Wirtschaft 05.10.2017

Lufthansa auch im Rennen um Alitalia Favorit

© Bild: APA/dpa/Christoph Schmidt

Die steigende Konzentration in der Airline-Branche ist umstritten.

Die AUA-Mutter Lufthansa will nicht nur die Air Berlin, sondern auch die Alitalia unter ihre Flügel nehmen. Italienische Medien handeln den deutschen Kranich mittlerweile als Favoriten im Rennen um die Alitalia. Die Konkurrenz wird immer dünner: Nachdem Ryanair-Chef Michael O’Leary sowohl an der Air Berlin als auch an der Alitalia das Interesse verloren und längst abgewunken hat, will auch Easyjet nicht mehr bei der Alitalia einsteigen, berichten italienische Medien.

Währenddessen ist Mitte dieser Woche eine Delegation aus Deutschland in Rom gelandet. Die Lufthansa- Manager sind nun damit beschäftigt, mögliche Synergien zwischen Lufthansa und Alitalia auszuloten. Die Wirtschaftszeitung Milano e Finanza geht davon aus, dass die Deutschen mehr als nur einzelne Flugzeuge in ihre Gruppe holen wollen. Das würde der italienischen Regierung sehr recht kommen. Sie will die Airline, die einen Schuldenberg in Höhe von drei Milliarden Euro angehäuft hat, auf einem Schlag los werden. Zuletzt hatten hohe Kosten und die steigende Konkurrenz von Bahn und Billigfliegern das Geschäft unrentabel gemacht.

Noch bis 16. Oktober können Interessenten Gebote abgeben. Anfang Juli war von zehn Bietern die Rede, mittlerweile dürfte der Kreis zusammengeschrumpft sein.

Ob es überhaupt legitim ist, dass Riesen wie Lufthansa ihre Marktmacht weiter ausbauen, ist umstritten. Kritiker warnen davor, dass mangelnder Wettbewerb zwangsläufig zu steigenden Ticketpreisen führen wird.

Weniger Airlines

Von Seiten des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) kommt indes der Ruf nach mehr Konsolidierung. Der Verband bemüht Vergleiche mit den USA. Die fünf größten US-Airlines teilen sich 85 Prozent des Marktes untereinander auf, in Europa kommen die Top-5 – Lufthansa, Air France, IAG, Easyjet und Ryanair – auf 64 Prozent des Marktes.

Laut dem Airlineverband IATA fliegen Europas Luftlinien weniger Profit ein als ihre Konkurrenten in Übersee. Schuld daran seien die Billigflieger, die die Preise und damit Erlöse pro verkauftem Sitzkilometer drücken. Derzeit halten die Billigflieger einen Marktanteil von 40 Prozent.

Die großen Wachstumssprünge spielen sich jedenfalls woanders ab. Airbus geht in Europa von einem jährlichen Passagierwachstum von 3,3 Prozent aus, in Asien sollen es 5,5 Prozent sein.

( kurier.at ) Erstellt am 05.10.2017