Wirtschaft 24.01.2012

Migranten am Arbeitsmarkt stark benachteiligt

© Bild: GNEDT/Kurier

Viele Zuwanderer werden nicht ihrer Ausbildung entsprechend beschäftigt und bezahlt.

Wenn Diplom-Ingenieure putzen gehen. Nicht immer sind Migranten am heimischen Arbeitsmarkt derart drastisch "unterbeschäftigt", eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer bestätigt aber, dass Zuwanderer am österreichischen Arbeitsmarkt deutlich benachteiligt sind.

Demnach wird ein Drittel der Beschäftigten mit Migrationshintergrund unter dem eigentlichen Ausbildungslevel eingesetzt. Bei den übrigen Arbeitnehmern sind es lediglich elf Prozent. In Folge dessen hinkt auch die Entlohnung der Personen mit Migrationshintergrund deutlich hinterher.

Die Einkommensunterschiede sind gemäß der Umfrage unter 2.300 Wiener Arbeitnehmern deutlich: Während 20 Prozent der Beschäftigten ohne Migrationshintergrund ein monatliches Nettoeinkommen von über 2.400 Euro erzielen, sind es bei den Migranten nur fünf Prozent.

Fehlende Anerkennung

Am anderen Ende der Einkommens-Skala zeigt sich das umgekehrte Bild. 20 Prozent der Beschäftigten ohne Migrationshintergrund verdienen höchstens 1.400 Euro netto. Bei den Migranten sind es 60 Prozent, bei Frauen sogar 68 Prozent. Migrantinnen müssen überhaupt mit doppelter Benachteiligung kämpfen: 36 Prozent von ihnen (nur 20 Prozent der Männer) üben eine Hilfstätigkeit aus. Zum Vergleich: Bei den Beschäftigten mit österreichischen Wurzeln sind es vier Prozent der Frauen und drei Prozent der Männer.

Hauptgrund für den Einkommensunterschied zwischen Personen ohne und mit Migrationshintergrund sind das unterschiedliche Ausbildungsniveau, aber auch Probleme mit der Anrechnung von im Ausland erworbener Qualifikation.

Weniger als ein Fünftel der Zuwanderer mit Bildungsabschluss im Ausland beantragt die Nostrifikation der Ausbildung - unter anderem wegen unübersichtlicher Regelungen. Aber selbst die erfolgreiche Nostrifizierung führt nur in jedem zweiten Fall zu einem tatsächlich ausbildungsadäquaten Einsatz auf dem Arbeitsmarkt.

Vergeudung von Kenntnissen

Überdurchschnittlich hoch ist auch das Arbeitslosigkeitsrisiko von Migranten: In den letzten zehn Jahren waren über 40 Prozent von ihnen zumindest einmal von Arbeitslosigkeit betroffen, unter den Beschäftigten ohne Migrationshintergrund waren es bloß zwölf Prozent.

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel fordert angesichts dieser Zahlen Maßnahmen. So wirbt er etwa für eine schnellere, gezielte Anerkennung von im Ausland erworbenen Kenntnissen: "Wenn ein Ingenieur oder eine Ärztin als Hilfsarbeiter oder Pflegekraft eingesetzt wird, ist das eine Vergeudung von Kenntnissen und Fähigkeiten, die wir uns nicht mehr leisten können."

Zuwander sollten zudem auf ihre persönliche Situation maßgeschneiderte Beratung und eine Einschätzung ihrer Kompetenzen bekommen. Berufliche Bildung und Weiterbildung müssten dies ebenso ergänzen wie ein Schulsystem, das gleiche Chancen für alle Kinder biete und ein gezieltes Vorgehen gegen Lohn- und Sozialdumping.

Erstellt am 24.01.2012