Wirtschaft
18.06.2018

Mjam und Foodora schicken noch mehr Fahrradboten ins Rennen

Die Portale sind umstritten, aber erfolgreich. Mjam baut seine Präsenz in Bundesländern aus.

In der Wiener City gehören sie längst zum Stadtbild: Radfahrer, die mit Boxen am Buckel Essen ausliefern. Dahinter steckt eine Plattformökonomie, die so erfolgreich wie umstritten ist. Allein im Vorjahr haben die Essenszusteller ein Umsatzplus von 50 Prozent eingefahren. Parallel dazu schwelt ein Konflikt mit der Gewerkschaft, die bis Ende des Jahres einen Branchen-Kollektivvertrag für Fahrradboten durchsetzen will.

In Österreich sind vier Zusteller im Rennen, die allesamt zu Branchenriesen gehören: Der US-Anbieter Uber Eats, Lieferservice (gehört zur niederländischen Takeaway-Gruppe) sowie mjam und foodora (beide Teil von Delivery-Hero).

Artur Schreiber ist seit Anfang Juni Österreich-Geschäftsführer von den Portalen Foodora und Mjam – und damit Branchenprimus in Österreich. Er sieht aktuell zwei große Wachstumsfelder: Den mjam-Onlineshop, den er gerade hochfährt. Dieser richtet sich an Wirte, die Pizzakartons, Jacken und sonstiges brauchen. „Aufgrund unserer Größe können wir Konditionen bieten, die kleine Lokale sonst nicht bekommen“, meint Schreiber. Zudem baute er die Flotte seiner Fahrradboten aus.

Mjam ist gerade miteinem Botendienst in Graz und Salzburg gestartet, Innsbruck folgt. Im Gegensatz zu Foodora ist Mjam bisher nur als Vermittler zwischen Restaurants und Konsumenten aufgetreten, die Zustellung haben die Wirte selbst übernommen. „Ein logistischer Aufwand, vor dem viele zurückscheuen“, sagt Schreiber. Österreichweit liefern seiner Schätzung nach zwischen 2000 und 2200 Wirte aus. Der neue Botendienst könnte das Geschäft ankurbeln. Schon jetzt sind 1800 Restaurants bei mjam und 300 bei Foodora registriert. Sie zahlen pro Bestellung acht bis 15 Prozent Provision an das Portal. „Viel zu viel“, schimpfen Wirte. Schreiber sieht das anders: „Erstens sehen viele die Provision als wirksame Marketingausgabe und zweitens bekommen Restaurants durch die Plattform die Chance, mit gleichem Personal mehr Umsatz zu machen.“

Streit mit Gewerkschaft

Die Boten sind übrigens mit ihren eigenen Fahrrädern und als Freier Dienstnehmer unterwegs. Nur 70 der 600 Foodora-Boten sind angestellt. Wie viele nach Einführung des KV ohne Anstellung radeln werden, lässt Schreiber offen. Nur so viel: „Aus Sicht unseres Business Models und unserer Fahrer ist das jetzige System gut. Wir müssen flexibel sein.“ Schließlich kommen mit einem Regenguss verlässlich auch mehr Aufträge rein. Entsprechend ändern sich Dienstpläne mit dem Wetter. An einem heißen Tag werden weniger Radler gebraucht, als an einem regnerischen Abend, an dem keiner vor die Tür will. In welche Richtungen die Boten losgeschickt werden, entscheidet übrigens „zu 99,9 Prozent der Algorithmus“, also der Computer, der Erfahrungswerte hochrechnet.

Und wie viele Fahrten pro Stunde sind für Boten realistisch? Laut Algorithmus vier, in der Realität zwei, sagen jene, die es wissen müssen. Das würde bei Foodora-Boten einen durchschnittlichen Stundenlohn von 8 Euro bedeuten (4 Euro fix pro Stunde plus 2 Euro pro Zustellung). Dazu kommt noch Trinkgeld. Bei Letzterem gilt eine altbekannte Regel: Je größer das Haus, desto kleiner das Trinkgeld, sagt einer, der als Bote unterwegs war.