Die drei Mechatronik-Lehrlinge Arlinda Arsllani, Belinda Prucksamas und Melanie Brechelmacher

© Foto: Michaela Bruckberger

Wirtschaft
06/25/2019

Mechatronik-Lehre: Die drei Mädels vom IT-Service

Beim IT-Dienstleister TSG in Wien gibt es mehr weibliche Mechatronik-Lehrlinge als männliche. Der KURIER war zu Besuch.

Heute kein Bargeld, der „Cashboy“ streikt. Die Banknotenausgabe-Einheit muss dringend gewartet werden, wahrscheinlich hat Schmutz die sensible Mechanik verunreinigt. Kein Problem für Arlinda, Belinda und Melanie. Die drei Mechatronik-Lehrlinge der Wiener IT-Firma TSG EDV-Terminal Service GmbH wissen genau, was zu tun ist. „Wir haben jetzt vier Stunden Zeit, um das Gerät zu reparieren und an den Außendienst zu übergeben“, erzählt Melanie Brechelmacher. Die 19-Jährige hat bereits Erfahrung im IT-Service, sie schließt ihre Ausbildung schon im nächsten Jahr ab.

Arlinda Arsllani (17) und Belinda Prucksamas (17) sind noch nicht so lange dabei, Scheu vor dem Zerlegen komplizierter technischer Anlagen kennen sie trotzdem keine. „Ich wollte nie einen klassischen Frauenberuf erlernen und Mechatronik gilt als Zukunftsberuf“, begründet Belinda die Wahl. Sie will parallel zur betrieblichen Ausbildung auch die Matura machen und besucht Abendkurse. Arlinda kam durch das Poly und Praktika zur Technik.

Frauen im Fokus

Drei von fünf Mechatronik-Lehrlinge bei TSG sind weiblich, bei der Konzernmutter Atos beginnt im September eine IT-Systemtechnikerin. Atos entstand 2011 aus der Fusion der französischen Atos Origin mit der Siemens-IT-Sparte SIS. Insgesamt werden rund 1.700 Mitarbeiter in Österreich beschäftigt.

Extras

„Bei uns werden Lehrlinge gleich in Projekten eingesetzt“, erläutert Denise PoschCommunication & Marketing Expert bei Atos Österreich. Um Jugendliche zu gewinnen, werden Extras wie 50 Euro Essenszuschuss, Prämien bei guten Schulerfolgen und Abschlussgeschenke geboten. Nach Lehrabschluss winkt ein Job bei TSG oder Atos. Auch die drei jungen Frauen wollen im Betrieb bleiben, wenn das Gehalt stimmt. Ihr Lehrlingseinkommen könnte durchaus noch höher sein, sind sie sich einig. Der IT-KV sieht für den Lehrberuf Mechatronik, Büro- und EDV-Systemtechnik 610 Euro im ersten Lehrjahr vor.

Technik unter Top-10

Auch wenn außerhalb der Atos-Gruppe Frauen in Technikausbildungen nach wie vor rar sind, so ist ihr Anteil in den vergangenen Jahren doch deutlich gestiegen. Der Lehrberuf Metalltechnik rückte im Vorjahr sogar erstmals unter die Top-10 der häufigsten weiblichen Lehrberufe vor. Knapp 1.000 Mädchen oder 2,8 Prozent aller weiblichen Lehrlinge werden in der Metalltechnik ausgebildet, 380 absolvierten im Vorjahr ihre Abschlussprüfung. Bei den Mechatronikern waren 106 der 921 Lehr-Absolventen weiblich.

Mehr Vielfalt bei Berufswahl

Generell zeigt sich ein Trend zur Vielfalt bei der Berufswahl. Entschieden sich vor 15 Jahren noch mehr als die Hälfte aller Mädchen für die Top-3-Berufe Bürokauffrau, Friseurin oder Einzelhandelskauffrau, so lag die Quote im Vorjahr nur noch bei 43 Prozent. Diverse Fördermaßnahmen wie „FiT-Frauen in Handwerk und Technik“ oder „Open MINT“ scheinen hier ebenso zu wirken wie Mundpropaganda. „Ich möchte auch meine kleine Schwester dazu motivieren, dass sie einen technischen Beruf erlernt“, sagt die angehende Mechatronikerin Melanie. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bessere Bezahlung, Beschäftigungs- und Karrieremöglichkeiten.

Mechatronik: 270 offene Lehrstellen

Gefragter Lehrberuf
Der Lehrberuf Mechatronik (Mechanik+Elektronik) besteht aus einem Grundmodul sowie diversen Hauptmodulen, z.B.  Automatisierung, Büro- und EDV-Systemtechnik  oder alternative Antriebstechnik. Darüber hinaus gibt es Spezialmodule. Beim AMS sind aktuell 270 offene Lehrstellen gemeldet.

Lehrzeit
Die Lehrzeit dauert zwischen 3,5 und 4 Jahre. Es gibt die Möglichkeit zur Lehre mit Matura.  Die Lehrlingsentschädigung beträgt je nach Branche und Kombi  zwischen 610 und 800 Euro (1. Lehrjahr) bzw. 1.300 bis 1.600 Euro (4. Lehrjahr). Die Einstiegsgehälter für Mechatroniker liegen bei 1.500 bis 2.130 Euro.

Fahrradmechatronik
 Ab 1. Juli gibt es den neuen Lehrberuf „Fahrradmechatronik“.  Die Ausbildung  legt einen  Schwerpunkt   auf Fahrräder, E-Scooter, Segways etc. Auch zusätzliche  Kombinationsmöglichkeiten sind dann möglich.