Lufthansa-Streik: Auswirkungen auf Österreich unklar
Die Passagiere des deutschen Lufthansa-Konzerns müssen an Donnerstag mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Grund sind die Arbeitskampfmaßnahmen der Piloten und Flugbegleiter über den ganzen Tag. Bestreikt werden sollen sämtliche Starts ab Deutschland. Die Piloten streiken bei den Airlines Lufthansa und Lufthansa Cargo. Die Kabinengewerkschaft Ufo hat das Personal ebenfalls bei der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie bei der Regionaltochter Cityline zu einem Warnstreik aufgerufen. Neben den Drehkreuzen Frankfurt und München sind damit auch die Flughäfen in Hamburg, Bremen, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Berlin und Hannover direkt betroffen.
Das genaue Ausmaß der Ausfälle war zunächst unklar. Wie viele Flüge von und nach Österreich betroffen sind, ist ebenfalls unklar. "Das können wir leider nicht sagen, ich bedauere es, aber wir haben keine genaueren Zahlen im Augenblick", sagt eine Lufthansa-Sprecherin zum KURIER. "Wir haben überhaupt noch nicht die Informationen, wie viele Flüge durchgeführt werden können und wir werden es auch nicht auf die einzelnen Flughäfen, Regionen und Länder runterbrechen können. Dazu ist die Lage zu volatil." Es werde in Kürze ein generelles Statement der Lufthansa geben, inwieweit der Flugverkehr betroffen sein wird, ohne dass die Lufthansa auf die einzelnen Flughäfen eingehen wird.
"Vereinzelte Auswirkungen sind nicht auszuschließen, ob Flüge von und nach Wien betroffen sind, steht zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht fest", sagt Peter Kleemann vom Flughafen Wien zum KURIER.
AUA-Flüge sind vom Lufthansa-Streik nicht betroffen. Wie die AUA-Sprecherin Anita Kiefer dem KURIER mitteilt, wird die AUA am Donnerstag bei einigen Verbindungen nach München und Frankfurt größere Fluggeräte einsetzen. Damit sollen die Flugausfälle der Lufthansa "etwas aufgefangen werden".
Detail am Rande: Neben der Austrian Airlines sind auch die Flüge der ausländischen Gesellschaften Swiss, Ita und Brussels Airlines sowie die der deutschen Lufthansa‐Töchter Eurowings und Discover nicht von dem Streikaufruf betroffen.
Höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten gefordert
Zu dem Streik aufgerufen haben die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit für die Piloten und die Kabinengewerkschaft Ufo für die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter. Offiziell streiken die Piloten für höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten. Hierzu liegt schon seit dem Herbst eine Urabstimmung der Mitglieder vor, die mit Mehrheit für Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt haben.
Ufo will ohne Urabstimmung mit einem Warnstreik Verhandlungen zu Tarifverträgen bei der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Cityline erzwingen. Allein dort seien wegen der Konzernstrategie rund 800 Jobs bedroht. Ufo will hier einen tariflichen Sozialplan. Laut einem Mitgliederrundschreiben würden Verhandlungen vom Management verweigert. Bei der Kerngesellschaft warte man bisher vergeblich auf Verhandlungen zum Manteltarifvertrag.
"Unnötige Eskalation"
Der Lufthansa‐Vorstand hat die für Donnerstag angekündigten Crew‐Streiks als „völlig unnötige Eskalation“ kritisiert. Die jeweiligen Forderungen der Gewerkschaften würden weitere starke Kostensteigerungen bei der Lufthansa‐Kerngesellschaft bedeuten, sagte Personalvorstand und Arbeitsdirektor Michael Niggemann in Berlin. Dort bestehe aber keinerlei Spielraum. Die Piloten gingen bereits heute mit monatlichen Bezügen von durchschnittlich 8.400 Euro einschließlich der gesetzlichen Rente in den Ruhestand, erklärte Niggemann. Die Forderungen der Vereinigung Cockpit gingen weit darüber hinaus.
„Wir können eine Top‐Versorgung nicht einfach noch mal verdoppeln.“ Niggemann: Kabine schon jetzt zu teuer Den Kabinenbeschäftigten bei der perspektivisch auslaufenden Cityline habe man großzügige Angebote zur Übernahme bei anderen Gesellschaften gemacht, sagte der Manager. Die Ufo‐Forderungen zum Manteltarif bei der Lufthansa Classic liefen auf weitere Kostensteigerungen von rund 10 Prozent hinaus. Bereits heute liege die Produktivität der Besatzungen bei der Kerngesellschaft 10 bis 20 Prozent hinter dem Wettbewerb. Niggemann setzt nach eigenen Angaben auf weitere Gespräche. „Ich bin fest überzeugt, dass es den Beschäftigten um Perspektiven geht. Da ist eine
Erhöhung der Kosten genau kontraproduktiv.“
City Airlines soll Cityline ersetzen
Am Dienstag hatte der Lufthansa-Konzern bekanntgegeben, dass die neue Gesellschaft City Airlines nun erstmals auch das Drehkreuz Frankfurt bedient. Bis zum Herbst soll die Flotte am Rhein-Main-Flughafen auf sieben Flugzeuge vom Typ Airbus A320 mit der neuesten Triebwerksgeneration wachsen. Bisher sind 13 Flugzeuge der 2024 gegründeten Plattform am zweiten Drehkreuz in München stationiert.
Für Passagiere ist kaum zu erkennen, mit welcher Gesellschaft sie fliegen, weil City Airlines voll in den Lufthansa-Flugplan integriert ist und auch keine eigenen Tickets verkauft. Ein ähnliches Konzept verfolgt der Konzern bei der Tochter Discover, die auch Fernflüge anbietet. Hier hat die Konkurrenzgewerkschaft Verdi Tarifverträge für Kabine und Cockpit abgeschlossen.
Für das Wachstum der 100-prozentigen Tochter stellt der Konzern in Frankfurt neu ein. 60 Kräfte seien bereits gewonnen, die Einstellung von 280 weiteren Beschäftigten sei geplant. Aktuell beschäftigt die Airline rund 450 Menschen.
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