Wirtschaft
06.04.2017

Lidl setzt auf schnelles Essen und pfeift auf einen eigenen Web-Shop

Lidl hat seinen Umsatz in Österreich um mehr als 100 Millionen Euro gesteigert.

Eine Leberkäs-Semmel, eine Dose Red Bull oder ein Kaffee aus dem Automaten – dafür waren Diskonter bisher nicht gerade bekannt. Das ändert sich. Diskonter holen sich mit internationalen Marken und schnellen Snacks für zwischendurch zusätzliche Kunden ins Geschäft.

Lidl probt seit vier Monaten in neun Märkten den Verkauf von warmen Leberkäs-Semmeln, Pizzaschnitten oder Cheeseburgern. Der Kunde fischt sich die warmen Snacks selbst aus den Selbstbedienungsfächern. "Feinkosttheken werden wir auch künftig nicht haben", betont Lidl-Österreich-Chef Christian Schug. Das Angebot soll punktuell ausgerollt werden, "interessant sind vor allem fußläufig erreichbare Standorte etwa neben Büros, Unis oder Schulen".

Das Geschäft mit dem schnellen Essen boomt. "Vor allem mit frisch geschnittenem Obst und Gemüse", so der Lidl-Chef, der zudem regionale und Bio-Lebensmittel im Trend sieht. Dass er kürzlich brasilianisches Rindfleisch beworben hat, sieht er als keinen Gegensatz zur Regionalstrategie. Das sei "eine Ergänzung". Schließlich würde der Lidl-Konzern ja auch italienische oder griechische Wochen fahren. Von solchen Länderwochen würden auch österreichische Produzenten profitieren, die ins Lidl-Vertriebsnetz von 10.000 Filialen in 30 Ländern liefern. So habe Lidl im Vorjahr mehr als vier Millionen Flaschen österreichischen Wein, mehr als 500 Tonnen Wurst oder 1500 Tonnen Käse in ganz Europa verkauft. Schug: "Rund 200 Millionen Euro haben österreichische Lebensmittelproduzenten allein über Exporte in andere Lidl-Gesellschaften in Europa umgesetzt."

Nein zum Web-Shop

In Österreich hat der Diskonter im Vorjahr 13 neue Standorte eröffnet, heuer sollen zu den aktuell 220 Märkten weitere acht kommen. Der Sprung ins Online-Geschäft ist aber nicht geplant. "Wir haben in Österreich so viele Lebensmittelgeschäfte, dass man am Heimweg quasi zwangsläufig bei einem Geschäft vorbeikommt. Derzeit ist der Onlinevertrieb daher kein Thema für uns." Nachsatz: "Das kann sich natürlich schnell ändern."

Der Lidl-Österreich-Umsatz ist im Vorjahr um zehn Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gestiegen. In Österreich beschäftigt die Gruppe 4800 Mitarbeiter, zwei Drittel davon auf Teilzeitbasis. Lidl-Österreich ist Teil der deutschen Schwarz-Gruppe. Der Gesamtumsatz der Diskont-Gruppe lag zuletzt bei 64,6 Milliarden Euro.