In this December 2012 photo crowds visit the Shwedagon Pagoda in Yangon, Myanmar. (Foto:Richard Camp/AP/dapd)

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Myanmar/Burma
02/05/2013

Investoren scharren in Startlöchern

Österreichs Wirtschaft zu Gast in einem der reichsten, ärmsten Länder der Welt.

von Michael Bachner

Die weitgehende Entschuldung des Landes und der Start des Betriebs der Öl- und Gaspipeline – beides in einem Jahr. Das ergibt schon eine sehr hoffnungsvolle Ausgangsposition für Myanmar“, sagt Günter Hörtler von Plasser & Theurer, dem heimischen Weltmarktführer für Bahnbau-Maschinen.

Hörtler nahm dieser Tage an der vermutlich größten Wirtschaftsmission teil, die Myanmar – das frühere Burma – seit der Öffnung des Landes im Jahr 2011 besucht hat. Rund 70 österreichische Manager, Unternehmer, Funktionäre und Politiker sondierten unter der Leitung von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl die Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten in dem rohstoffreichen südostasiatischen Land. Der KURIER war auf Einladung der Kammer Teil der Delegation.

„Man wird das Land in fünf bis zehn Jahren nicht wiedererkennen. Es ist einer der seltenen Plätze der Welt, die noch am Start stehen. Und wir wollen von Anfang an dabei sein“, sagt Leitl.

Land der goldenen Pagoden

1948, im Jahr der Unabhängigkeit des damaligen Burmas, galt das Land der goldenen Pagoden noch als eines der reichsten in der Region. Gesegnet mit großen Vorkommen an Gold, Edel- und Schmucksteinen (vor allem Jade), Kupfer, Teak Holz, Öl und Gas. Doch die lange und nach innen brutale Abschottung durch die Militärs hat das Land an den Rand des Ruins getrieben. Die Wirtschaftssanktionen gegen das alte Regime gaben dem Land den Rest. Heute zählt das 1989 umbenannte Land zu den ärmsten der Welt. Die jährliche Wirtschaftsleistung pro Kopf liegt bei 800 US-Dollar (Österreich: fast 50.000 Dollar).

Urlaubsland?

Der Tourismus zählt zu einem der größten Hoffungsgebiete. Die IMC Fachhochschule Krems hat daher mit der Yangon University eine Kooperation samt der Entsendung österreichischer Gastprofessoren vereinbart, erzählt Vizerektor Karl Ennsfellner. „Tourismus lebt von der Software, also von der Ausbildung der Menschen. Außerdem ist der Tourismus ein entscheidender Job-Creator“, so Ennsfellner.

Das Potenzial ist riesig: Letztes Jahr kamen 800.000 Gäste. Die Küste, aber auch die alte Hauptstadt Yangon sind die Hauptanziehungspunkte. Zum Vergleich: Ins benachbarte Thailand reisen jährlich 17 Millionen Urlauber. Während aber Thailand von der Infrastruktur her nahezu perfekt erschlossen ist, fehlt es in Myanmar noch an vielen Ecken und Enden: Straßen, Banken, Telekoms, Lkw, Traktoren oder schlicht Strom. Erst ein Viertel des Landes ist elektrifiziert.

Das hindert die Unternehmen nicht, bereits große Pläne zu schmieden. Die Zeit drängt, will man den Hoffnungsmarkt nicht gänzlich an Investoren aus China, Thailand und Japan verlieren. Die Bandbreite ist dabei enorm, und viele österreichische Paradebetriebe – vom Kraftwerksausrüster Andritz über die Casinos Austria, den Faser-Spezialist Lenzing bis zum Kettenhersteller Pewag – scharren in den Startlöchern. Kennt man die Kapfenberger Pewag GmbH hierzulande für Schneeketten, hofft Auslandsmanager Christian Zanini in Myanmar vor allem mit technischen Ketten für Baumaschinen, Minen-Fahrzeuge oder schlicht Ketten für Busse in der Regenzeit zu punkten. „Bei uns hängen die Autos bei Schneefall, hier bleiben die Busse und Lkw im Schlamm stecken.“

Am 4. März sollen aus vielen Ideen und Projekten Nägel mit Köpfen gemacht werden. Myanmars Staatspräsident Thein Sein besucht Wien. Einer der wenigen bekannten und steinreichen Unternehmer Myanmars, Serge Pun, erläuterte den österreichischen Investoren die Nöte des Landes. Sein Rat: „Warten Sie nicht zu lange.“

Nachholbedarf: In allen Bereichen

Auf einer Fläche von 678.000 km² leben geschätzte 60 Millionen Einwohner. Die künstlich geschaffene Hauptstadt heißt Naypyitaw (seit 2012). Die wichtigsten Wirtschaftssektoren in dem jahrzehntelang von einer Militärdiktatur geknebelten Land sind Land- und Forstwirtschaft, Bergbau, Energie und Industrie sowie Tourismus.

Potenzial Das Handelsvolumen mit Österreich beträgt nur 20 Millionen Euro. Nachholbedarf besteht überall: Infrastruktur, Verkehr, Energie, Schul- und Gesundheitswesen. In weiten Bereichen herrscht noch Rechtsunsicherheit. Momentan explodieren die Immobilienpreise wegen der vielen ins Land strömenden Investoren.

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