Mol-Raffinerie.

© MoL

Wirtschaft
10/02/2019

Mineralölkonzern Mol setzt auf Plastik statt Treibstoffe

OMV-Rivale startet in Ungarn mit dem Bau eines neuen Mega-Kunststoffwerks. Die Investitionen betragen 1,2 Milliarden Euro.

von Irmgard Kischko

Es ist eine neue Dimension, in die der ungarische Mineralölkonzern Mol in der vergangenen Woche gestartet ist: 1,2 Milliarden Euro steckt er in den Neubau eines Spezialkunststoffwerks, die sogenannte Polyol-Erzeugung, im Osten des Landes. 200.000 Tonnen dieses höchst flexiblen Plastiks, das in Matratzen ebenso zum Einsatz kommen kann wie in Kühlschränken, Autos, am Bau bis hin zur Bekleidungsindustrie, sollen ab dem Jahr 2021 (Vollbetrieb 2023) aus der ungarischen Stadt Tiszauivaros auf den europäischen Markt kommen. Das ist ein Siebentel des aktuellen Polyol-Gesamtmarktes in Europa.

Mit diesem Rekordinvestment, das auch für den Anlagenlieferanten ThyssenKrupp der größte Auftrag der Geschichte seiner Chemie-Sparte ist, will die Mol neue Maßstäbe im Mineralölgeschäft setzen. Denn nicht mehr die Erzeugung von Treibstoffen ist die Zukunft, sondern Kunststoffe werden ein Hauptgeschäft der Ölgiganten werden. „MOL ist das einzige mittel- und osteuropäische Unternehmen, das die gesamte Wertschöpfungskette von der Rohölförderung bis zur Polyolproduktion kontrolliert“, sagt MOL-Chef Zsolt Hernádi. „Der Klimawandel zwingt uns, die Strategie dramatisch zu verändern“, betont Ferenc Horvath, Leiter des Bereichs Raffinerie, Vertrieb und Marketing.

Steigende Nachfrage

Horvath rechnet damit, dass der Treibstoffabsatz in den nächsten Jahren stagnieren wird. Anders der Kunststoffabsatz: Schon jetzt sei die Nachfrage nach Polyol in Europa größer als das Angebot. Knapp 200 Millionen Euro hatte die Mol im Vorjahr mit ihrem bestehenden Petrochemiewerken verdient. Das neue Werk soll im Vollbetrieb ab 2023 mehr als 140 Millionen Euro zusätzlichen Ertrag liefern und 200 neue Arbeitsplätze schaffen. Als zentrale Absatzmärkte hat die Mol Polen, Italien und die Türkei im Visier. Dort sei die Nachfrage besonders groß.

Der Ausbau der Plastikproduktion ist aber nur ein Schritt, den die Mol in ihrer Zukunftsstrategie verfolgt. „Wir wollen unser Standbein auch im Plastik-Recycling verstärken", sagt Horvath. Nachhaltigkeit sei eben das Schlagwort, das die Zukunft der Mineralölbranche entscheide. „Alle Kunststofferzeuger, die sich nicht um die Wiederverwertung kümmern, werden langfristig keine Chance am Markt haben“, ist Horvath überzeugt. Die Mol habe dazu strategische Partnerschaften mit deutschen Unternehmen, unter anderem der Recyclinggesellschaft APK Merseburg, eingegangen.

Aber auch das Treibstoffgeschäft will Mol mit Innovationen beleben. Nicht nur der Verkauf von Benzin und Diesel sowie zunehmend auch Strom gehört laut Horvath künftig zu diesem Bereich, sondern ebenso das Anbieten von Mobilität. Der Mineralölkonzern Mol also als Dienstleister, bei dem die Kunden je nach Bedarf „Mobilität“ bestellen.

Die Reise nach Ungarn erfolgte auf Einladung der Mol.

Nachgefragt: „Der fossile  Anteil wird sinken“

Mit Timur Gül, Leiter des Bereichs Energie-Technik in der Internationalen Energie Agentur in Paris, sprach der KURIER bei der Konferenz energy 2050 des Verbund.

KURIER: Herr Gül, endet das Zeitalter der fossilen Energien?

Timur Gül: Langfristige Szenarien im Energiesektor sind nicht wie Wettervorhersagen. Aber wenn wir 30 Jahre zurückblicken, lagen fossile Energien bei 81 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs. Seither kam Windenergie, Solarenergie auf den Markt. Wir haben Elektroautos und die Energieeffizienz wurde verbessert. Trotzdem liegt der fossile Anteil noch bei 81 Prozent.

Entmutigt Sie das?

Nein. Wir müssen bedenken, dass Länder wie China stark gewachsen sind. Aber: Fossile Brennstoffe bleiben wohl noch lange im globalen Energie-Mix. Wegen der Klimapolitik vieler Länder wird der fossile Anteil aber sinken. Wir erwarten einen Rückgang um etwa fünf Prozentpunkte in den nächsten 20 Jahren. Das ist natürlich nicht mit Klimaschutzzielen vereinbar.

Was ist notwendig, um die Klimaziele zu erreichen?

Langfristig müssen die fossilen Brennstoffe reduziert werden. Da ist nicht jeder fossile Brennstoff gleich zu bewerten. Natürlich geht es zuerst um die Kohle. Wir haben das nachgerechnet: Rund ein Drittel des Temperaturanstiegs ist auf Kohle zurückzuführen. Aus der Kohle müssen wir daher aussteigen.

Und Öl und Gas?

Wir können nicht einfach über Nacht aus diesen Brennstoffen aussteigen. Wir nutzen sie an vielen Stellen, vor allem in der Industrie. Die Leute fokussieren sich immer auf Pkw. Das ist nur ein Teil eines großen Spektrums der fossilen Nutzung.

Man hört häufiger von Wasserstoff als Alternative ...

Wasserstoff hat definitiv momentan einen guten Moment. Und es gibt einen gewissen Technologieoptimismus. Wasserstoff könnte ein Geschäft werden. Der gute Punkt bei Wasserstoff ist, dass man ihn aus vielen Energiequellen – von erneuerbar über Gas bis zur Atomkraft – herstellen kann.

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