Informationsgespräch mit Univ.-Prof. Ferdinand Mühlbacher, Transplantationschirurg im AKH Wien, Univ.-Doz. Dr. Afshin Assadian, Gefäßchirurg im Wilhelminenspital und Dr. Franz Vranitzky über die aktuelle Lage der Spender- und Empfängerversorgung, Rechtslage und Zukunftsaussichten bei Nierentransplantationen in Österreich. Das Gespräch fand im AKH Wien am 10.06.2013 statt.

© Jeff Mangione

Arbeitszeit-Debatte
06/11/2013

"Menschen wollen Überstunden machen"

Konter der IV-Präsidenten Georg Kapsch zum Thema Arbeitszeit: Flexibler statt weniger arbeiten.

von Anita Staudacher

Arbeiten die Österreicher zu viel oder zu wenig? Diese für die meisten Betroffenen sehr subjektive Frage eignet sich hervorragend als Wahlkampfthema. Die Gewerkschaft hat ihre Pflöcke bereits eingeschlagen. Sie will wie berichtet Überstunden verteuern und damit zurückdrängen und fordert eine verpflichtende sechste Urlaubswoche ab 25 Dienstjahren.

Rechtzeitig vor dem ÖGB-Bundeskongress Anfang nächster Woche kontert die Industriellenvereinigung (IV) mit personeller Unterstützung von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner mit ihren Arbeitszeit-Forderungen. „Die aktuellen Pläne des ÖGB sind kontraproduktiv, die Menschen wollen Überstunden machen“, sagt IV-Präsident Georg Kapsch. Freilich nur, wenn diese auch bezahlt werden. Kapsch wünscht sich neue flexiblere Arbeitszeitmodelle. Einer sechsten Urlaubswoche erteilt er eine Absage. „Ich weiß aus meinem eigenen Betrieb, dass wir Mitarbeiter oft zwingen müssen, ihren Urlaubsanspruch abzubauen“, erzählt Kapsch. Die ÖGB-Vorschläge würden der Wirtschaft 2,2 Milliarden Euro oder 12.000 Jobs kosten.

Uralt-Regelungen

Kapsch spricht sich für „mehr Freiheit“ bei der betrieblichen Arbeitszeitgestaltung aus. Man könne in der heutigen, globalisierten Zeit gar nicht mehr alles gesetzlich regeln. Der arbeitsrechtliche Rahmen stamme aus den 1950er- bzw. 1960er-Jahren und gehöre entstaubt. Als Beispiel nennt er das stark ausgeprägte Senioritätsprinzip, also Gehaltsvorrückungen nach Dauer der Betriebszugehörigkeit. Dieses System habe dazu geführt, „dass die Jungen jetzt zu wenig und die Älteren zu viel verdienen“. Dies zu ändern, dauere 20 bis 25 Jahre, „wir müssen daher jetzt damit beginnen“.

Wirtschaftsminister Mitterlehner möchte ebenfalls mehr Gestaltungsmöglichkeiten auf Betriebsebene: „Es geht darum, dann zu arbeiten, wenn Arbeit da ist.“ Er fordert mehr Flexibilität bei der Wochen- und Tagesarbeitszeit durch längere Durchrechnungszeiträume und Arbeitszeitkonten. So soll es leichter möglich sein, bis zu zwölf Stunden am Tag oder 60 Stunden in der Woche zu arbeiten. Bisher ist dies nur in Ausnahmefällen und Schichtbetrieben möglich. Die ÖGB-Pläne bezeichnet Mitterlehner als „falsche Tonlage für einen attraktiven Wirtschaftsstandort“.

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