen für Immo-Kredite derzeit außerordentlich niedrig sind, fallen auch die Rückzahlungen nicht allzu hoch aus. Mit Zinsanstiegen kann sich das ändern. Wohnbaukredite sind variabel verzinst derzeit schon zu unter einem Prozent Zinsen zu haben, fix verzinst zu 1,6 Prozent. „Sozialpolitik über Kredite zu machen, geht nicht. Das hat sich auch in den USA gezeigt“, betont Nowotny. In den Jahren vor der Finanzkrise 2008 haben US-Banken Immo-Finanzierungen geradezu verschleudert – ohne auf die Bonität der Kunden zu achten. Als die Zinsen dann zu steigen begannen, sind die Tilgungen reihenweise ausgeblieben, Banken gingen pleite. Die Folge: eine weltweite Krise.