Iran-Krieg: Lenzing bangt um Chemikalien-Versorgung

Tiefrote Jahresbilanz 2025. Neuer Vorstandschef wird noch gesucht.
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Der Krieg im Nahen Osten könnte die Verfügbarkeit wichtiger Chemikalien gefährden und die Frachtpreise nach oben treiben, fürchtet der heimische Faserhersteller Lenzing. Weiters könnte zusätzliche Konkurrenz aus China bei höherwertigen Fasern auf die Margen drücken. Wegen der geopolitischen Unsicherheiten gab der neue Dreiervorstand von Lenzing keine Prognose für das laufende Geschäftsjahr ab.

Tiefrote Bilanz

Die Jahresbilanz 2025 war ebenfalls geprägt von einem „herausfordernden Umfeld“ mit US-Zöllen, flauer Nachfrage und sinkenden Marktpreisen, wie der neue Finanzvorstand Mathias Breuer am Donnerstag erläuterte. Der Umsatz sank um 2,3 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro – „bei einer deutlich schwächeren zweiten Jahreshälfte“, wie Breuer einräumte.

Der Verlust nach Steuern war mit 135,2 Mio. Euro das vierte Jahr in Folge im roten Bereich, aber etwas geringer als 2024 (138,3 Mio. Euro). Breuer, der seit 2023 für den Sanierungskurs bei Lenzing verantwortlich ist, verwies auf erste Erfolge. Im ersten Schritt habe das „Performance-Programm“ bereits Einsparungen im Ausmaß von 200 Mio. Euro geliefert. Weitere 45 Millionen „werden wir bis 2027 drauflegen“.

„2025 lag unser klarer Fokus auf der Stärkung der Liquidität“, betonte der Finanzvorstand. Die Nettoverschuldung sei um 12 Prozent auf 1,35 Mrd. Euro verringert worden. Die Liquiditätsreserve von Lenzing bezifferte er mit 910 Mio. Euro.

Weiterer Personalabbau möglich

Die Umstrukturierung des Konzerns geht mit hohen Jobverlusten einher. Im September 2025 hatte das Management bekanntgegeben, bis Ende 2027 bis zu 600 Stellen zu streichen, 300 davon am Standort Lenzing (Oberösterreich). Möglicherweise reicht das aber nicht aus: „Wir werden als Dreiervorstand weiterhin die Struktur und Kostenbasis des Unternehmens überprüfen und können nicht ausschließen, dass wir das Ende des Personalabbaus erreicht haben“, sagte Breuer auf Nachfrage des KURIER.

Werk in Indonesien vor Verkauf

Für das Viskosewerk in Indonesien wird derzeit ein Käufer gesucht. Der M&A-Prozess ist im Herbst des Vorjahres gestartet worden. „Wir sind aktuell in Gesprächen und haben nicht-verbindliche Angebote erhalten“, berichtete der Finanzvorstand.

Gewinne in Ferne - Chefsuche läuft

Wann der Konzern wieder Gewinne erzielen kann, bleibt vorerst unklar. „Da wir keine Guidance für 2026 abgeben können, können wir auch keine für das Erreichen der Gewinne abgeben“, hielt Breuer fest. Der Aufsichtsrat sucht derzeit nach einem neuen Konzernchef.

Der frühere CEO Rohit Aggarwal, der ab 1. September 2024 an der Spitze des Unternehmens stand, legte sein Mandat per Ende Jänner 2026 „aus persönlichen Gründen“ nieder. Das war Anfang Dezember bekanntgegeben worden. Derzeit steuert Lenzing ein Dreiervorstand bestehend aus dem CFO Breuer, dem Chief Operating Officer (COO) Georg Kasperkovitz (seit 1. Juni 2025), der auch für die Leitung und Weiterentwicklung des Standorts in Oberösterreich zuständig ist, und Christian Skilich, der seit 2020 im Konzern tätig ist.

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