Wie bezahlt wird, sollte dem Markt überlassen werden, meint MasterCard-Chef Gerald Gruber

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Plastikkarten
06/09/2015

MasterCard-Chef: "Bargeld nicht völlig verbieten"

Gerald Gruber: Die EU-Gebührensenkung dürfte die Kreditkartenverbreitung ankurbeln.

von Anita Staudacher

Das Zahlen mit Plastikgeld wird in Europa noch heuer deutlich billiger. Die EU hat im März die Verarbeitungsgebühren, die Banken untereinander verrechnen und von den Händlern verlangen, wenn ihre Kunden mit Karte bezahlen, gedeckelt. Voraussichtlich ab 9. Dezember wird MasterCard in Österreich diese Gebühren senken, kündigt Österreich-Chef Gerald Gruber im Gespräch mit dem KURIER an.

Deckelung

Ab dann dürfen die Kreditkartengebühren höchstens 0,3 Prozent des Kaufpreises betragen, jene für Debit-(Maestro-)Karten nur noch 0,2 Prozent. Derzeit machen die Kreditkarten-Gebühren in Österreich meist ein Prozent der Zahlung aus, in Deutschland sind es bis zu zwei Prozent. Wenn die Händler die Senkung an die Kreditkartenbesitzer weitergeben, könnten sich diese allein in Österreich bis zu 52 Millionen Euro ersparen, errechnete die EU.

Die Aufschläge hielten bisher aber auch viele Händler davon ab, Karten überhaupt zu akzeptieren. Gruber glaubt daher, dass die erzwungene Absenkung einen regelrechten Schub für die Verbreitung der Kreditkarte bringen wird. "Wir sehen heute schon reges Interesse von großen Handelsketten, die bisher keine Kreditkarten akzeptiert haben."

Wegen der relativ hohen Kaufsummen haben etwa stationäre Elektronikhändler wie etwa Mediamarkt bisher keine Kreditkarten angenommen. Sehr zum Ärger vieler Kunden, meint Gruber, denn diese seien unbares Bezahlen bereits aus dem Online-Handel gewohnt.

Multi-Channeling

Die zunehmende Vernetzung von Online- und Offline-Handel ("Multi-Channeling") führe dazu, dass die Händler eine Vielzahl an Zahlungsmöglichkeiten anbieten müssen. Gruber rechnet damit, dass auch deutlich mehr Prämien-Programme (z. B. Cash-Back-System der Bank Austria) die Kartenzahlungen ankurbeln werden.

Dass auch die jährliche Kartengebühr für die Konsumenten sinken wird, bezweifelt Gruber. "Die Banken verlieren massiv an Umsätzen und werden daher nach Kompensationen suchen." Der Kunde hätte aber von der im Kontopaket inkludierten Gratis- bis zur Premium-Karte mit vielen Features mittlerweile eine große Karten-Auswahl. Von den Karten-Transaktionen her gebe es in Österreich noch großes Potenzial. "Die Kreditkarte wird meistens erst ab 70 oder 100 Euro eingesetzt und vorwiegend im Urlaub genutzt". Dieses Verhalten ändere sich aber gerade durch die Verbreitung der Smartphones und ihren mobilen Zahlungsmöglichkeiten (s. Artikel unten).

Verhaltensänderungen würden aber nicht von heute auf morgen gehen.

Bargeld ade?

Gruber ist überzeugt, dass in der digitalen Gesellschaft der bargeldlose Zahlungsverkehr rasch wachsen wird – "deshalb muss ich Bargeld aber nicht völlig verbieten", kritisiert er jüngste Aussagen von Ökonomen, die sich aus Sicherheitsgründen für eine Abschaffung von Geldscheinen und Münzen aussprachen. Wie bezahlt wird, sollte den Händlern und Kunden überlassen werden, plädiert Gruber für die Kräfte des freien Marktes. Händler sollten selbst entscheiden, welches Zahlungsmittel sie akzeptieren. "Wenn ein Kunde mit Karte zahlen möchte, aber es nicht kann, wird er eben woanders hingehen."

Kampf um die Vorherrschaft bei Smartphones

65 Jahre nach Erfindung der Kreditkarte wird das Plastik zunehmend durch mobile Dienste im Smartphone ersetzt. Kreditkartenriesen wie MasterCard und Visa sehen sich dabei mit neuen, mächtigen Konkurrenten wie Google oder Apple konfrontiert – und suchen Allianzen.

So können Smartphone-Inhaber schon bald im Geschäft mittels eigenem Google-Bezahldienst „Android Pay“ bezahlen. Google reagierte damit auf den Apple-Bezahldienst „Apple Pay“, der in den USA bereits von 300 Banken unterstützt wird.

Auch MasterCard kooperiert mit Android Pay. Für Österreich gibt es noch keinen Starttermin, auch ist für Android Pay eine aktuelle Version des Google-Betriebssystems Chrome nötig. Im Sommer startet jedoch ein erstes Pilotprojekt mit der Maestro-Bankomatkarte im Smartphone. Der Dienst basiert auf der bereits in sechs Millionen Maestro-Karten verfügbaren Kontaktlos-Technologie NFC. „Ob ich mit der Plastikkarte oder mit meinem Smartphone eine Zahlungs-Transaktion auslöse, bleibt letztlich egal“, meint Gruber.

Mit der digitalen Geldbörse „MasterPass“ reagiert MasterCard auf die zunehmende Konkurrenz durch die eBay-Tochter PayPal. MasterPass speichert zentrale Bezahlinformationen, um Online-Einkäufe zu beschleunigen.

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