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Wirtschaft
11/06/2019

Lufthansa sagt 1300 Flüge ab - auch Wien-München ist betroffen

Flugbegleiter-Streik: AUA-Flüge sind nicht betroffen, 13 Flüge fallen von und nach Wien aus.

Die AUA-Mutter Lufthansa sagt wegen des angekündigten 48-Stunden-Streiks der Flugbegleiter insgesamt 1.300 Flüge mit rund 180.000 betroffenen Passagieren ab. Am Donnerstag sollen in der Gruppe 700 von 3.000 geplanten Flügen gestrichen werden und am Freitag 600, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt mit.

Da hat auch Auswirkungen auf den Flugbetrieb in Österreich, diese sind aber überschaubar.

Die AUA-Flüge sind laut Rückfrage des KURIER ausdrücklich nicht betroffen. Die österreichische Lufthansa-Tochter wird am Donnerstag und Freitag auf den Flugdestinationen Frankfurt und München hingegen sogar größere Flugzeuge einsetzen, um der Lufthansa zu helfen.

Betroffen sind demnach die Destinationen München mit 6 Flügen (3 hin, 3 zurück) und Frankfurt mit 7 Flügen (4 hin, 3 zurück). Die übrigen 7 Lufthansa-Flüge, die für Donnerstag geplant sind, würden aus derzeitiger Sicht durchgeführt, so der Sprecher. Das betrifft 2 Flüge von/nach München und 5 Flüge von/nach Frankfurt.

Gerichtlich bekämpft

Noch kämpft Lufthansa gegen die Streiks ihrer Flugbegleiter vor Gericht. Doch die Auswirkungen auf den Flugplan sind bereits heftig.

Laut dem am Mittwoch veröffentlichten Sonderflugplan fallen ein Großteil der Lufthansa-Flüge aus, denn in der Gesamtzahl sind auch zahlreiche Flüge nicht bestreikter Tochter-Unternehmen enthalten. Diese kleineren Töchter - Eurowings, Germanwings, Sunexpress, Lufthansa Cityline, Swiss, Edelweiss, Austrian Airlines, Air Dolomiti und Brussels Airlines - werden nicht bestreikt. Sie versuchen möglichst, größere Flugzeuge einzusetzen, um Lufthansa-Passagiere zu übernehmen.

Nicht nur betroffene, sondern alle Lufthansa-Passagiere, die einen Flug am Donnerstag oder Freitag gebucht haben, können innerhalb der nächsten zehn Tage kostenlos auf einen anderen Flug innerhalb der Gruppe umbuchen.

Ist Ihr Flug betroffen? Hier geht es zur aktuellen Information der Lufthansa.

 

Umfangreiche Umbuchungen

Die Gewerkschaft Ufo hatte sich vorbehalten, den Streik bei der Lufthansa-Kernmarke auch noch auf weitere Flugbetriebe auszuweiten. Den Kunden hat Lufthansa bereits umfangreiche und kostenfreie Umbuchungsmöglichkeiten angeboten.

Ufo fordert für die rund 21 000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. In dem gesamten Tarifkonflikt geht es aber hauptsächlich um die vom Konzern aufgeworfene Frage, ob Ufo überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann. Zumindest angedroht ist zudem die Ausweitung auf vier weitere deutsche Flugbetriebe des Konzerns inklusive der Eurowings. Für diese Flugbetriebe gibt es jeweils separate Tarifforderungen.

Gerichtlich bekämpft

Zuvor hatte die Lufthansa vor dem Arbeitsgericht Frankfurt eine juristische Niederlage erlitten, kündigte aber unmittelbar danach an, beim Landesarbeitsgericht in die Berufung zu gehen. Damit könnte noch am Mittwoch eine zweite Gerichtsverhandlung um die Rechtmäßigkeit des Streiks der Gewerkschaft Ufo stattfinden. Das Landesarbeitsgericht hatte zunächst aber noch keinen Termin festgelegt.

Das Arbeitsgericht Frankfurt hatte in erster Instanz den Eilantrag des Unternehmens gegen den Streik abgelehnt. Nach kursorischer Einschätzung seien die Tarifverträge korrekt gekündigt worden und der Streikbeschluss gültig, erklärte die Vorsitzende Richterin.

Angriffe der Lufthansa-Anwälte gegen die kurzfristig geänderte Arbeitskampfordnung der Gewerkschaft lehnte die Richterin ab. Es gebe auch keine offenkundigen Zweifel an der Tariffähigkeit, die das Bundesarbeitsgericht der Ufo zuletzt in einem Urteil von 2014 bestätigt habe.

Krisengespräch abgesagt

Der Gewerkschafts-Vizevorsitzende Daniel Flohr sagte die Teilnahme an dem für Mittwochabend angesetzten Krisengespräch mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr ab, da man mit der Berufung beschäftigt sei. Er schätze das Gespräch, an dem auch Vertreter der Verdi und der in Gründung befindlichen Cabin Union teilnehmen sollten, ohnehin als „PR-Coup“ des Lufthansa-Chefs ein. Eine Lösung der Probleme sei dort nicht zu erwarten.

In der Gerichtsverhandlung hatte Lufthansa der Gewerkschaft noch sofortige Vorverhandlungen zu tariflichen Themen angeboten, die aber erst mit dem neu zu wählenden Ufo-Vorstand ab dem 15.2.2020 finalisiert werden könnten. Den jetzigen Vorstand lehne man weiterhin als nicht vertretungsberechtigt ab, erklärte der Lufthansa-Anwalt. Ufo verlangte hingegen sofortige Tarifverhandlungen auf Augenhöhe mit dem aktuellen Vorstand.

Als letzte Möglichkeit zur Verhinderung des Streiks könnte Lufthansa auch eine Schlichtung verlangen, was aber letztlich auf eine Anerkennung des Ufo-Vorstands hinausliefe. Die Gewerkschaft würde dies befürworten, sagte ihr Sprecher Nicoley Baublies der Deutschen Presse-Agentur.

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