Wirtschaft

Lufthansa will auf dem Weg zum Gewinn den Staat loswerden

Der Ausstieg des Staates bei Lufthansa hat begonnen, operativ im Sommer Gewinn erwartet.

09/20/2021, 02:31 PM

Die AUA-Mutter Lufthansa will die milliardenschweren Corona-Staatshilfen bald zurĂŒckzahlen und dank einer anziehenden Nachfrage wieder operativ Gewinn machen. Die Airline will den Staat mit einer ĂŒber zwei Mrd. Euro schweren Kapitalerhöhung zum Ende des Jahres als MiteigentĂŒmer weitgehend loswerden. "Das ist ein großer Meilenstein auf unserem Weg nach vorne, und wir betrachten es als etwas Historisches", sagte Vorstandschef Carsten Spohr am Montag.

Die Lufthansa könne die Staatshilfen schneller zurĂŒckzahlen als gedacht. Dank der Impf-Fortschritte setzt der Konzern fĂŒr das laufende Sommer-Quartal (Juli bis September) auf ein positives operatives Ergebnis, wenn man die Kosten fĂŒr den Umbau ausklammert. "Wir verbrennen kein Geld mehr", sagte Finanzvorstand Remco Steenbergen in einer Telefonkonferenz mit Investoren.

Mit der geplanten Tilgung der Stillen Einlagen ĂŒber zusammen 2,5 Mrd. Euro wĂ€re die Lufthansa der erste Großkonzern, der die Corona-Eigenkapitalhilfen des Bundes zurĂŒckzahlt. Über das Jahresende hinaus soll nur noch das Aktienpaket ĂŒbrigbleiben, das rund 750 Mio. Euro wert ist. Steenbergen signalisierte, dass sich der Konzern im zweiten Halbjahr noch einmal Geld am Finanzmarkt leihen wolle. Weitere Mittel könnten 2022 mit dem Verkauf von Töchtern wie Airplus, der Cateringfirma LSG oder der Wartungstochter Lufthansa Technik hereinkommen. Bei Lufthansa Technik habe man eine Investmentbank beauftragt, ein Beschluss zum weiteren Vorgehen soll bis zum Ende 2021 fallen.

Die Regierung hatte den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) aufgelegt, um notleidenden Unternehmen ĂŒber die Virus-Pandemie hinwegzuhelfen. Der Fonds greift der Wirtschaft mit 8,7 Mrd. Euro unter die Arme - allein 5,8 Mrd. Euro wurden fĂŒr die Lufthansa bereitgestellt, aber nur zum Teil abgerufen. An den Tourismus-Riesen TUI gingen 1,2 Mrd. Euro, an die ReisebĂŒro-Kette FTI 485 Mio. Euro und an die Warenhaus-Kette Galeria Karstadt Kaufhof 460 Mio. Euro.

Die Lufthansa spĂŒrt mit dem Abebben der Corona-Pandemie und dem Wegfall von ReisebeschrĂ€nkungen Aufwind. Dennoch schließt der deutsche Branchenprimus dieses Jahr mit einem operativen Verlust ab. Er soll nach EinschĂ€tzung des Managements aber geringer ausfallen als das Minus von 5,5 Mrd. Euro im Krisenjahr 2020. Insgesamt dĂŒrfte die Lufthansa in diesem Jahr erst 40 Prozent ihrer Vor-Krisen-KapazitĂ€t erreichen. Spohr sagte, im Schlussquartal sollten es aber schon 60 Prozent sein. Die Kunden seien immer noch zurĂŒckhaltend: "60 Prozent unserer Buchungen haben nur zwei Wochen Vorlauf." Bei GeschĂ€ftsreisenden ziehe die Nachfrage wieder an. Hier könnte man mittelfristig auf 80 bis 90 Prozent des Vorkrisenniveaus kommen.

Billigflugkonkurrenten wie die irische Ryanair und die ungarische Wizz Air hatten vor kurzem ĂŒber eine vielversprechende Erholung ihrer GeschĂ€fte berichtet. Spohr sagte, im Vergleich der Direktverbindungen in Europa sehe es bei der Lufthansa-Gruppe Ă€hnlich gut aus. Allerdings leide sie noch unter dem mauen Flugverkehr bei den wichtigen Langstrecken. Die Lufthansa bereitet sich auf eine Öffnung des wichtigen Marktes USA und Nordatlantik vor. Spohr Ă€ußerte die Hoffnung, dass mehr LĂ€ndern dem Beispiel von Kanada und Singapur folgten: Diese Staaten erlaubten nun geimpften Passagieren die Einreise ohne QuarantĂ€ne. Wegen der gestörten Lieferketten sieht Spohr die Lufthansa aber als Gewinner des Booms in der Luftfracht.

Die Lufthansa-Anleger zeigten sich am Montag nur kurz von den Kapitalerhöhungs-PlĂ€nen geschockt. Die Aktien brachen um gut fĂŒnf Prozent auf 8,00 Euro ein, lagen aber am Mittag wieder im Plus. Die beschleunigte RĂŒckzahlung der Staatshilfen sollte der Lufthansa mehr Freiheit geben, kommentierte Analyst Gerald Khoo von der Investmentbank Liberum. Die neuen Aktien, mit denen Lufthansa ihr Kapital verdoppelt, sollen 3,58 Euro kosten.

Die Zeichnungsfrist beginnt am Mittwoch, wie angepeilt noch vor der Bundestagswahl. Mit Hilfe des Erlöses sollen die beiden Stillen Einlagen des WSF, von denen die Lufthansa 2,5 Milliarden Euro in Anspruch genommen hat, bis Ende des Jahres zurĂŒckgezahlt haben. Die ersten 1,5 Mrd. Euro sollen im Oktober, der Rest zum Jahresende getilgt werden.

Wenn der Bund bei der Kapitalerhöhung noch einmal zugreift und seinen Anteil nicht ohnehin verwĂ€ssern lĂ€sst, muss er seine verbliebene Beteiligung von 15,9 Prozent bis zum Herbst 2023 wieder verkaufen. Der WSF will sich dazu erst nach der Kapitalerhöhung Ă€ußern. GrundsĂ€tzlich begrĂŒĂŸe man aber den geplanten Einstieg in den Ausstieg des Staates, erklĂ€rte der WSF. Von vier Prozent hat er sich schon getrennt. Nimmt er sein Bezugsrecht wahr, wĂŒrde ihn das rund 340 Mio. Euro kosten. Er könnte auch einen Teil seiner Bezugsrechte verkaufen und den Erlös daraus in neue Lufthansa-Aktien stecken. Eine mit den PlĂ€nen vertraute Person erklĂ€rte, der Anteil des WSF dĂŒrfte mit der Kapitalerhöhung leicht auf 14 bis 15 Prozent abschmelzen.

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