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Landwirtschaft
12/04/2021

Mehr Bio in Österreich: Das EU-Ziel ist bereits erreicht

Die Biomilchproduktion steigt trotz strengerer Regeln für die Tierhaltung

von Andreas Anzenberger

Die Aufregung war groß, als im Jänner 2020 bekannt wurde, dass die EU keine Ausnahmen bei der Umsetzung der Bioverordnung akzeptiert. Österreich müsse auf seine Sonderregelungen bei der Haltung von Biokühen verzichten, war die Vorgabe der EU-Kommission. Derzeit ist es noch erlaubt, dass die Wiese bis zu 200 Meter vom Stall entfernt ist, oder auf dem Weg zur Wiese Straßen oder Bahnübergänge benutzt werden müssen.

Doch im kommenden Jahr ist damit Schluss. Dann müssen Bio-Kühe, Bio-Ziegen oder Bio-Schafe einen permanenten Zugang zur Weide haben.

Mindestgröße

Außerdem gibt es Vorgaben für die Mindestgrößen der Weideflächen abhängig von der Anzahl der Tiere. Die Konsumenten sollen sich darauf verlassen können, dass die Vorgaben für die Tierhaltung überall eingehalten werden, wenn sie Bioprodukte kaufen.

Die strengeren Bestimmungen „stellen für mehrere hundert Betriebe eine große Herausforderung dar“, hieß es seitens des Landwirtschaftsministeriums. Bio-Austria Burgenland befürchtet, dass Landwirte von Bio wieder zu konventioneller Landwirtschaft zurückkehren. Das würde natürlich dazu führen, dass weniger Biomilch produziert wird. Bio-Austria kann nicht sagen , wie viele Biobauern mit Kühen bisher aufgegeben haben. Viele können es nicht gewesen sein. Denn in den ersten neun Monaten dieses Jahres ist die Liefermenge bei Biomilch um 3,4 Prozent gestiegen. Es gibt also nicht weniger Biokühe in Österreich, sondern mehr. Bei der konventionellen Milch hingegen ist die Produktionsmenge bis September nur sehr gering angewachsen.

Die Zielvorgabe der EU-Kommission, den Anteil an Bioflächen von 25 Prozent zu erhöhen, wurde in Österreich bereits heuer erricht. 25 Prozent Biobauern bewirtschaften 26 Prozent der Agrarflächen. Die Kritik an der Bioverordnung der EU war wohl überzogen.

Strategisches Ziel

Wobei 25 Prozent Biofläche keine gesetzliche Vorgabe sind, sondern lediglich eine Anregung, betont die EU-Abgeordnete Simone Schmiedtbauer (ÖVP). Es handle sich dabei um ein „strategisches Ziel der EU-Kommission und um keine rechtliche Vorgabe“. Man habe einen Bio-Aktionsplan erstellt, der die EU-Länder dazu motivieren soll, auf biologische Landwirtschaft umzustellen.

Schmiedtbauer spricht von einer „soliden Grundlage“ und warnt vor einer internen Auseinandersetzung zwischen Biobauern und konventionellen Bauern. „Wir dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen.“ Die Subventionen für Biobauern sind deutlich höher als für die konventionellen Bauern.

Laut Eurostat wurden 2020 rund acht Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der EU biologisch bewirtschaftet. Die Unterschiede innerhalb der EU sind groß. Den mit Abstand höchsten Bioanteil hat Österreich. Auf Platz zwei folgt Estland mit knapp über 22 Prozent. Italien und Tschechien halten bei jeweils rund 15 Prozent. Es gibt aber auch EU-Länder, die bisher nicht viel mit Bio zu tun hatten. Rumänien etwa hat einen Bioflächenanteil von unter drei Prozent. Und wie weit dort die Flächen für ökologische Landwirtschaft ausgeweitet werden, entscheidet allein Rumänien.

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